Daniel Schnelting zeigt Kindern bei Freizeiten der "Diabetes-Kids", dass Sport und die Diabetes-Erkrankung sich nicht ausschließen. Ganz im Gegenteil. Er selbst ist das beste Beispiel als ehemaliger DLV-Sprinter mit Meistertiteln. Er kann den Kindern von seinen Erfahrungen erzählen und versucht, ihnen viel Selbstbewusstsein mitzugeben. © privat
Diabetes Typ 1

Daniel Schnelting: Erfolgreich als DLV-Sprinter und Diabetes-Vorbild

Trotz und mit Diabetes Typ I ist ein aktives Leben möglich – das will Daniel Schnelting Kindern mit auf den Weg geben. Der erfolgreiche Sprinter aus Oeding ist ehrenamtlicher „Motivator“.

Daniel Schnelting war fünf Jahre alt, als er die Diagnose erhielt: Diabetes Typ I. Heute, 30 Jahre später, ist der gebürtige Oedinger neben seinem Beruf auch als Motivator unterwegs: Der mehrfache Deutsche Meister und U20-Europameister über 200 Meter zeigt betroffenen Kindern und Jugendlichen, dass trotz und mit Diabetes Typ I ein aktives und sportliches Leben möglich ist.

Vor 30 Jahren die Diagnose Diabetes Typ I erhalten

Der erfolgreiche Sprinter, der jetzt in Velen lebt, erinnert sich im Telefonat mit der Redaktion: „Meinen fünften Geburtstag habe ich im Krankenhaus in Bocholt gefeiert.“ Damals, so kann er sich heute zurückerinnern, habe es keine Diabetes-Vorbilder für ihn gegeben: „Ein normales und aktives Leben zu führen, schien auf den ersten Blick erstmal nicht möglich für mich und meine Eltern.“

Die Krankheit stand im Fokus. Daniel Schnelting redet nichts schön. „Das ist schon eine Belastung für die Familie.“ Ist das Kind klein, mussten die Eltern darauf achten, dass keine Unter- oder Überzuckerungen entstehen. Wird das Kind älter, müsse es selbst viel Verantwortung für sich übernehmen und auf sich achten.

Wichtig sei, betont der 35-Jährige, dass Erzieher in der Kita und die Lehrkräfte an der Schule miteinbezogen werden. „Die Bereitschaft sollte da sein“, wünscht er sich. So wie in seiner Grundschulzeit in Oeding. „Das hat aus meiner Sicht gut funktioniert.“ Auch wenn seine Mutter bei der Klassenfahrt auch mal mit dabei war, wie er sich lachend erinnert.

Bei Gelegenheiten wie sportlichen Ferienfreizeiten, aber auch bei Vorträgen informiert Daniel Schnelting über Diabetes Typ 1. Bei den Freizeiten mit Kindern will er die Kinder vor allem zu einem aktiven Leben trotz der Erkrankung motivieren.
Bei Gelegenheiten wie sportlichen Ferienfreizeiten, aber auch bei Vorträgen informiert Daniel Schnelting über Diabetes Typ 1. Bei den Freizeiten mit Kindern will er die Kinder vor allem zu einem aktiven Leben trotz der Erkrankung motivieren. © privat © privat

Als Kind mit Diabetes sei man schon die Ausnahme, die man nicht sein möchte. Als Jugendlicher, wenn das Selbstbewusstsein eh schon leidet, ist diese Erkrankung auch etwas, das eher belastet. Das weiß Daniel Schnelting aus vielen Gesprächen, die er in den vergangenen Jahren geführt hat. Zum Beispiel bei Kinder- und Jugendfreizeiten, die er oft begleitet.

Erfahrungen und eine Perspektive weitergeben

Ihm ist dann wichtig, seine Erfahrungen und eine Perspektive weiterzugeben. Als erfolgreicher Sportler mit einigen Titeln kann er den jungen Diabetikern mitgeben: „Sport und Diabetes, das ist eine gute Möglichkeit.“ 9000 Familien mit betroffenen Kindern sind vernetzt über die Diabetes-Kids.de (www.diabetes-kids.de).

Bei gemeinsamen Skifreizeiten oder Segeltörns sei es für die Kinder und Jugendlichen schön, dass sie nicht die Außenseiter sind, sondern da ist Diabetes das Normale. „Da hat jeder Traubenzucker dabei“, sagt Daniel Schnelting schmunzelnd.

Weil jeder weiß, wie wichtig es sein kann, den Blutzuckerspiegel wieder ins Lot zu bekommen im Fall des Falles. Und Daniel Schnelting kann ihnen dann erzählen, wie es ihm ergangen ist, als sein sportliches Talent erkannt und gefördert wurde. Würde ihm dabei der Diabetes Typ I im Weg stehen?

„Ich wollte mindestens so schnell sein wie die Gesunden“

Eher im Gegenteil. „Meine Motivation war: Ich wollte mindestens so schnell sein wie die Gesunden. Dafür musste ich meinen Blutzucker im Zaum halten“, erklärt Daniel Schnelting. Als Leistungssportler hatte er zu Beginn seiner Karriere immer montags, mittwochs, freitags und samstags Training. „Da war der Blutzucker immer besser als an den anderen Tagen. Warum? An den Tagen habe ich öfter gemessen.“ Disziplin und Ehrgeiz sind Stichworte, die er dann nennt.

Ein Bild aus den aktiven Zeiten als Leistungssportler: Im Jahr 2010 bejubelt Daniel Schnelting, der in Oeding aufgewachsen ist, bei den Deutschen Leichtathletik-Meisterschaften in Braunschweig seinen dritten Titel als Deutscher Meister über die 200 Meter.
Ein Bild aus den aktiven Zeiten als Leistungssportler: Im Jahr 2010 bejubelt Daniel Schnelting, der in Oeding aufgewachsen ist, bei den Deutschen Leichtathletik-Meisterschaften in Braunschweig seinen dritten Titel als Deutscher Meister über die 200 Meter. © Ralf Görlitz © Ralf Görlitz

„Ich stehe für aktives Leben, dafür, sein Ziel zu erreichen, sich nicht unterkriegen zu lassen“, fasst er zusammen. Er will den Kindern und Jugendlichen Selbstbewusstsein vermitteln. Und weist auf Punkte hin, die junge Menschen mit Diabetes auszeichnen: „Sie können definitiv einen Tag planen, gut rechnen, sind diszipliniert und vollbringen jeden Tag eine Meisterleistung.“

Denn es geht ja darum, zu schauen, wie viele Broteinheiten (BE) ein Mensch mit Diabetes zu sich nimmt und dann die passende Menge Insulin abzugeben, damit der Blutzuckerspiegel ok ist. Da geht es um Grammzahlen, was die Kohlenhydrate angeht. Eine Broteinheit entspricht zehn oder zwölf Gramm Kohlehydrate, da gibt es zwei Rechengrundlagen.

Vor spontaner Joggingrunde erst einmal überlegen

Daniel Schnelting spricht von den „Sport-BEs“: Traubenzucker, ein Päckchen Apfelsaft oder eine Banane sollten Menschen mit Diabetes beim Sport immer griffbereit haben. Oder wenn ein Kumpel anruft und spontan eine Runde Mountainbiken möchte: Auch dann muss überlegt werden: Bewegung senkt den Blutzucker. Also Insulin reduzieren bei der Pumpe oder aber Kohlenhydrate essen.

„Ich habe mich ausgewogen ernährt, nicht jeden Tag ‘ne Pizza“, blickt der Velener auf seine Zeit als aktiver Leistungssportler zurück. Auch damals hat er schon gemerkt: Cerealien sind besser zum Frühstück als ein Weißbrot mit Honig, weil danach der Blutzucker rasant ansteigt und Cerealien längerfristig wirken und der Blutzucker so stabiler und besser zu kontrollieren ist.

Wie läuft das, wenn man ein Date hat?

Es geht in den Gesprächen aber nicht nur um sein Leben als erfolgreicher Sprinter, sondern auch um Alltägliches, das die jungen Diabetiker bewegt. Wie läuft das, wenn man ein Date hat? Oder bei einer Bewerbung? „Man kann ein paar Anekdoten darüber erzählen, was einem selbst passiert ist“, sagt er. Er freut sich, wenn er die Augen von Betroffenen zum Leuchten bringt, wenn er ihnen Mut macht. Auch mit seiner eigenen Lebensgeschichte.

Heute haben die Diabetiker, egal ob Typ I oder Typ II, andere technische Hilfsmittel zur Verfügung als in der Kindheit von Daniel Schnelting. Früher war der blutige Fingerpiks nötig zum Blutzuckermessen, heute gibt es einen Sensor mit Faden in der Haut, der misst konstant den Gewebezucker. Alle fünf Minuten steht ein neuer Blutzuckerwert auf dem Smartphone zur Verfügung.

„Heute mit der Technologie ist viel mehr machbar“

Das Insulin wird durch eine Pumpe dosiert in den Körper abgeben. „Spritzen“ ist heute eher die Ausnahme. „Heute mit der Technologie ist viel mehr machbar“, sagt der Velener. Dass Insulinpumpe und Sensor eigenständig zusammenarbeiten – da arbeite die Industrie bereits intensiv dran.

Eigentlich wäre Daniel Schnelting, der beruflich als Vertriebsleiter in der Medizintechnik tätig ist, wieder ehrenamtlich über Pfingsten auf Segelfreizeit mit 40 Kindern von den Diabetes-Kids unterwegs gewesen. Jetzt wurde die Freizeit wegen Corona auf Juli verschoben. Er würde sich freuen, wenn er dann den Kindern wieder etwas mitgeben könnte, ihnen dabei helfen, den Diabetes zu akzeptieren. „Er muss nicht dein Freund sein. Aber mit der Krankheit kann man gut leben, man muss nur auf bestimmte Dinge achten und sie einhalten.“

So gibt er an die jungen Menschen mit Diabetes weiter, dass es wichtig ist, auf Körpersignale zu achten. Ganz praktisch und lebensnah. Welche Signale zum Beispiel bei einer Unter- oder auch Überzuckerung auftreten können, diese sind teilweise ganz unterschiedlich. Ein Erfahrungsbericht von einer Jugendlichen war zum Beispiel, wenn sie bei WhatsApp auf einmal nur noch Sprachnachrichten verschickt, anstatt zu tippen, weil das Tippen nicht mehr so leicht fällt, erkennt sie die anstehende Unterzuckerung.

Sein Wissen gibt Daniel Schnelting auch bei Vorträgen weiter

Andere sind leicht reizbar, wenn sie unterzuckert sind, wieder andere werden schläfrig oder bekommen Heißhunger. Wer vor der Klassenarbeit, einem Wettkampf oder einem wichtigen Termin gestresst ist, muss wissen, dass dann das Adrenalin den Blutzucker steigen lässt. Sein Wissen gibt Daniel Schnelting nicht nur „nebenbei“ bei den Freizeiten, sondern auch bei Vorträgen weiter. Er freut sich, dass er Menschen informieren kann über ein Leben mit Diabetes Typ I. Und motivieren, aktiv zu sein.

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