Zwischen vielen Hühnern und ganz viel Platz für die Stadtlohner Feuerwehr

hz#teinetuckert

Das neue Feuerwehrgerätehaus sollte ich mir in Stadtlohn unbedingt ansehen, hatte ich vor dem Rathaus gehört. Und ein Hühnerzüchter hatte auch noch einen Vorschlag.

Stadtlohn

, 10.09.2019, 18:07 Uhr / Lesedauer: 3 min

Als ich am Morgen vor dem Rathaus in Stadtlohn den Deutz kurz abgestellt hatte, um ein paar Zeilen zu schreiben, bekam ich gleich mehrfach den Tipp, doch unbedingt einmal zum Neubau des Feuerwehrgerätehauses zu fahren. Gesagt, getan.

Tag der offenen Tür am 22. September

Brandinspektor Rainer Milewski sieht dort gerade nach dem Rechten. Überall sind noch Handwerker beschäftigt. Die groben Arbeiten sind zwar erledigt, das eigentliche Gebäude ist ja längst fertig, doch die Tücke steckt im Detail: Lüftungstechnik, Steuerung, IT, Elektronik... Es ist noch eine Menge zu tun, bis die Feuerwehr Stadtlohn ihr neues Schmuckstück am 22. September mit einem Tag der offenen Tür einweihen und in Betrieb nehmen will.

Rainer Milewski nimmt mich mit auf eine Runde durch das Gebäude. Zeigt mir die große Fahrzeughalle, Spindraum, Aufenthalts- und Versorgungsräume. „Das Gebäude mag ja auf den ersten Blick groß wirken, aber zu groß geplant ist es auf keinen Fall“, erklärt er. Beispielsweise die 13 Plätze hinter den großen Rolltoren: Sie sind alle laut Plan schon belegt. Elf Stadtlohner Fahrzeuge und zwei aus dem Kontingent des Kreises Borken werden dort stehen.

Mehr als 120 Feuerwehrleute

Auch die Schulungs- und Umkleideräume brauchen eine gewisse Größe: „Wir sind 120 Feuerwehrleute plus Jugendfeuerwehr und Ehrenabteilung“, sagt Rainer Milewski. Die brauchten ganz einfach ihren Platz. Und der Ärger mit den Nachbarn? Die hatten sich ja unter anderem über den neuen Übungsturm aufgeregt. „Das wird sich mit der Zeit auch wieder einrenken“, glaubt Rainer Milewski.

Denn eins ist für ihn klar: „Wir müssen die Höhenrettung irgendwo üben“, erklärt er. Bisher konnte die Feuerwehr dafür eine leerstehende Wohnung in einem Obergeschoss benutzen. Doch die ist jetzt bewohnt, fällt also als Übungsort aus. „Außerdem können wir hier auf dem Gelände viel flexibler arbeiten“, sagt er.

Gemeinschaftszuchtanlage am Berkelufer

Am Feuerwehrgerätehaus treffe ich kurze Zeit später Ernst Liemann. Er ist Pressewart des Rassegeflügelzuchtvereins Stadtlohn und möchte mir unbedingt die Gemeinschaftszuchtanlage am Berkelufer zeigen. Er fährt mit dem Fahrrad vor, ich folge knatternd hinterher.

Zwischen vielen Hühnern und ganz viel Platz für die Stadtlohner Feuerwehr

Ein Radfahrer als Navigationssystem: Ernst Liemann fuhr Stephan Teine zur Gemeinschaftszuchtanlage des RGZV Stadtlohn voraus © Stephan Teine

„Das ist so etwas wie unsere eigene kleine Schrebergartenanlage“, sagt er scherzend, als wir an dem Tor angekommen sind. Züchter, die ihre Tiere beispielsweise wegen der Nachbarn oder wegen Platzmangels nicht im eigenen Garten halten können oder wollen, weichen dorthin aus. 20 Züchter der insgesamt rund 50 Mitglieder nutzen die Anlagen dort. Das Tor steht über Tag immer offen.

Beliebtes Ausflugsziel

„Viele Kindergärten oder Tagesmütter nutzen das zum Beispiel für einen kleinen Ausflug“, erklärt Ernst Liemann, der seit 1997 Geflügel züchtet. „Das hat mich damals einfach plötzlich gepackt und seitdem nicht mehr losgelassen“, sagt der 70-Jährige.

Die Mitglieder im Verein züchten Hühner, Zwerghühner, Gänse, Enten und Rassetauben. Zwei Züchter haben außerdem noch Reisetauben auf ihren Parzellen. Die Mitglieder sind dabei nicht alle in Würden ergraute ältere Männer. „Wir haben das Glück, dass wir eine sehr bunt gemischte Truppe sind und auch etliche Mitglieder zwischen 20 und 25 Jahren haben“, erklärt er.

Das sei mit der Zeit ein regelrechter Selbstläufer geworden. „Junge Mitglieder bringen andere jüngere Leute mit an den Verein heran“, fasst Ernst Liemann zusammen. Wichtig sei natürlich, dass die Jüngeren komplett in die Geschicke des Vereins mit eingebunden werden.

Jagd nach Meisterehren

Die meisten Züchter im Verein züchten gezielt für Ausstellungen. „Die sind auf der Jagd nach Meisterehren“, so Ernst Liemann. Wer es aber nur auf den schnellen Erfolg anlege, bleibe meist nicht lange im Verein. Die Parzellen sind daher auch fest in der Hand langjähriger Mitglieder.

Entsprechend sehen die meisten auch aus.

Mit viel Liebe zum Detail und jeweils nach ihren eigenen Vorstellungen haben die Mitglieder ihre Flächen gestaltet. Es gibt zwar Vorgaben, doch an vielen Stellen ist erlaubt, was gefällt. So hat der eine Züchter verschiedene alte landwirtschaftliche Geräte auf seiner Parzelle, während sein Nachbar seine Fläche eher minimalistisch gestaltet hat.

Und worin liegt das Zuchtgeheimnis eines erfolgreichen Züchters? „50 Prozent sind Können und Wissen, die anderen 50 Prozent Glück“, sagt Ernst Liemann lachend.

Ich fahre weiter. Meine nächste Station: der Flugplatz Stadtlohn-Vreden. Ich hab da noch was vor.

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