Ein Mitarbeiter trägt eine Holzplatte durch die Produktionshalle eines Tiny-House-Herstellers. Die Stadt Stadtlohn will sechs Parzellen für Tiny Häuser anbieten – wenn es genügend ernsthafte Nachfragen gibt. © picture alliance/dpa/dpa-Zentralbild
Meinung

Tiny Häuser sind nur eine winzige Alternative und lösen keine Probleme

Tiny Häuser nähren romantische Sehnsüchte. Aber ihr Beitrag zur Lösung der Wohnungsprobleme ist so winzig wie ihr Wohnkonzept, findet Redakteur Stefan Grothues. Ein Kommentar.

Tiny heißt winzig. Ein Tiny House ist ein winziges Eigenheim auf Rädern. Viele Menschen bekommen leuchtende Augen, wenn sie Bilder der stylischen Minihäuser in idyllischer Natur sehen. Zugegeben, ich auch. So möchte man mal leben, oder vielleicht auch nur Urlaub machen: Minimalistisch. Naturnah. Nachhaltig.

Aber seien wir ehrlich: Tiny Häuser lösen überhaupt keine Probleme. Sie verhindern keinen Flächenfraß, wenn sie so wie jetzt in Stadtlohn auf vier Parzellen à 300 Quadratmeter geplant werden – für jeweils nur einen Bewohner.

Sie erfüllen nicht den Wunsch junger Menschen nach günstigen eigenen vier Wänden, wenn sich Erschließungs- und Baukosten auf einen sehr hohen fünfstelligen Betrag addieren – für nur einen Bewohner.

Und sie lösen nicht das Problem, dass in Stadtlohn wie auch anderswo günstige Sozialwohnungen für Familien fehlen. Da hilft nur Nachverdichtung, die allerdings jedes Mal Proteste der Altnachbarn provoziert.

Und doch finde ich das Tiny-House-Experiment in Stadtlohn sympathisch. Weil es nicht schadet. Und weil es gut ist, alternative Wohnformen jenseits des münsterländischen Eigenheims und des Mietwohnungsbaus zuzulassen. Die eigentlichen städtebaulichen Herausforderungen aber liegen an der Bahnallee oder Brakstraße, wo attraktiver Wohnraum für Hunderte von Menschen geschaffen werden kann – und nicht nur für vier.

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Redaktion Ahaus
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