Ein wenig stockten coronabedingt die Arbeiten am Erweiterungsbau der Türkisch-islamischen Kulturgemeinde zu Stadtlohn. Der Vorsitzende hofft aber noch auf eine Eröffnung in diesem Jahr.

Stadtlohn

, 25.09.2020, 04:00 Uhr / Lesedauer: 3 min

Die Corona-Krise hat auch die Türkisch-islamische Kulturgemeinde zu Stadtlohn (DITIB) getroffen – die Erweiterungsmaßnahme am Standort an der Hegebrockstraße ist noch nicht so weit fortgeschritten wie man es sich erhofft hatte. Im November 2019 war man dieses Projekt angegangen, eine 20 mal 10 Meter große Begegnungsstätte in Holzständerbauweise sollte im hinteren Grundstücksbereich entstehen. Ab März stockten die Arbeiten dann. Wie in vielen anderen Bereichen auch. Doch der Vorsitzende Güngör Tutka zeigt sich im Gespräch zuversichtlich, dass es mit der offiziellen Eröffnung in diesem Jahr noch etwas werden wird.

Multizwecksaal ist das Herzstück

Neben unter anderem Küche und Sozialräumen bildet ein über 120 Quadratmeter großer Mehrzwecksaal das Herzstück der Erweiterungsmaßnahme. Im Kern erhalten bleibt die Moschee, die seit nunmehr rund 20 Jahren ein Treffpunkt zum Gebet ist. Der Verein selbst ist nahezu doppelt so alt: Vor rund 38 Jahren war die türkisch-islamische Gemeinde in Stadtlohn gegründet worden, sie schloss sich gleich dem bundesweiten Dachverband DITIB an, der unter Aufsicht des staatlichen Präsidiums für Religiöse Angelegenheiten der Türkei steht.

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„Der Gebetsraum ist groß genug“, hatte Tutka vorab eine Bedarfsanalyse aufgestellt. Rund 120 Mitglieder aus Stadtlohn, aber auch Vreden, Gescher und Borken, umfasst der Verein, aktuell kommen 30 bis 35 Mitglieder zum Freitagsgebet mit Imam Hasan Celik, das in der Gemeinschaft gefeiert werden muss. „Unter den aktuellen Abstandsgeboten können wir nicht mehr Personen hereinlassen“, erklärt der Vorsitzende. Unter normalen Umständen ist die Resonanz noch deutlich höher, vor allem an hohen Festtagen.

Unterstützung durch Spenden war enorm

Der Freitag spielte auch bei der Finanzierung des Projekts – neben einer Kreditaufnahme – eine wichtige Rolle. „Wir sind insgesamt als Verein natürlich auf Spenden angewiesen“, so der Vredener. Und so nutzte man die Freitagsgebete, um Spenden zu sammeln – nicht nur in Stadtlohn selbst. Auch andere DITIB-Gemeinden wie in Ahaus, Hamm oder auch Duisburg wurden besucht. Und die Resonanz sei groß gewesen – bis Corona diese Besuche seit März nicht mehr möglich machte. Auch deshalb kam es zu Verzögerungen – „sonst wären wir schon fertig“.

Eigenleistung wird groß geschrieben

Unter diesen Umständen ist der Vorsitzende zufrieden mit dem Fortschritt. Wesentliche Gewerke wie Arbeiten an der Gebäudehülle, Dach-, Heizungs- und Sanitärarbeiten wurden an Unternehmen vergeben, aber auch die Eigenleistung war dem Verein wichtig. „Dann kann sich jeder mehr mit dem Projekt identifizieren, die Gemeinschaft und der Zusammenhalt werden gestärkt.“

Im hinteren Bereich des Grundstückes an der Hegebrockstraße 97 entsteht die neue Begegnungsstätte. Diese soll ihrem Namen gerecht werden – vor allem auch für Jugendliche.

Im hinteren Bereich des Grundstückes an der Hegebrockstraße 97 entsteht die neue Begegnungsstätte. Diese soll ihrem Namen gerecht werden – vor allem auch für Jugendliche. © Markus Gehring

Apropos Gemeinschaft: Die Idee zu diesem Projekt hat ihren Ursprung bereits in den 1980er-Jahren: Güngör Tutka wohnte damals in Nordhorn, war Vorstandsmitglied in einem Sportverein. „Seinerzeit stieg die Kriminalitätsrate bei Jugendlichen spürbar an. Darauf fiel ein Satz in einer Generalversammlung, den ich nicht vergessen konnte“, so Tutka. Sinngemäß hatte ein Mitglied verlauten lassen, dass ein Jugendlicher, der mit Religion aufwächst, nicht so schnell auf die schiefe Bahn gerät, mehr Halt besitzt. Oder anders: „Er wird in die Lage versetzt, zu unterscheiden, was gut und was schlecht ist.“ Diese Idee keimte beim Vorsitzenden wieder auf, als er sich mit dem 2017 frisch gewählten Vorstandsteam Gedanken zur Zukunft der Gemeinde machte.

„Wir wollen Jugendliche von der Straße holen“

Und so spannt sich der Bogen zum neuen Mehrzwecksaal: „Jugendliche sollen künftig nicht nur zum Gebet dorthin kommen, sondern um zu spielen, sich auszutauschen – und das unter Aufsicht. Wir wollen Jugendliche von der Straße holen“, bringt Güngör Tutka einen wesentlichen Zweck der Maßnahme auf den Punkt.

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Dem Vorsitzenden schweben auch schon weitere Kooperationen mit zum Beispiel den Jugendwerken in der Umgebung oder anderen Anbietern von Jugendprogrammen vor. Um diese vor Ort umzusetzen, soll der Saal auch entsprechend modern gestaltet werden, womöglich auch mit einem Beamer für Vorträge oder zum Playstation spielen: „Auch dafür benötigen wir letztlich Spenden“, räumt Güngör Tutka ein.

Kulturgemeinde ein „echtes Team“

Blickt er auf die vergangenen drei Jahre zurück, so kommt Güngör Tutka wieder auf das Thema Sport zu sprechen: „Wir sind eine tolle Mannschaft, jeder bringt das ein, was er gut kann. Ein echtes Team.“ Und auch deshalb ist er optimistisch, dass es mit der Eröffnung in diesem Jahr noch etwas werden wird. Denn: „Erfolge motivieren.“ Wie im Sport. Und diesen Erfolg wolle man dann auch mit der Bevölkerung teilen – so wie beim „Tag der offenen Tür“ vor drei Jahren. „Viele haben sich gefreut und waren überrascht, was wir alles so machen“, erklärt der Vorsitzende. Und er betont dabei, dass man eine für alle „offene Gemeinschaft“ sei.

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Nun müssen noch die sanitären Anlagen installiert werden, zudem stehen noch abschließenden Decken-, Streich- und Gartenarbeiten aus. „Das wird schon“, ist Güngör Tutka die Vorfreude anzumerken. Und bei schönem Wetter wird dann auch wieder mit den Familien zum Beispiel nach Sonnenuntergang im Ramadan gegrillt…

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