Westfalenbus R61 lässt Fahrgäste in Stadtlohn vergebens warten

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Auf der Buslinie R61 Vreden-Stadtlohn-Gescher kommt es offenbar immer wieder zu Verspätungen oder gar zu Busausfällen. Die Fahrgäste sind verärgert und der Kreis Borken ist es auch.

Stadtlohn

, 23.01.2020, 04:00 Uhr / Lesedauer: 3 min

Lucien (13) ist Fahrschüler. Jeden Morgen steigt er um 6.37 Uhr an der Bushaltestelle am Krankenhaus an der Vredener Straße in den Bus der Linie R61. Er bringt ihn zur Gesamtschule nach Gescher. So sollte es jedenfalls sein.

Die Wirklichkeit sieht zu oft anders aus, beklagt seine Mutter Bianca Wortmann. „Die Kinder stehen pünktlich an den Bushaltestellen und kein Bus kommt. Und leider ändert sich nichts, trotz etlicher Telefonate.“ Bianca Wortmann betont: „Ich bin niemand, der sich schnell aufregt. Eine Verspätung oder ein Busausfall, das kann ja mal passieren.“

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Aber seit November häuften sich die Probleme, sagt die Stadtlohnerin. „Gestern (Dienstag) ist der Bus nicht gefahren. In der Woche davor am Montag auch nicht. Ich habe angefangen, die Ausfälle zu dokumentieren. Man kann sagen, dass der Bus im Schnitt einmal in der Woche nicht fährt.“

Für die Mutter dreier Kinder bedeutet das zusätzlichen Stress. Sie muss ihren Sohn morgens persönlich nach Gescher fahren. Auf dem Weg dorthin sieht sie zum Beispiel an der Bushaltestelle in Estern, dass Lucien nicht der einzige Fahrschüler ist, der wegen der Busausfälle auf der Strecke bleibt.

Fahrgäste beklagen viele Ausfälle und Verspätungen

„Leider sind die Ausfälle nicht so außergewöhnlich“, berichtet auch Josefin Wittke auf Facebook. Auf Nachfrage unserer Redaktion erklärt sie: „In den letzten zwei Wochen musste ich zweimal auf die bittere Art und Weise durch vergebliches Warten erfahren, dass der Bus nicht fuhr. Ich stand aber auch schon sehr oft über 15 Minuten an der Haltestelle und musste auf den verspäteten Bus warten.“

Und Sandra Berge schreibt: „Schön wäre, wenn der R61 mal verlässlich fahren würde! Nicht das erste Mal stand meine Tochter heute morgen umsonst an der Bushaltestelle am Breul! Sehr ärgerlich!“

Bianca Wortmanns Tochter besucht die St.-Anna-Realschule. Von den Eltern ihrer Mitschüler weiß sie, dass auch die Fahrschüler von Vreden nach Stadtlohn immer wieder vergeblich auf den Bus warten.

Westfalenbus nennt verschiedenen Ursachen

Bianca Wortmann hat sich schon mehrfach an den Betreiber der Buslinie gewandt. Das ist die Westfalenbus GmbH. Von dort gab es immer eine Erklärung. Mal habe der Bus einen Unfall gehabt, mal sei der Busfahrer auf dem Weg zur Arbeit verunglückt, mal sei der Bus zu voll gewesen. Und die Westfalenbus GmbH habe immer auf eine Patentlösung hingewiesen: das Taxi.

„Ersatztaxi ist keine Lösung“

Die Verkehrsunternehmen in Nordrhein-Westfalen haben die bestehenden Erstattungsregeln erweitert. Wenn sich Busse und Bahnen im Nahverkehr um mindestens 20 Minuten verspäten, dürfen die Fahrgäste ein Taxi nutzen. Die Westfalenbus GmbH habe ihr gesagt, sie könne sich die Kosten in Höhe von bis zu 25 Euro pro Fahrt später erstatten lassen.

„Aber dann müsste ich jetzt schon mit über 300 Euro in Vorkasse gehen“, sagt Bianca Wortmann. Und sie fürchtet, dass sie auf einem Teil der Kosten sitzen bleiben könnte. Laut „Taxi-Rechner.de“ kostet eine Fahrt von der Vredener Straße bis zur Gesamtschule in Gescher 26,30 Euro.

Für die Planung, Organisation und Ausgestaltung des straßengebundenen öffentlichen Personennahverkehrs (ÖPNV) im Regionalverkehr ist nach dem Gesetz der Kreis Borken zuständig. Das bedeutet, dass der Kreis Borken über den politisch beschlossenen Nahverkehrsplan eine angemessene Verkehrsbedienung im Kreisgebiet festlegt und diese dann auch zu finanzieren hat. Was sagt der Kreis zu den Problemen auf der Westfalenbus-Linie R61?

Kreis Borken ist verärgert

„Wir haben von den Problemen gehört und sind durchaus verärgert“, erklärte Karlheinz Gördes, Pressesprecher des Kreises Borken am Mittwoch auf Anfrage unserer Redaktion. Gördes: „Ich kann den Unmut der Kunden gut verstehen. Wir haben bereits in der Vergangenheit bei der Westfalenbus GmbH auf Besserung gedrungen.“ Zwischenzeitlich habe sich die Situation scheinbar verbessert, nun häuften sich aber wieder die Beschwerden.

„Wir haben jetzt noch einmal nachdrücklich bei der Westfalenbus GmbH und bei der Bezirksregierung, die die Konzession erteilt hat, einen verlässlichen Fahrplan angemahnt. Es ist Besserung gelobt worden“, so Karlheinz Gördes weiter.

Die Pressestelle der Westfalenbus GmbH konnte am Mittwoch eine Presseanfrage nicht beantworten, will aber in den nächsten Tagen eine Stellungnahme abgeben.

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