Das E-Rezept soll im nächsten Jahr eingeführt werden. Hierbei und auch bei der Einführung der elektronischen Patientenakte hilft das neue Telemedizinische Kompetenz- und Versorgungszentrum in Stadtlohn zunächst den niedergelassenen Ärzten und Apothekern in Stadtlohn, Vreden und Legden. © picture alliance/dpa
Digitalisierung

Telemedizin in Stadtlohn: Digitale Vernetzung braucht noch etwas Zeit

Ärzte und Apotheker aus Stadtlohn, Vreden und Legden machen sich auf den Weg in die digitale Medizin. Das Telemedizinische Zentrum in Stadtlohn hilft. Die Patienten müssen sich noch gedulden.

In Stadtlohner Arztpraxen wird noch gefaxt. Oder die Arztbriefe werden zeitraubend per Post versendet. „Und wir müssen die Papierdokumente dann wieder einscannen, damit wir sie digital vorliegen haben“, sagt der Hausarzt Dr. Manfred Terbrack. Er betont: „Wir Hausärzte befürworten die Digitalisierung. Wir erhoffen uns von der elektronischen Patientenakte Bürokratieabbau und mehr Transparenz für die Patienten.“

Apothekerin Johanne Elias erwartet für die Patienten viele Vorteile nach der Einführung der digitalen Rezepte und Patientenakten.
Apothekerin Johanne Elias erwartet für die Patienten viele Vorteile nach der Einführung der digitalen Rezepte und Patientenakten. © Gerrit Gerwing

Auch die Apotheken hat die Digitalisierung noch nicht erreicht. „Wir warten schon viel zu lange auf die Einführung des E-Rezepts“, sagt zum Beispiel die Apothekerin Johanne Elias, Inhaberin der Berkel-Apotheke in Stadtlohn. Das sei schon für diesen Sommer angekündigt worden. Jetzt soll es im Januar 2022 an den Start gehen. „Das erleichtert die Lieferung der Medikamente nach Hause. Erkrankte Patienten sollten ja nicht in die Apotheke müssen.“

In der E-Patientenakte laufen wichtige Informationen zusammen

Johanne Elias ist fest davon überzeugt: „Eine bessere digitale Vernetzung nutzt vor allem den Patienten.“ Und sie nennt ein Beispiel: „Wenn ein Facharzt die Medikation umstellt, der Patient überfordert ist und der Hausarzt nicht alle notwendigen Informationen erhält, dann kann es zu konträren Verordnungen kommen.“

Welche Medikamente nimmt eine Patientin oder ein Patient ein, welche Vorerkrankungen liegen vor, wie sind die Blutwerte, welche Untersuchungen wurden im Vorfeld durchgeführt und wie verliefen frühere Behandlungen? Diese Informationen sollen in elektronische Patientenakte (ePA) zusammenlaufen.

Einführung verzögert sich noch

Seit dem 1. Januar 2021, so das Bundesgesundheitsministerium, bieten die Krankenkassen ihren Versicherten eine App zum Download an, mit der sie Zugang zur ePA bekommen. Im dritten und vierten Quartal 2021 sollten die Voraussetzungen da sein, damit „flächendeckend mit der Nutzung und Befüllung der ePA in den Arztpraxen gestartet werden kann“, so heißt es auf der Homepage des Bundesgesundheitsministeriums.

Apothekerin Johanne Elias aber stellt fest: „Ich kennen niemanden, der das schon nutzt.“ Hausarzt Manfred Terbrack sagt: „Wir Ärzte sind prinzipiell sehr aufgeschlossen für das Thema. Aber die technische Umsetzung ist sehr bürokratisch geregelt.“ Im ohnehin arbeitsreichen Praxisalltag fehle oft die Zeit für die praktische Umsetzung mit neuen Computerprogrammen und neuer Hardware.

Neues Stadtlohner Kompetenzzentrum begleitet Ärzte und Apotheker

Das neu geschaffene Telemedizinische Kompetenz- und Versorgungszentrum (TMVZ) in Stadtlohn will Ärzte und Apotheker auf dem Weg in die digitale Zukunft unterstützen. Eine Einladung aller in Stadtlohn, Vreden und Legden niedergelassen Haus- und Fachärzte sowie der Apotheker zu einer Informationsveranstaltung am vergangenen Donnerstag stieß auf sehr große Resonanz.

Über 40 Ärzte und Apotheker nahmen am ersten Meeting teil

„Über 40 Ärztinnen, Ärzte, Apothekerinnen und Apotheker haben an dem Zoom-Meeting teilgenommen“, freut sich Initiator Mathias Redders vom Kuratorium der Stiftung Maria-Hilf. Redders: „Nennt man die dazu, die definitiv verhindert waren, haben wir in Stadtlohn fast alle erreicht. In Vreden, denke ich, etwa die Hälfte und in Legden auch alle.“

Kuratoriumsvorsitzender Helmut Könning betonte, wie wichtig die Einbeziehung der Ärzteschaft und der Apotheker und später auch weitere Berufsgruppen in das TMVZ-Konzept von Anfang an sowohl dem im Klinikum wie dem Kuratorium ist.

Ein Arzt liest in einer elektronischen Patientenakte, die ein E-Rezept zeigt. Das neue E-Rezept  soll eine höhere Arzneimittelsicherheit für die Patienten schaffen.
Ein Arzt liest in einer elektronischen Patientenakte, die ein E-Rezept zeigt. Das neue E-Rezept soll eine höhere Arzneimittelsicherheit für die Patienten schaffen. © picture alliance/dpa/dpa-Zentralbild

Beate Kalz, Fachberaterin eHealth der Kassenärztlichen Vereinigung Westfalen Lippe (KVWL), informierte ausführlich über den elektronischen Arztausweis sowie die zur Einführung aktuell anstehenden Anwendungen elektronische Patientenakte, elektronische Fallakte, elektronische Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung und das eRezept.

Fristen sollen verlängert werden

Sie erklärte, dass die KVWL wie die kassenärztliche Bundesvereinigung sich intensiv bemühen, die Fristen für die Einführung dieser Anwendungen zu verlängern, um den Ärzten die Umsetzung in der Praxis zu erleichtern.

Außerdem warb sie intensiv für die elektronische Fallakte, die einen arztgeführten Austausch von Daten zusätzlich zur elektronischen Patientenakte ermöglichen soll.

Das TMVZ will in Gesprächen mit der KVWL erreichen, dass die Nutzung der elektronischen Fallakte für die teilnehmenden Ärztinnen und Ärzte kostenfrei erfolgen kann. „Die Aussichten hier für sind sehr gut“, so Beate Kalz.

Anbindung an das Virtuelle Krankenhaus möglich

Die Geschäftsführerin des Virtuellen Krankenhauses NRW, Nadja Pecquet, sowie der Wissenschaftler Jan Wohlmann von der Stabsstelle Telemedizin des Universitätsklinikums Münster gaben dann einen Einblick in das telemedizinische Angebot des Klinikums wie auch des Virtuellen Krankenhauses. Sie luden die ambulanten Ärzte wie auch die Ärzte im Klinikum ein, von der Expertise der Universitätskliniken in Nordrhein-Westfalen durch Anbindung an das Virtuelle Krankenhaus zu profitieren.

Mathias Redders hob hervor, dass der Aufbau von Strukturen zur Beteiligung der ambulanten Ärzteschaft und der Apotheken eines der Ziele der Aufbauphase des TMVZ sei. Einmal im Quartal soll zu einem „Virtueller Ärztlicher Beirat“ als Zoom-Meeting eingeladen werden. Hier, so Redders, könnten sich alle Ärzte einbringen.

Die Stadtlohner Apothekerin Johanne Elias freut sich über den eingeschlagenen Weg. „Einen solch breiten Austausch zwischen Ärzten und Apothekern hat es hier auf lokaler Ebene bislang nicht gegeben.“ Auch Hausarzt Dr. Manfred Terbrack erhofft sich einen Digitalisierungsschub. „Das Telemedizinische Kompetenz- und Versorgungszentrum kann wertvolle Hilfe bei der praktischen Umsetzung leisten.“

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Redaktion Ahaus
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