Stadtlohner bietet Zelte an, die Senioren aus der Einsamkeit helfen

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Bernd Busert aus Stadtlohn hat vor einem Jahr einen Zeltverleih übernommen. Statt auf dem Schützenfestplatz will er seine Zelte jetzt vor Seniorenheimen aufstellen.

Stadtlohn

, 28.04.2020, 17:00 Uhr / Lesedauer: 3 min

Seit mehr als sechs Wochen dürfen die Bewohner in Seniorenheimen keinen Besuch mehr bekommen. Keine Familie, keine Ehrenamtlichen, die plattdeutsche Geschichten erzählen, und auch keine Fußpflege. Sie haben nur die anderen Bewohner und die Pflegerinnen, die ihr Lächeln hinter Mund-Nase-Masken verstecken müssen.

Damit diese älteren Menschen nicht vereinsamen, hat Bernd Busert eine Lösung entwickelt. Der Stadtlohner hat vor einem Jahr das Unternehmen Zelte Stockhorst aus Gescher übernommen. Doch seine Zelte wird er im Moment nicht los.

Glasscheibe und Stellwände trennen Senioren und Besucher

In einem fünf mal fünf Meter großen Exemplar hat er jetzt einen Prototypen seines „Zeltes der Begegnung“ eingerichtet. Stellwände unterteilen die Fläche in vier gleich große Räume. Zwischen zweien ist jeweils eine Glasscheibe.

Das Zelt ist fünf mal fünf Meter groß und hat zwei Kabinen, die durch Glasscheiben getrennt sind.

Das Zelt ist fünf mal fünf Meter groß und hat zwei Kabinen, die durch Glasscheiben getrennt sind. © Victoria Garwer

„Auf der einen Seite könnten die Senioren sitzen, auf der anderen Seite die Familie. So können sie sich sehen und sich unterhalten, ohne direkten Kontakt zu haben“, erklärt Bernd Busert. Die Idee hat er sich von einem befreundeten Zeltverleiher aus Bochum abgeschaut.

Eine Stadtlohner Firma hat ihm kurzerhand die Stellwände gebaut, ein Vredener Glaser hat die Scheiben maßangefertigt. „Das ging alles innerhalb von ein paar Tagen“, freut sich Bernd Busert.

Schall gedämpft und Hygieneregeln eingehalten

Auf dem Boden hat er Teppich verlegt, um den Schall zu dämpfen. Links und rechts von der Glasscheibe sind längliche Öffnungen, die von beiden Seiten mit Stoff bedeckt sind. „Da kann der Schall durch, sodass man sich ganz natürlich und ohne technische Hilfsmittel unterhalten kann. Der Stoff ist mit Klettverschlüssen befestigt, sodass man ihn jeden Abend wechseln und waschen kann“, sagt der Zeltverleiher.

Durch die Öffnung kommt der Schall gut durch. Der Stoff auf beiden Seiten und abnehmbar.

Durch die Öffnung kommt der Schall gut durch. Der Stoff auf beiden Seiten und abnehmbar. © Victoria Garwer

Das Zelt ist barrierefrei erreichbar. Die Eingänge sind jeweils an genau gegenüberliegenden Seiten, sodass sich die Senioren und die Besucher nicht direkt treffen.

Schützenfeste, Hochzeiten und Geburtstage fallen weg

Normalerweise wäre im Moment Hochsaison für Zelteverleiher Bernd Busert. Doch wegen des Coronavirus wird alles abgesagt. Für den Stadtlohner bedeutet das Stillstand. 25 Schützenfeste und sieben Hochzeiten fallen weg und so bleiben die Zelte des Stadtlohners auf dem Hof. Die sechs Angestellten sind in Kurzarbeit, einen Lkw-Fahrer hat er an ein Lohnunternehmen ausgeliehen.

Ein harter Schlag für Bernd Busert, der sich erst vor einem Jahr selbstständig gemacht hat und das Unternehmen Zelte Stockhorst aus Gescher übernommen hat. „Meine Frau und ich, wir haben beide unsere Jobs hierfür aufgegeben. Und dann kommt nach einem Jahr so etwas, da kann man sich nicht drauf vorbereiten“, sagt er. Der Umzug des Unternehmens nach Stadtlohn wurde auch erst einmal verschoben.

Ein Zelt dient Seniorenheim als Umkleide

Bernd Busert hofft nun, dass er wenigstens mit seinen „Zelten der Begegnung“ ein bisschen Geld verdienen kann. „Ich will damit nicht reich werden. Schließlich geht es in dieser Situation darum, dass wir alle zusammen halten“, sagt der Selbstständige. Aber die laufenden Kosten, die müssten eben irgendwie gedeckt werden.

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Nur zwei Zelte hat er derzeit verliehen, eins davon an ein Seniorenheim in Eggerode. „Die haben darin einen Umkleidebereich für die Mitarbeiter geschaffen“, erklärt der Stadtlohner. Dort können sie vor Schichtantritt ihre Alltagskleidung ausziehen und kommen somit vor der Arbeit weder mit Bewohnern noch mit Mitarbeitern aus anderen Schichten in Kontakt.

Besuchsverbot gilt schon seit mehr als sechs Wochen

Bewohner von Seniorenheimen, im betreuten Wohnen, in Behinderten-Wohneinrichtungen oder auch Patienten im Krankenhaus dürfen schon seit Wochen keinen Besuch mehr empfangen. NRW-Ministerpräsident Armin Laschet und Gesundheitsminister Jens Spahn haben zwar schon Anfang Mai Lockerungen der Regelung in Aussicht gestellt, doch passiert ist bislang noch nichts.

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Bernd Busert würde sich freuen, wenn die Zelte über einen längeren Zeitraum an einer Einrichtung stehen bleiben könnten. Den Prototypen können sich Interessenten in Gescher anschauen. Bei Bedarf kann der Stadtlohner bis zu sechs Zelte in wenigen Tagen zu einer Begegnungsstätte umrüsten.

Und der Bedarf ist seiner Meinung nach auf jeden Fall da. Die Frage ist eben nur: Wer bezahlt das? Bernd Busert hofft, dass die Verantwortlichen die Notwendigkeit erkennen. „Und vielleicht unterstützen dann ja auch die Krankenkassen oder die Angehörigen.“

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