Weiter Rätselraten über Ursache des Flugunfalls

Unfreiwilliger Fallschirmsprung

STADTLOHN Eigentlich wollte er nur seiner Schwiegertochter beim Tandemsprung zuschauen – von einem vermeintlich sicheren Platz neben dem Piloten aus. Dass der 48-jährige Rosendahler dann selbst einen unfreiwilligen Fallschirmsprung machte, bei dem er sich schwer verletzte, stellt nicht nur Flugexperten, sondern auch die Staatsanwaltschaft vor Rätsel.

von von Sylvia Lüttich-Gür

, 13.07.2009, 17:48 Uhr / Lesedauer: 2 min
Weiter Rätselraten über Ursache des Flugunfalls

Vom Flugplatz Wenningfeld aus war die Absetzmaschine mit dem 48-jährigen Rosendahler und seiner Schwiegertochter an Bord am Samstag gestartet.

Zumindest auf die zweite Frage kann Helmut Bastuck (Foto), Geschäftsführer des Deutschen Fallschirmsportverbandes im saarländischen Überherrn, schon jetzt eine Antwort geben: „Es gibt kein generelles Verbot, jemanden mitzunehmen“, erklärt er, „aber eine schon 24 Jahre alte dringende Empfehlung der Flugunfalluntersuchungsanstalt, es nicht zu tun.“ Deren Nachfolgeorganisation, die Bundesststelle für Flugunfalluntersuchung (BFU) in Braunschweig, führt auch die technische Untersuchung im Stadtlohner Fall durch – kein Routinejob für den zuständigen Mitarbeiter Roger Knoll: Dass ein Passagier neben dem Piloten auf dem Boden einer Maschine kniee, „sieht man sonst nur in James-Bond-Streifen.“ Helmut Bastuck, selbst seit 40 Jahren Fallschirmspringer und gleichzeitig Absetzpilot mit 10 000 Landungen, weiß, dass es auch jenseits von Hollywood vorkommt: „Um zum Beispiel jemanden mitzunehmen, der sich für eine Fallschirmsprungausbildung oder einen Tandemsprung interessiert, aber noch nicht sicher ist.“

Das sei auch am Samstag der Fall gewesen, berichtet Josef Stewing, Inhaber des Stadtlohner Unternehmens skydive, der eigens wegen des Unfalls seinen Urlaub unterbrochen hat. Dass der 48-Jährige in der Cessna mitgenommen wurde, sei „überhaupt nichts Ungewöhnliches.“ Von einer Empfehlung, neben den Tandem-Gästen keine weiteren Passagiere mit zu nehmen, weiß er nichts – wohl aber von einer, diese mit Fallschirmen zu sichern. Im Ermessensspielraum des Sprungleiters liege es, die Automatik, die den Schirm bei einer bestimmten Geschwindikgeit und Höhe öffne, an- oder auszuschalten. „Meiner Meinung nach spricht vieles für Ersteres“, so Stewing, selbst erfahrener Sprunglehrer. Denn nur die Automatik könne einen Laien retten, wenn das Flugzeug einen Unfall habe. 2001 hatte sich in Breitscheid ebenfalls ein Fallschirm in einer Maschine automatisch geöffnet und seinen Träger, einen Co-Piloten, rausgezogen – damals verhedderte sich der Schirm allerdings am Höhenleitwerk des Flugzeugs und ließ es abstürzen. Pilot und Co-Pilot starben. „Wir hatten da am Samstag noch großes Glück im Unglück“, so Stewing, der damals in Breitscheid Augenzeuge war. Allerdings: „Glück ist nichts, mit dem wir kalkulieren dürfen.“  Das Unternehmen skydive ist seit rund 15 Jahren in Stadtlohn ansässig – davon seit fünf Jahren unter der Leitung von Josef Stewing.  skydive führen im Jahr rund 1000 Tandemsprünge durch – ohne Zwischenfälle. Bundesweit werden jährlich 270 000 Fallschirmsprünge registriert, darunter nur 80 bis 85 Unfälle mit Schwerverletzten, darunter zehn bis zwölf Tandemunfälle, in der Regel Knochenbrüche oder Bänderverletzungen bei der Landung. 

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