Auch eine Vollbremsung will gelernt sein

hzFahrtraining

Barbara Seidensticker-Beining nimmt mit einem 29 Jahre alten Toyota-Coupé am Verkehrssicherheitstraining in Gescher teil – und ist überrascht über das Ergebnis.

20.03.2019, 12:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

Fahren Sie einfach mal“, ermuntert Hermann Schwerhoff, „Wir werden ja sehen, wie sich Ihr Toyota benimmt.“ Barbara Seidensticker-Beining schaut den Fahrsicherheitstrainer der Kreis-Verkehrswacht skeptisch an, zuckt mit den Schultern und trabt zu ihrem roten Coupé hinüber. „Aber eins ist sicher: Umkippen wird er nicht“, ruft Schwerhoff ihr nach. Die übrigen Kursteilnehmer lachen.

1990, im Jahr, als Barbara Seidensticker-Beinings Toyota-Coupé, mit vollständigem Namen „Celica T 18“, von den Montagebändern im japanischen Tahara hüpfte, gab es verschiedene Gimmicks in den Autos noch gar nicht, vor allem nicht serienmäßig. ABS, ESP, ASR – für die Celica absolute Fremdworte. Nicht einmal eine Servolenkung ist an Bord, dafür kurioserweise elektrische Außenspiegel und ein ebenso betriebenes Schiebedach. Nun bewegt die Oedingerin aber tagein tagaus ihren Youngtimer, winters wie sommers. Und als kürzlich für die Mitglieder der Borkener Kreistagsfraktion das Angebot eines Fahrsicherheitstrainings kam, hat sie sich und ihr altes Schätzchen sofort angemeldet.

So trafen sich am Sonntag-morgen auf dem Verkehrs-übungsplatz in Gescher-Estern zehn Probanden, um sich von Hermann Schwerhoff, einem der Fahrsicherheitstrainer der Kreis-Verkehrswacht, im Umgang mit fahrerischen Grenzsituationen unterweisen zu lassen.

Anweisung per Funk

Besagtes Szenario, dessen Ausgang der Fachmann der Verkehrswacht gegenüber der Oedinger Kreistagsabgeordneten nicht vorauszusagen vermochte, hieß: Vollbremsung – wobei die linken Räder des Oldies auf griffigem Asphalt rollten, die rechten hingegen auf der frisch gewässerten hellen Gleitfläche. „Ein bisschen Schiss hab ich ja schon“, gesteht die Testpilotin. Alle Fahrer sind per Funkgerät mit Hermann Schwerhoff verbunden. Er gibt die Anweisungen: „Los, erstmal mit 50 Km/h!“ Das rote, 110 PS starke Coupé rollt an, wird schneller. In Höhe der beiden blau-roten Pylonen des Bremstores zu Beginn der Gleitfläche geht die Fahrerin voll in die Eisen. Das Auto taucht mit dem Bug tief ein, rutscht geradeaus weiter. Man sieht die Vorderräder blockieren und ansonsten passiert – nichts.

Mitunter fliegen Pylonen

Der Wagen kommt brav zum Stehen, ohne auch nur einen Zentimeter aus der Spur zu geraten – benimmt sich also ebenso unspektakulär wie die übrigen neun Fahrzeuge mit ihren zahllosen elektronischen Helferlein und Assistenten. Und das bleibt auch so in den übrigen Disziplinen dieses Tages: Vollbremsungen mit anschließendem Ausweichen vor Hindernissen, Slalom und exzessives Kurvenfahren. Und die anfängliche Skepsis? Die hat sich schon gegen Mittag bei sämtlichen Kursteilnehmern verflüchtigt. Alle treten munter aufs Gas bei den verschiedenen Aufgaben. Mitunter fliegen die Pylonen.

Am Ende des Trainingstages gegen 16 Uhr ist Hermann Schwerhoff mit seinen Schützlingen sehr zufrieden: „Ihr habt das wirklich prima gemacht!“ Und auch die zehn Teilnehmer sparen nicht mit Anerkennung. Barbara Seidensticker-Beining fasst zusammen: „Mir hat das viel Spaß gemacht. Ich habe viel gelernt und fühle mich sicherer in meinem Auto.“

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