Trinkwasserförderung stößt in Stadtlohn an Grenzen – der Verbrauch steigt

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Trinkwasser ist in Stadtlohn an heißen Tagen immer öfter ein knappes Gut – vor allem wegen der Gartenbewässerung. Der Rat will mit den SVS-Versorgungsbetrieben über neue Strategien sprechen.

Stadtlohn

, 26.06.2020, 12:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

Politiker in Stadtlohn sorgen sich um die Trinkwasserversorgung. Nach den Sparappellen in den beiden Dürresommern 2018 und 2019 läuteten auch im trockenen Frühling 2020 schon wieder die Alarmglocken. Die Fördermengen sind begrenzt, aber der Pro-Kopf-Wasserverbrauch ist seit 2016 um 4,9 Kubikmeter gestiegen – allein ein Mehrverbrauch von 255 Millionen Liter Wasser.

„Was ist eigentlich mittlerweile geschehen, um die Probleme in den Griff zu bekommen?“, wollte der FDP-Fraktionsvorsitzende Bernd Schöning am Mittwochabend im Rat wissen. Schöning: „Der Sommer steht ja erst bevor, und wir haben schon die ersten Rekordverbräuche und Aufrufe zum Wassersparen hinter uns.“ Am liebsten hätte er dazu den Geschäftsführer der SVS-Versorgungsbetriebe befragt, doch der gab zur gleichen Zeit Auskunft im Rat einer Nachbarkommune.

Unterstützung erhielt Bernd Schöning von Reinhold Dapper (SPD). Der zeichnete angesichts des Klimawandels und sinkender Grundwasserstände ein düsteres Bild zur künftigen Trinkwasserversorgung in der Region, die eines Tags möglicherweise sogar auf teure Meerwasserentsalzung angewiesen sei. Dapper forderte, der Städte- und Gemeindebund solle für die Region eine Strategiediskussion zur Trinkwassersicherung führen. Bürgermeister Helmut Könning versprach, das Thema für die Tagesordnung vorzuschlagen.

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„Eigentlich ist die Trinkwasserversorgung in Stadtlohn ganz gut und auch auf Jahre hinaus gesichert“, betonte Bürgermeister Helmut Könning, der auch Aufsichtsratsvorsitzender der SVS-Versorgungsbetriebe ist. Aber er machte eine Einschränkung. „Wenn es nur nicht die hohen Tagesspitzen an heißen Sommertagen gäbe.“ Dabei sei nicht der Trinkwasserverbrauch im engeren Sinne das Problem, sondern das Rasensprengen und die Befüllung privater Swimmingpools.

Fördermenge ist auf 1,5 Millionen Kubikmeter begrenzt

Bürgermeister Könning: „Der Wasserverbrauch ist von 2,65 Millionen Kubikmeter im Jahr 2017 auf 2,8 Kubikmeter im Jahr 2019 gestiegen. Auf Stadtlohner Gebiet darf gemäß Bewilligung der Bezirksregierung Münster jedoch wegen der begrenzten Grundwasser-Neubildung nur 1,5 Millionen Kubikmeter gefördert werden.“

Durch die Verträge mit den umliegenden Wassergebieten sei die Versorgung im Gebiet der SVS gesichert. Problematisch seien nur die Tagesspitzen an heißen Tagen. Der 3000-Kubikmeter-Wasservorratsbehälter leere sich an solchen Extremtagen zu schnell. Daher werde derzeit ein neuer zusätzlicher Wasservorratsbehälter gebaut.

Die Planungen für den Bau einer neuen zusätzlichen Versorgungsleitung nach Borken schreiten nach Könnings Darstellung gut voran. Der Auftrag könne im Sommer vergeben werden. Mit der Fertigstellung sei Mitte 2021 zu rechnen. Der Versorgungsvertrag mit den Stadtwerken Borken reicht noch bis ins Jahre 2048.

Wasser aus Borken, Ahaus und Gescher

Aus Borken könne Stadtlohn derzeit bis zu 220 Kubikmeter pro Stunde beziehen, aus Gescher 24 und aus Ahaus 30 Kubikmeter pro Stunde. Der Trinkwasserzufluss aus den Nachbargemeinden hat sich in den letzten drei Jahren stetig erhöht. Aus Borken bezogen die SVS-Versorgungsbetriebe im vergangenen Jahr 1,75 Millionen Kubikmeter Trinkwasser (2017: 1,47), aus Gescher 100.000 (2017: 15.000).

Bernd Schöning und Reinhold Dapper regten an, Stadt, SVS und der Städte- und Gemeindebund sollten sich strategisch Gedanken um die Nutzung von Brauchwasser aus dem Klärwerk oder durch die Anlage von Regenwasserzisternen machen. Erste Ansätze, so Bürgermeister Helmut Könning, gebe es bereits: „Seit einigen Jahren werden die städtischen Bäume und Pflanzen mit dem Brauchwasser aus dem Teich an der Kläranlage gegossen.“

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Einstimmig beschloss der Rat, zu all diesen Fragen mit dem SVS-Geschäftsführer Thomas Spieß sprechen zu wollen. Er soll im Herbst in einer Ratssitzung Auskunft zu den langfristigen Trinkwasserstrategien der SVS-Versorgungsbetriebe geben.

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