Bürgerbus soll vorerst noch nicht kostenlos fahren, aber die Idee wird verfolgt

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Die Idee, den Bürgerbus in Zukunft kostenlos anzubieten, ist zwar gut, funktioniert aber noch nicht. Die Verwaltung soll sich auf die Suche nach einer Lösung machen.

Südlohn

, 20.01.2020, 04:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

Der Bürgerbus soll für Südlohner und Oedinger kostenlos angeboten werden. Wie berichtet hatte sich mit dieser Idee die „WSO – Offene Einwohnerbeteiligung“ ein erstes kommunalpolitisches Thema gesetzt. Doch so einfach, wie sich die Gruppe das vorgestellt hatte, ist es nicht.

Das wurde jetzt in der Sitzung des Haupt- und Finanzausschusses deutlich. „Es geht nicht gegen den Bürgerbus, aber wir wollen in der Politik über Möglichkeiten diskutieren, ihn kostenlos anzubieten“, erklärte Maik van de Sand. Er ist noch Fraktionsvorsitzender der Grünen, gleichzeitig aber Vorsitzender der WSO.

Viele Fragen, die noch geklärt werden müssen

Aber: Den Bürgerbus nur für Menschen aus Südlohn und Oeding kostenfrei anzubieten, löse eine ganze Reihe von Folgen aus: „Das kann ja allein der Fahrer schon gar nicht händeln“, erklärte Hermann-Josef Frieling (CDU). Schließlich müsse er von den Fahrgästen dann ja einen Ausweis verlangen, um nachzuweisen, dass derjenige in einem der beiden Ortsteile wohnt.

Gleichzeitig gebe es beispielsweise im Stadtlohner Schwimmbad Vergünstigungen für Besucher aus Südlohn und Oeding. „Umgekehrt wollen wir diese Vergünstigungen einem Stadtlohner dann nicht anbieten, wenn er mit dem Bürgerbus fahren will.“

Es gibt kostenlose Bürgerbus-Modelle

Dass es offenbar Wege gebe, zeige eine schnelle Suche im Internet, erklärte Maik van de Sand. „Da bin ich gleich auf mehrere Bürgerbusse gestoßen, die kostenfrei fahren“, sagte er. In Südlohn und Oeding könnte das beispielsweise über eine „Südlohn-Card“ abgewickelt, die durch die Gemeinde finanziert wird.

Hermann-Josef Frieling (CDU) fasste die Idee noch weiter: „Eine Busfahrt von Südlohn nach Ahaus kostet 7,70 Euro. Das sind exorbitante Kosten.“ Um den Öffentlichen Nahverkehr zu fördern, müsste so eine Initiative viel größer angesetzt werden.

Bürgerbus-Verein sieht geplante Änderungen kritisch

Michael Schichel (CDU) bezog als ehemaliger Vorsitzender des Bürgerbusvereins noch zu einigen Punkten Stellung: Eine große Steigerung der Auslastung sei gar nicht möglich, da der Bürgerbus ja nur acht Sitzplätze habe. Die Fahrer würden so im Zweifel vor den Konflikt gestellt, entweder Fahrgäste stehen zu lassen oder das Risiko einzugehen, mit mehr Personen als erlaubt unterwegs zu sein. „Damit gefährden sie ihren Führerschein“, sagte er.

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Die Bürgerbus-Linie einfach komplett kostenlos zu machen, sei so auch nicht möglich, da der Bürgerbus auf einer Konzession des Regionalverkehrs Münsterland (RVM) fahre, und sich nach deren Beförderungsbedingungen richten müsse.

Veränderung der Linie ist im Moment nicht möglich

Darüber hinaus sei auch eine Veränderung der Linie momentan nicht möglich. „Die Linie ist gut, so wie sie ist“, sagte er. Der Bürgerbus sei gleich an mehreren Stellen auf die anderen Linien getaktet. Daran dürfe man nicht rütteln. Um weitere Orte anzusteuern, müsse ein zusätzliches Fahrzeug auf den Weg gebracht werden.

Ähnlich hatte sich bereits im Vorfeld der Sitzung der aktuelle Vorsitzende Herbert Schlottbom geäußert. Er verwies aber auch auf die gute Auslastung der Bürgerbusse.

Davon zu sprechen, dass der Bürgerbus aktuell nicht zufriedenstellend ausgelastet sei, greife zu kurz. Täglich hätten pro Fahrt im Durchschnitt 2,8 Fahrgäste den Bürgerbus genutzt. „Damit liegen wir landesweit in der Spitzengruppe der rund 150 Bürgerbusvereine“, hatte Herbert Schlottbom erklärt.

Dennoch: „Die Idee ist gut“, sagte Hermann-Josef Frieling, „ad hoc können wir das aber nicht entscheiden.“ Gleichzeitig regte er aber an, dass sich die Verwaltung in dieser Sache einbringen solle. So sollen Wege gefunden werden, den öffentlichen Nahverkehr attraktiver zu gestalten. Auch vergüngstigte Fahrtmöglichkeiten sollen dabei eine Rolle spielen. Dem konnte der Ausschuss schließlich zustimmen.

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