Heinz Garwer vom Eisenbahnclub zeigt die historische Bahntrasse zwischen Stadtlohn und Südlohn. Hier ist die Trasse noch gut zu erkennen, oft wird sie aber längst anders genutzt. Eine Reaktivierung der Strecke ist aus Garwers Sicht daher sehr unwahrscheinlich. © Markus Gehring
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Zugverkehr in Stadtlohn: Der größte Eisenbahnfan hält das für Träumerei

Stadtlohn träumt von einer neuen Eisenbahnanbindung. Alle Fraktionen haben in dieser Woche für eine Machbarkeitsstudie gestimmt. Doch manch ein Eisenbahnfan schüttelt ungläubig mit dem Kopf.

Die Stadtlohner Politik ist fast geschlossen für eine Reaktivierung der 32 Kilometer langen Eisenbahnstrecke von Ahaus über Stadtlohn und Südlohn nach Borken – wenn sie denn möglich sein sollte. Einstimmig hat am Dienstagabend der Wirtschaftsförderungs-, Infrastruktur- und Stadtentwicklungsausschuss für die Erstellung einer Machbarkeitsstudie gestimmt. Am Mittwochabend zog der Rat mit einer Gegenstimme nach.

Skepsis bei den Eisenbahnfreunden

Derweil steht Heinz Garwer in Hundewick auf der alten Bahntrasse und schüttelt mit dem Kopf. „Als ich von diesen Überlegungen gehört habe, dachte ich, das sei ein Karnevalsscherz. Und so ging es auch den anderen in unserem Eisenbahnclub.“ Heinz Garwer sagt aber auch: „Ich bin der letzte, der dagegen wäre, ich bin ja Eisenbahnfreak durch und durch. Aber ich glaube nicht dran, dass ich das erleben werde.“

Zusammen mit anderen Eisenbahnfans hält Heinz Garwer im WLE-Eisenbahnmuseum die Erinnerungen an die stolze Eisenbahngeschichte der Stadt Stadtlohn wach. Stadtlohn war von 1902 bis 1988 an das Eisenbahnnetz angeschlossen und mit gleich fünf Bahnhöfen eine echte Eisenbahnstadt. Neben dem Hauptbahnhof Stadtlohn gab es ja die vier Haltestellen in Wessendorf, Wenningfeld, Almsick und Hundewick.

Ein Bild vom Bahnhof aus dem Jahr 1955: Früher spielte die Eisenbahn als Verkehrsmittel im Leben der Stadtlohner eine wichtige Rolle.
Ein Bild vom Bahnhof aus dem Jahr 1955: Früher spielte die Eisenbahn als Verkehrsmittel im Leben der Stadtlohner eine wichtige Rolle. © WLW-Eisenbahnmueseum © WLW-Eisenbahnmueseum

Mit der Zunahme des Individualverkehrs per Auto und des Transports von Gütern auf der Straße verlor aber die Schiene an Bedeutung. Am 1. April 1984 wurde der Güterverkehr Vreden-Stadtlohn-Borken von der WLE auf die Deutsche Bundesbahn übertragen. 1988 stellte die Bundesbahn den Güterverkehr Vreden-Stadtlohn-Borken ein. Bereits am 9. Februar 1988 begannen die Abbauarbeiten an der Strecke.

Ein Schritt, den man heute wohl nicht mehr gehen würde. „Wir vom Eisenbahnclub haben schon vor der Stilllegung einen Antrag gestellt, die Trasse zu erhalten“, sagt Heinz Garwer. „Eine Antwort haben wir erst bekommen, als die Gleise schon weg waren.“

Interessenverband führt Machbarkeitsstudie durch

Jetzt aber wollen der Kreis Borken und Anlieger-Kommunen mit einem Gutachten klären, ob sich eine Reaktivierung der Bahnstrecke zwischen Ahaus und Borken lohnt. Die Anregung hatte der frühere Bürgermeister Helmut Könning gegeben. Nach Einschätzung des Verbandes der Verkehrsunternehmen (VDV) ist eine Reaktivierung der Bahnstrecke Ahaus-Stadtlohn-Südlohn-Borken sinnvoll, allerdings mit der nachrangigen Priorität C.

Der neue Bürgermeister Berthold Dittmann (parteilos) begrüßte am Dienstagabend die Idee. „Das ist eine gute Anregung.“ Bernd Kribbel (CDU) stimmte zu, gab aber gleichzeitig zu verstehen: „Wir machen uns keine große Illusionen. Ich weiß nicht, ob wir das wirklich erleben werden.“

„Ist die Bahn in 40 Jahren noch sexy?“

Dr. Albert Daniels (FDP) findet den Schritt grundsätzlich in Ordnung, fragte aber angesichts der langen Realisierungsdauer zweifelnd: „Ob die Bahn in 40 Jahren noch sexy ist? Da fliegen wir ja vielleicht schon alle mit dem Gyrokopter.“ Auch Otger Harks (SPD) stimmte für die Machbarkeitsstudie. Harks: „Ein Eisenbahnanschluss ist für die Stadt unheimlich wichtig, auch zur Erreichung unserer Klimaziele.“

„Aber wo soll der Zug denn fahren?“, fragt Eisenbahnfan Heinz Garwer im Gespräch mit unserer Redaktion. „Die Gleise sind ja nicht nur abgebaut, sondern die Trassen teilweise auch überbaut oder überplant. Eine Reaktivierung wäre so aufwendig und teuer, dass sie völlig unrealistisch ist.“

Heinz Garwer, Gründer des Eisenbahnmuseums in Stadtlohn, vor dem alten Hundewicker Bahnhof
Heinz Garwer, Gründer des Eisenbahnmuseums in Stadtlohn, vor dem alten Hundewicker Bahnhof © Markus Gehring © Markus Gehring

Darum seien er und auch die anderen Eisenbahnfreunde in Stadtlohn von den Überlegungen sehr überrascht gewesen. Dass die Machbarkeitsstudie eine solch breite Zustimmung findet, überrascht ihn aber nicht. Schließlich werde die Studie vom Zweckverband Mobilität Münsterland (ZVM) finanziert. Heinz Garwer: „Die Politiker hätten sich gezögert, wenn die Städte und Gemeinden die Studie selbst hätten bezahlen müssen. Aber so kostet es sie ja nichts.“

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