Verein will alte SVS-Turmstationen in Artenschutztürme verwandeln

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Über 30 Turmstationen prägten einst in Stadtlohn und Umgebung das Landschaftbild mit. Jetzt sind es nur noch sechs. Ein Verein möchte zumindest eine retten – für Fledermaus, Wildbiene und Co.

Stadtlohn

, 05.10.2020, 18:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

Die Zeit der elektrischen Turmstationen geht in Stadtlohn und Umgebung langsam zu Ende. Sie werden technisch nicht mehr gebraucht. Der Verein Turmstationen Kreis Borken-Coesfeld will alte Trafotürme retten und sie als Biotope nutzen.

Nisthilfen für Insekten, Vögel und Fledermäuse

„Wir kümmern uns seit längerer Zeit um die Erhaltung aufgelassener Turmstationen. Wir erhalten diese Stationen nachhaltig und werten diese arten-und naturschutztechnisch auf“, erklärt Lasse Vehof, des Gründer des Vereins. An den Türmen des Vereins werden Nisthilfen für Insekten, Vögel und Fledermäuse angebracht. Lasse Vehof: „Dafür können wir hohe Fördergelder beantragen. Die Zeitzeugen aus einer vergangen Zeit bleiben somit auch für die nachkommenden Generationen erhalten.“

Diese Turmstation an K33 in Estern ist eine von sechs, die im SVS-Versorgungsgebiet Stadtlohn, Südlohn und Vreden erhalten geblieben sind. Dies Turmstation steht noch nicht vor dem Abriss. Sie wird bis auf Weiteres noch als Umspannstation genutzt.

Diese Turmstation an der K33 in Estern ist eine von sechs, die im SVS-Versorgungsgebiet Stadtlohn, Südlohn und Vreden erhalten geblieben sind. Diese Turmstation steht noch nicht vor dem Abriss. Sie wird bis auf Weiteres noch als Umspannstation genutzt. © Stefan Grothues

Der Verein hat sich nun auch an die SVS-Versorgungsbetriebe gewandt, nach eigenen Angaben aber bislang ohne Erfolg. „Wir kommen dort einfach nicht weiter. Die SVS will ihre Stationen einfach abreißen“, sagt Lasse Vehoff aus Rhede, der Gründer des Vereins. Die SVS-Versorgungsbetriebe widersprechen dieser Darstellung.

Freileitungen werden unter die Erde verlegt

Als Turmstation oder Trafoturm bezeichnet man eine Bauform der Transformatorenstation, bei der die technische Anlage in einem turmförmigen Häuschen untergebracht ist. „Oben kann die 10-kV-Freileitungen direkt ins Innere geführt werden. Dort wandelt ein Trafo die Spannung auf 400 Volt herunter, sodass damit die Abnehmer in der Umgebung versorgt werden können“, erklärt Stefan Emming, Betriebsleiter Strom bei den SVS-Versorgungsbetrieben.

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Über 30 Turmstationen, viele davon aus den 1960er- und 1970er-Jahren zählte die SVS in Stadtlohn, Vreden und Südlohn. Jetzt sind es nur noch sechs. Der Grund: Fast alle Freileitungen in Stadtlohn, Vreden und Südlohn sind unter die Erde verlegt worden. Die letzten drei bis vier Kilometer Freileitung an der alten Ziegelei in Stadtlohn werden in allernächster Zeit durch ein Erdkabel ersetzt.

Kompaktstationen ersetzen Trafotürme

Jetzt reichten kleine kompakte Umspannstationen aus, die nur noch 3 Mal 1,5 Meter messen und gerade mal 1,20 hoch seien, erklärt Stefan Emming. Nach und nach würden auch die letzten sechs verbliebenen Trafotürme in Stadtlohn, Vreden und Südlohn durch die Kompaktstationen ersetzt.

Zuletzt wurde ein Trafoturm an der Baumwollstraße zwischen Vreden und Südlohn abgerissen. Er wich dort dem Neubau des Radweges. Ein weiterer Turm im Pingelerhook in Südlohn stehe vor dem Abriss. „In diesen beiden Fällen kam die Anfrage des Vereins einfach zu kurzfristig. Es gab auch bautechnische Gründe für den Abriss. Sicherheitsaspekte spielen ja auch eine Rolle“, sagt Stefan Emming.

SVS will sich der Idee der Artenschutztürme nicht verschließen

Der SVS-Betriebsleiter betont aber: „Wir wollen uns dieser Idee keinesfalls verweigern“, betont der SVS-Betriebsleiter. „Mit etwas Vorlauf werden wir sicher eine Turmstation finden, die wir für den Artenschutz erhalten können“, so Stefan Emming.

„Auf die Idee, die Türme als Artenschutztürme zu nutzen, bin ich schon im Jahr 2015 gekommen, als meine Friseurin erzählt hat, dass sie einen Turm in Schermbeck übernommen hat“, sagt Lasse Vehoff. Mitstreiter für das Projekt zu finden, gelang ihm schnell. Im Oktober 2019 gründete sich der Verein Turmstationen Borken-Coesfeld.

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Der Verein besteht aus zwölf jungen Mitgliedern aus Bocholt und Rhede. Vor wenigen Wochen hat der Verein eine Turmstation in Bocholt übernommen und in Eigenarbeit als Biotop ausgebaut. „Doch etwas zu finden, ist nicht leicht. Denn häufig fallen die Gebäude dem Abrissbagger zum Opfer“, so Lasse Vehoff.

Bei der Umsetzung des Projektes ist der Verein Turmstationen Kreis Borken-Coesfeld auch froh über Hilfe und Unterstützung interessierter Firmen. Auf der Internetseite informiert der Verein fortlaufend über sein Projekt. (www.turmstation-wollstegge.de)

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