1,76 Euro statt 5700 Euro: Südlohner (39) veruntreut Geld seines Sohnes

hzGerichtsprozess

5700 Euro Halbwaisenrente für seinen Sohn erhalten und praktisch alles auf den Kopf gehauen. Das hat ein Südlohner (39) so gemacht. Dafür bekam er jetzt die doppelt teure Quittung.

Südlohn

, 30.09.2020, 04:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

Eigentlich war der 39-jährige Südlohner im Mai mit einem blauen Augen davon gekommen. 5700 Euro Halbwaisenrente für seinen Sohn soll der Mann verprasst haben. Dafür musste er sich vor dem Amtsgericht Ahaus verantworten. Doch da platzte die Bombe. Es folgte ein Freispruch. Und doch hatte die Sache jetzt noch Nachspiel vor dem Landgericht Münster.

Denn die Staatsanwaltschaft legte gegen das Urteil Revision ein. Schließlich wollte sie den selbst fabrizierten Fehler wieder ausmerzen und den Südlohner für sein seinerzeit angeklagtes Fehlverhalten zur Rechenschaft ziehen. Zur Erklärung: Seinerzeit stand in der Anklageschrift ein falsches Datum, was den Zeitraum der angeklagten Tat (Untreue) betraf. Die Folge war darum ein Freispruch.

15 Vorstrafen sind eindeutig

Jetzt das Nachspiel vor dem Landgericht. Und wer damit gerechnet hatte, dass so ein Revisionsverfahren schnell erledigt sei, der hatte sich getäuscht. Weit über zwei Stunden wurde über das mit vielen Schattenseiten behaftete Leben des Angeklagten, Familien-Hickhack und jede Menge Schulden gesprochen. „Sie sind jedenfalls alles andere als ein unbeschriebenes Blatt“, stellte der Vorsitzende Richter klar. 15 Vorstrafen sprechen eine eindeutige Sprache.

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Doch worum ging es im Verfahren genau? Letztlich um besagte 5700 Euro Halbwaisenrente, die der Südlohner nach dem Tod seiner Frau im Oktober 2016 für einen seiner zwei Söhne kassiert haben soll. Geld, das für den Sohn bestimmt war. Doch dieser sah davon, das stellte sich vor dem Landgericht heraus, bisher nur Bruchteile. Das erfüllt den Tatbestand der Untreue.

Nur noch 1,76 Euro übrig

Auch vor dem Familiengericht lagen sich der Südlohner und seine Schwiegereltern, wo der jüngere der zwei Söhne mittlerweile lebt, in den Haaren. Da hatte der Angeklagte noch versprochen, das Geld in einen Fonds einzuzahlen. Das belegen die verlesenen Protokolle. Doch tatsächlich gab er das Geld aus. Als der Gerichtsvollzieher kam, waren auf dem Konto nur noch 1,76 Euro. Wohlgemerkt: Ein normales Girokonto, kein Fonds.

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„Was ist mit dem Geld passiert?“, hakte dementsprechend der Richter nach. Die kuriose Erklärung des Südlohners: „Ich habe eine neue Frau kennengelernt, wir sind zusammengezogen und alles Geld, was wir hatten, ist in einem großen Topf gelandet.“ Es sei eine klassische Patchworkfamilie mit einem Haus und fünf Kindern. Alles, was benötigt wurde, wurde aus dem Topf bezahlt.

Sohn soll etwas vom Geld „gehabt haben“

Auch sein Sohn, für den er die Halbwaisenrente kassierte, sei damals noch oft zu Besuch gewesen. „Er hat Klamotten, ein Kinderzimmer und eine Playstation bekommen“, sagte der Südlohner. Dinge, die er auch aus dem gemeinsamen Geldtopf bezahlt habe. „Er hatte also etwas von dem Geld.“

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Dass er das Geld trotz einer Privatinsolvenz für sich selbst ausgegeben habe, leugnete der 39-Jährige vehement. Letztlich führte der Mann immer wildere Erklärungen dafür an, warum er denn kein Geld veruntreut habe. Dinge, die wenig überzeugend auf den Richter wirkten. „Das wirkt alles wenig nachvollziehbar.“

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Schlussendlich zeigte sich das auch in dem gefällten Urteil. Der Freispruch wurde aufgehoben und der Südlohner zu vier Monaten auf Bewährung verurteilt. Zudem muss er seinem jüngeren Sohn 2400 Euro in Raten zu je 100 Euro zahlen.

„Damit Ihr Sohn später auch wirklich etwas von dem Geld hat“, wie der Richter anmerkte. Und er ermahnte den Südlohner eindringlich. „Wir geben Ihnen hier jetzt eine allerletzte Chance. Sie dürfen sich gar nichts mehr zuschulden kommen lassen.“

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