Bauernhofkindergarten in Südlohn umschifft auch die letzte politische Klippe

hzNeue Kinderbetreuung

Die Arbeiten am zukünftigen Bauernhofkindergarten gehen gut voran. Auch politisch scheinen alle Fragen geklärt. Das hatte bis kurz vor der letzten Ratssitzung noch ganz anders ausgesehen.

Südlohn

, 18.03.2020, 12:00 Uhr / Lesedauer: 3 min

Claus Robers und Klaus Wienken wirken recht zufrieden an diesem Nachmittag. Gerade sind sie mit der Rohbauabnahme im zukünftigen Bauernhofkindergarten der Gemeinde beschäftigt. Im ehemaligen Schweinestall auf dem Hof Robers in der Bauerschaft Horst erinnert tatsächlich nicht mehr viel an Tierhaltung. Neue Wände sind eingezogen.

„Hier kommt einmal die Umkleide hin. Das wird die Küche und dort hinten entsteht der eine Gruppenraum“, erklärt Investor Claus Robers beim Gang über die Baustelle. Natürlich ist noch viel zu tun. Bis hier die ersten Kinder spielen, wartet noch eine Menge Arbeit. „Das ist ja praktisch nur ein fertiger Rohbau“, sagt Klaus Wienken. Einziger Unterschied zu einem echten Neubau: Das alte Stallgebäude steht noch drumherum. „Quasi ein Neubau im Bestand“, fügt der Architekt aus Oeding hinzu.

Die Arbeiten am Bauernhofkindergarten gehen gut voran. Es ist zwar noch viel zu tun, aber Architekt und Investor sind sicher, dass zum neuen Kindergartenjahr alles fertig ist.

Die Arbeiten am Bauernhofkindergarten gehen gut voran. Es ist zwar noch viel zu tun, aber Architekt und Investor sind sicher, dass zum neuen Kindergartenjahr alles fertig ist. © Stephan Teine

Trotzdem: Besser als auf jedem Bauplan kann man sich jetzt schon ein Bild von den zukünftigen Räumen der neuen Kindertagesstätte machen. „Das ist hier eben nicht mal einfach so hingeklatscht, sondern hat alles Hand und Fuß“, macht Claus Robers deutlich. Schließlich investiert er in dem Gebäude auch einen hohen sechsstelligen Betrag.

Sand im politischen Getriebe

Dabei gab es zuletzt noch einmal politisch etwas Sand im Getriebe. In der Ratssitzung im Februar wollten die Südlohner Politiker eine Patronatserklärung noch nicht geben. Die hatte der zukünftige Träger des Kindergartens, Prinz Botho aus Stadtlohn, bei der Gemeinde beantragt. Damit sollten mögliche Finanzierungslücken geschlossen werden. Für den Fall, dass langfristig die kalkulierten Kindergartenplätze nicht benötigt oder angenommen würden, sollte die Gemeinde mit in den Mietvertrag eintreten und im Zweifel finanziell einspringen.

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Doch den Politikern war das damals zu vage. Sie wollten genau wissen, in welchen Fällen die Gemeinde finanziell einspringen müsste.

Ein eigens einberufenes Gespräch zwischen den Fraktionsspitzen des Südlohner Rates, der Südlohner Verwaltung, Vertretern des Kindergartenträgers sowie des Kreises brachte Antworten auf diese Fragen.

In der Ratssitzung waren die meisten Fragen geklärt

Und so schienen auch in der Ratssitzung in der vergangenen Woche die großen Fragen ausgeräumt.

Steffen Schültingkemper (CDU) machte aber noch mal deutlich: „Schade, dass wir die Informationen aus dem Spitzengespräch nicht schon vor der vergangenen Ratssitzung hatten. Dann wäre die öffentliche Diskussion anders gelaufen.“ Gleichwohl erinnerte er daran, dass durch die Patronatserklärung die Gemeinde ab 2030 im schlechtesten Fall bis zu 40.000 Euro pro Jahr für den Bauernhofkindergarten bezahlen muss. Auch blickte er auf die aktuellen Anmeldezahlen. „Aktuell sind es 17 Kinder, also nicht einmal eine komplette Gruppe“, erklärte er. Dennoch werde die CDU nicht gegen das Projekt stimmen, sondern unterstütze es sehr positiv.

Vier Monate bleiben noch, bis die Arbeiten in dem ehemaligen Schweinestall abgeschlossen sein müssen. Dann soll dort Platz für zwei Kindergartengruppen sein.

Vier Monate bleiben noch, bis die Arbeiten in dem ehemaligen Schweinestall abgeschlossen sein müssen. Dann soll dort Platz für zwei Kindergartengruppen sein. © Stephan Teine

Karin Schmittmann (UWG) hielt dagegen: „Wir müssen weiter mit steigenden Zahlen bei der Kinderbetreuung rechnen“, sagte sie. Gleichzeitig sei die Erklärung fair gegenüber allen Seiten.

Drei CDU-Mitglieder enthalten sich

Ohne weitere Diskussion stimmten die Politiker zu. Einzig Hermann-Josef Frieling, Alois Kahmen und Günther Osterholt (alle CDU) wollten nicht zustimmen. Sie enthielten sich.

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Marlis Spieker-Kuhmann, Geschäftsführerin von Prinz Botho, die wieder im Zuschauerraum saß, war da nur noch ein tiefer Seufzer entwichen: „Dankeschön.“

Auf Nachfrage unserer Redaktion erläuterte Bürgermeister Christian Vedder auch das interne Gespräch zwischen Fraktionsspitzen und Verwaltung: „Es war ein zweistündiges, sehr produktives Gespräch, in dem nachvollziehbare und offene Fragen geklärt wurden“, sagte er.

Informationen hätten früher fließen können

Gleichzeitig räumte er ein, dass die Informationen früher hätten fließen können: „Das Projekt war bis zur Ratssitzung im Februar so sauber durchgegangen, da hab ich mit keiner Hinderung mehr gerechnet.“ Gleichzeitig sei der Antrag für die Patronatserklärung erst im Januar bei der Verwaltung eingegangen.

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Den Bedarf für die Klärung könne er aber nachvollziehen. „Einem ehrenamtlichen Politiker und Nicht-Juristen ist so eine Patronatserklärung auch schwierig zu erklären“, gibt er zu. Die Gemeinde müsse auch nicht automatisch haften, nur weil der Bauernhofkindergarten vielleicht einmal nicht mehr angenommen werde.

Der Träger hat vorher noch andere Möglichkeiten. Etwa eine andere Nutzung oder andere Betreuungsformen. Bis die Gemeinde jedenfalls finanziell eintreten müsse, gebe es einige Hürden. Gleichzeitig wurde die Dauer der Patronatserklärung verkürzt. Statt 20 Jahre gilt sie nur für zehn Jahre.

Erstmals wieder vor der Entwicklung

„Trotzdem kann ich verstehen, dass diese Fragen erst geklärt werden mussten“, so Vedder. Mit dem neuen Kindergarten sei in Südlohn aber ein großer Schritt getan: Erstmals seit Jahren befinde sich die Gemeinde wieder vor der Entwicklung. „Über lange Zeit haben wir uns immer nur dem Bedarf angepasst und Kindergärten erweitert“, sagt Vedder. Mit dem neuen Angebot gebe es jetzt erstmals seit langem wieder einen Puffer.

Auch das unterliege aber einem ständigen Prozess: „Es ist auch noch nicht lange her, dass wir uns darüber unterhalten haben, welche Kindergärten unter Umständen geschlossen werden sollen“, so der Bürgermeister.

Auf der Baustelle sind diese Fragen längst Vergangenheit. Bis zum 1. August, dem neuen Kindergartenjahr, soll alles fertig sein. „Und da ist noch viel zu tun“, sagt Klaus Wienken. Aber die Arbeiten sind gut im Plan. „Das wird pünktlich fertig“, verspricht er.

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