Mit zunächst sieben Sorten Eis startet Bettina Hueske das Projekt „Bettina’s Hofkonfetti“. Das Konzept des Hofladens möchte die Südlohnerin ständig weiterentwickeln. © Michael Schley
Hofladen

Bettina Hueske verwirklicht Traum: Eis vom Bauernhof aus eigener Produktion

Bettina Hueske ist bekannt als engagierte Landwirtin. Nun hat die Südlohnerin ein weiteres Projekt vorangetrieben: einen Hofladen mit Eis aus der Milch der eigenen Kühe. Selbst produziert.

Ob der Arbeitstag denn nicht schon voll genug sei? Diese Frage habe sich Bettina Hueske zuletzt des Öfteren stellen lassen müssen. Seit dem vergangenen Wochenende hat die Südlohnerin ein weiteres Projekt offiziell freigegeben: den Hofladen am Hof in Eschlohn. Dass der „natürliche Genuss aus der Region“ bei den Menschen ankommt, davon zeugt die Resonanz zur Eröffnung. „Ich habe damit schon einen Traum verwirklicht“, berichtet die junge Landwirtin. Das Highlight: selbst produziertes Eis.

Dienstag, 9 Uhr: Nach der ersten Etappe in den Ställen und Frühstück geht es für Bettina Hueske nahtlos über zur zweiten Schicht. Diesen Tag widmet sie ganz der Produktion des eigenen Speiseeises. In Kurzfassung: Rohmilch pasteurisieren, nach Rezept mixen, ab in die Eismaschine und die Masse in Becher abfüllen. Es soll eine lange Schicht werden, schließlich seien die Automaten nach dem Eröffnungswochenende „fast komplett leergeräumt worden“.

Zu Beginn der Eisproduktion auf dem Hof steht das Verarbeiten der Rohmilch von den eigenen Kühen.
Zu Beginn der Eisproduktion auf dem Hof steht das Verarbeiten der Rohmilch von den eigenen Kühen. © Michael Schley © Michael Schley

Mit dem selbst produzierten Eis setzt sie im Hoflädchen den besonderen Akzent. „Die Idee der Direktvermarktung am Hof hatte ich schon lange. Aber zunächst fehlte mir das Produkt, eine Milchtankstelle war auch nicht passend“, berichtet Bettina Hueske.

Die Idee war schon länger in den Köpfen

Da kam es ihr in den Sinn, die Milch der eigenen Kühe „direkt zu veredeln“: „Eis ist immer spannend.“ „Wir wollen mehr aus unserem Hof machen als ‚nur‘ Kühe melken. Sensibilisieren, auf Regionalität setzen und vor allem das Produkt Milch für den Verbraucher verfügbar machen“, schreibt die Landwirtin dazu auf ihrer Facebookseite. Und erntet dafür viel Zuspruch.

Mehrere Konzepte hat sie durchdacht: Umwandlung eines Altgebäudes? Molkerei-Container? Beides sehr teuer. „Ich bin dann auf einen Container, der als Übergangslösung für Großküchen dient, gestoßen“, so Hueske. Dieser sei den Hygienevorgaben entsprechend aufgebaut. Die seien bei der Rohmilchverarbeitung schließlich sehr hoch.

Das Handwerk brachte sich die Südlohnerin per Kurs bei. Und sie fand in einem Eisdielenausstatter einen verlässlichen Partner: „Er konnte mir auch sofort mitteilen, welche Rezepte bei uns möglich sind und welche nicht.“ Wenn es Profis auf diesem Gebiet gebe, dann solle man deren Hilfe auch in Anspruch nehmen, lautet ihre Überzeugung. Zum Start gibt es sieben Sorten Eis, fünf Milcheis- und zwei Fruchteissorten. Letztere zum Beispiel für Kunden, die Lactose nicht vertragen. Mehr Sorbets sollen es aber nicht werden, „wir wollen ja unsere Milch vermarkten“.

Weitere regionale Produkte sollen ins Sortiment

„Bettina’s Hofkonfetti“, so lautet der Name, weil das Projekt einfach „bunt und voller Lebensfreude“ sein soll, wird künftig aber nicht nur Eis und Kaffee bieten. „Ich denke schon an Kartoffeln, Marmelade oder auch Trinkmilch. Was regional möglich ist, das wollen wir möglich machen“, betont sie. Ein weiterer Schritt werde erreicht, wenn bald die Warenautomaten geliefert würden.

Bettina Hueske füllt die Masse nach Rezeptur in die Eismaschine. Die Produktion folgt hohen Hygienestandards.
Bettina Hueske füllt die Masse nach Rezeptur in die Eismaschine. Die Produktion folgt hohen Hygienestandards. © Michael Schley © Michael Schley

Zum Auftakt habe ihr das Wetter natürlich in die Karten gespielt. „Ich war auf einer Familienfeier und musste fast alle halbe Stunde raus, um die Automaten aufzufüllen“, berichtet Bettina Hueske. Viele nutzten die Gelegenheit, anzuhalten, ein Eis zu ziehen und auf den Sitzbänken zu verweilen. Das Eis kann man übrigens auch bargeldlos bezahlen. Mit dem Handy funktioniere das „ganz gut“.

Die gute Lage an einer viel befahrenen Straße – gerade durch Radfahrer – habe ihre Entscheidung unterstützt, berichtet sie: „Sonst hätten wir die stattliche Investition wohl nicht getätigt.“ Wir, das ist die gesamte Familie, die auf dem Hof alles gemeinsam stemmt.

Nachdem das Eis in der Maschine produziert wurde, muss es schnell in die Becher gefüllt werden.  Die Becher sind im einheitlichen Design des Hofladens gestaltet.
Nachdem das Eis in der Maschine produziert wurde, muss es schnell in die Becher gefüllt werden. Die Becher sind im einheitlichen Design des Hofladens gestaltet. © Michael Schley © Michael Schley

Bettina Hueske behält bei aller Euphorie immer den Weitblick. „Wenn das nicht funktioniert, dann müsste man das akzeptieren. Ich möchte mir nur nicht den Vorwurf machen müssen, es nicht versucht zu haben“, erklärt die Südlohnerin. Der Auftakt sei aber „absolut motivierend“ gewesen. Die Mühen – in nur acht Wochen wurde das Projekt „hochgezogen“ – hätten sich schon gelohnt. Wichtig sei es ihr, dass sie das Projekt stets weiterentwickeln könne.

Kunden sollen Wünsche und Anregungen äußern

Dazu seien Kritik und Anregungen der Kunden wichtig. „Ich habe extra eine Kummerkasten aufgestellt“, erklärt sie. So hätten Premierengäste zum Beispiel angemerkt, dass Schokolade noch im Programm fehle. Oder: „Zwei Sorten kommen super an, bei einer oder zwei weiteren scheiden sich noch die Geister“, sagt Bettina Hueske. Der Kunde soll im Zeichen der Transparenz und Offenheit fest mit eingebunden werden, stellt sie fest.

Ist das Pensum denn nun leistbar? „Ich merke schon, dass die Aufgabe eine große ist. Auf Sicht werde ich Unterstützung annehmen müssen“, erklärt die Landwirtin. Aktuell sei sie enorm happy, dass ihr Eltern und Auszubildende den Rücken auf dem Hof freihalten, wenn sie sich der Produktion des Eises widmet. Auch Freundinnen und Bekannte hätten schon angedeutet, im Laden helfen zu wollen. „Dann macht das Ganze im Team noch mehr Spaß“, freut sich Bettina Hueske. Und wenn eine Aufgabe zur Leidenschaft werde, dann nehme man den großen Zeitaufwand doch gerne in Kauf.

Hofladen und Produtionscontainer liegen am Hof in Eschlohn direkt nebeneinander. Dort können die Gäste bei einem Eis auch verweilen.
Hofladen und Produktionscontainer liegen am Hof in Eschlohn direkt nebeneinander. Dort können die Gäste bei einem Eis auch verweilen. © Michael Schley © Michael Schley

Noch ist der Hofladen rund um die Uhr geöffnet – „da müssen wir mal abwarten, wie die Entwicklung so sein wird“, sagt Bettina Hueske. „Am Montagabend waren um 22 Uhr noch zwei Mädels da“, berichtet die Südlohnerin und lacht.

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