B70-Baustelle verursacht Verkehrschaos – lässt sich das nicht vermeiden?

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Drei Wochen dauert es, um einen Bach unter der B70 durchzuführen. Die Straße zwischen Oeding und Vreden ist gesperrt. „Wer das kritisiert, hat keine Ahnung“, heißt es von Straßen.NRW.

Südlohn

, 11.10.2019, 12:00 Uhr / Lesedauer: 3 min

Stoßstange an Stoßstange schieben sich die Autos aktuell nicht nur im Berufsverkehr über die L572 mitten durch Stadtlohn. Kein Wunder: Zwischen Oeding und Vreden ist die B70 seit Anfang der Woche komplett gesperrt. Dort wird gerade am Durchlass für den Vitiverter Bach gearbeitet. Das wird sich bis Anfang November auch nicht ändern, denn eine Alternative gibt es nicht.

B70-Baustelle verursacht Verkehrschaos – lässt sich das nicht vermeiden?

Mit diesem Anblick müssen die Autofahrer auf der B70 noch eine Weile leben. Läuft alles nach dem engen Zeitplan soll die Vollsperrung zwischen Oeding und Vreden am 2. November wieder aufgehoben werden. © Stephan Teine

Als die Sperrung publik wurde, hagelte es Kritik. Drei Wochen für die Arbeiten an einem Kastendurchlass für ein kleines Bächlein seien viel zu lang. In den Niederlanden würde so ein Projekt innerhalb eines Wochenendes abgeschlossen. Das waren zumindest einige der Kommentare zu der Meldung.

Projektleiter spricht von einem ambitionierten Zeitplan

Stefan Elsinghorst ist Projektleiter für die Großbaustelle bei Straßen.NRW. Er atmet laut aus, als er am Donnerstag von diesen Kommentaren hört. „Drei Wochen für die kompletten Arbeiten ist sogar ein ambitionierter Zeitplan“, sagt er. Jemand, der etwas anderes behaupte, habe schlicht keine Ahnung.

B70-Baustelle verursacht Verkehrschaos – lässt sich das nicht vermeiden?

Hochbetrieb herrscht fast auf der gesamten Länge der Baustelle – trotz des ergiebigen Regens der vergangenen Tage. © Stephan Teine

Schließlich müsse der alte Durchlass erst komplett abgerissen und durch den neuen ersetzt werden. Dafür musste aber erst einmal eine aufwendige Wasserhaltung für den Vitiverter Bach und das ankommende Regenwasser geschaffen werden. Im Sommer sei der Bach fast trocken gewesen, jetzt führe er wieder eine Menge Wasser, das aufgefangen und umgeleitet werden müsse.

Regen stellt Bauarbeiter vor zusätzliche Probleme

„Allein was da in den vergangenen Tagen an Regen gefallen ist, stellt uns schon vor einige Schwierigkeiten“, erklärt er. Am Donnerstagvormittag war er selbst gerade noch auf der Baustelle. Er sei regelrecht erschrocken, wie viele Arbeiter dort im Einsatz waren. „15 oder 20 Mann. Das ist schon eine enorm große Truppe“, erklärt er. Für ihn ein klares Zeichen dafür, dass die Baustelle von allen Beteiligten unter Hochdruck vorangetrieben wird.

Ausgefallene Pumpe und Regen lassen Baugrube volllaufen

Dennoch, der Teufel steckt im Detail: „In der Nacht ist eine Pumpe ausgefallen, dadurch ist die halbe Baugrube vollgelaufen“, sagt er. Probleme, die den Zeitplan zusätzlich durcheinander bringen. Anfang nächster Woche sollen die ersten Fertigteile für den neuen Durchlass geliefert und eingebaut werden.

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„Allein, um den Kran dafür aufzustellen, brauchen wir einen halben Tag“, sagt er. Auch die einzelnen Bauteile werden jeweils mit Schwertransporten angeliefert. Auch das sei ja nicht mal eben so im laufenden Verkehr möglich.

Dann folge der Einbau der neuen Elemente, die Verdichtung des umliegenden Bodens und die neue Straßendecke. „Das ist alles nicht mal eben so im Handumdrehen gemacht“, erklärt er.

Radweg ist schon auf der kompletten Strecke angelegt

Aber auch abseits des Bachdurchlasses wird unter Hochdruck gearbeitet. So nutzen die Bauarbeiter die Vollsperrung, um den Schotter für den Radweg schneller zu verteilen. Das ist zurzeit durch ein Fahrzeug mit Förderband von der Seite im Quertransport möglich. „Wäre die Straße nicht gesperrt, müsste der Schotter aufwendig per Radlader in die Baustelle gefahren werden“, sagt Stefan Elsinghorst.

B70-Baustelle verursacht Verkehrschaos – lässt sich das nicht vermeiden?

Im sogenannten Quertransport kann der Schotter für den Radweg an der B70 aktuell in die Baustelle gebracht werden. Wegen der Vollsperrung können die Bauarbeiter so deutlich Zeit sparen. © Stephan Teine

Der Radweg ist inzwischen auf der kompletten Strecke schon gut zu erkennen. Auf knapp 1,5 Kilometern Länge sei auch der Schotter schon verteilt und verdichtet. Der Radweg soll erst im kommenden Frühjahr fertig werden.

Halbseitige Sperrung würde Probleme nicht kleiner machen

Auch der Bachdurchlass wäre beispielsweise mit einer halbseitigen Sperrung kaum zu bauen. „Schon weil die Baugrube so tief ist, wäre das nur sehr schwer machbar“, sagt er. Außerdem würde sich dadurch die Bauzeit verlängern. „Und das würde zu den gleichen Verkehrsproblemen führen“, so Stefan Elsinghorst weiter.

Er geht am Donnerstag davon aus, dass der aktuelle Zeitplan gehalten wird. Mehr noch: „Das muss klappen!“ Die Sperrung soll am 2. November wieder aufgehoben werden. „Wir wollten ja die Herbstferien ausnutzen, damit zumindest der Schulbusverkehr nicht zu lange umgeleitet werden muss“, sagt er. Die dauern vom 14. bis 25. Oktober.

Trockene Birken entlang der Straße müssen gefällt werden

In dieser Zeit werden dort außerdem 53 Bäume, in erster Linie Birken, gefällt. Wegen der starken Trockenheit der beiden vergangenen Sommer konnten sich die Bäume nicht mehr erholen und sind so stark geschädigt, dass sie abgestorben sind.

Sie müssen nun gefällt werden, um die Verkehrssicherheit entlang der Straße nicht zu gefährden. Diese Arbeiten wurden im Vorfeld mit der Unteren Naturschutzbehörde des Kreises Borken abgestimmt. Ersatzanpflanzungen seien schon geplant.

B70-Baustelle verursacht Verkehrschaos – lässt sich das nicht vermeiden?

Der Radweg entlang der B70 – das eigentliche Kernprojekt der Großbaustelle – ist schon gut voran gekommen. Auf rund 1,5 Kilometern Länge der fast vier Kilometer langen Strecke wird schon der Schotter verdichtet. © Stephan Teine

Auch daran habe es im Vorfeld Kritik gegeben, schildert der Projektleiter. „Doch was sollen wir tun, wenn die Bäume vertrocknet sind“, sagt Stefan Elsinghorst. Sie stehen zu lassen, sei keine Option. Dafür sei die Gefahr, die von ihnen ausgehe, zu groß. Straßen.NRW sorge ja ständig für Ausgleichsmaßnahmen oder Neuanpflanzungen von Bäumen.

Keine Alternativen für Umleitungen und Staus

Zu den Verkehrsbelastungen auf der Umleitungsstrecke gibt es indes keine wirkliche Alternative. „Da reicht ja schon ein Blick auf die Landkarte“, erklärt Stefan Elsinghorst. Den Verkehr durch die Niederlande umzuleiten, sei schlicht nicht möglich. Auch die Wirtschaftswege seien keine Ausweichmöglichkeit für den Verkehr auf einer Bundesstraße. Und so bleibe nur die L572 als einzig mögliche Alternative. Auf der brauchen die Autofahrer noch eine Weile Geduld.

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