Bürgermeister Christian Vedder an seinem Schreibtisch im Rathaus der Gemeinde Südlohn in Oeding, den er zum Ende des Monats räumt. Er war nicht mehr zur Wiederwahl angetreten. © Stephan Rape
Bürgermeister Südlohn

Elf Jahre Bürgermeister: Worauf Christian Vedder stolz ist – und worauf weniger

Für Christian Vedder endet am 31. Oktober offiziell seine Amtszeit als Bürgermeister von Südlohn. Im Gespräch mit der Redaktion blickt er auf Höhe- und Tiefpunkte seiner Amtszeit zurück.

Es war seine dritte Ratssitzung als Bürgermeister. 300 Zuhörer in der Aula der Roncalli-Schule: Es ging um den Protest gegen die geplante Ansiedlung einer Biogasanlage auf Güllebasis. „Da war ganz schön was los“, blickt Christian Vedder auf den Beginn seiner Amtszeit zurück. Nach elf Jahren ist für Südlohns Bürgermeister jetzt Schluss. Er ist nicht wieder angetreten.

Volles Haus bei der Ratssitzung: In die Aula der Roncallischule wich der Rat aus, weil die Proteste gegen eine geplante Biogasanlage auf Güllebasis angekündigt waren. 300 Zuhörer kamen.
Volles Haus bei der Ratssitzung: In die Aula der Roncallischule wich der Rat aus, weil die Proteste gegen eine geplante Biogasanlage auf Güllebasis angekündigt waren. 300 Zuhörer kamen. © Anne Winter-Weckenbrock (A) © Anne Winter-Weckenbrock (A)

Die Biogasanlage wurde schließlich nicht gebaut. Einiges mehr los war aber auch in Vedders Amtszeit, wie er beim Rückblick bilanziert. Da ging es um die vielen Flüchtlinge, die 2015 untergebracht werden mussten. Die Jakobihalle wurde zur Notunterkunft umfunktioniert. Ein Kraftakt.

Die Sportler verzichteten auf die Nutzung der Halle. Als die Flüchtlinge kamen, halfen das DRK, die Feuerwehr und die Hausärzte der Gemeinde. Und wie mit der Bezirksregierung vereinbart, bestand die Notunterkunft ein halbes Jahr. Nicht länger. Ein Kraftakt, der zeigte, dass die Gemeinde funktionierte.

Worauf Christian Vedder stolz ist – und worauf weniger

So antwortet Christian Vedder auf die Frage, worauf er stolz ist, mit „Auf das sehr gute Miteinander“. Das habe sich auch in jüngst gezeigt. Die Corona-Pandemie sei eine erhebliche Belastung für die Mitarbeiter im Rathaus. „Alle haben sie gut angenommen“, so der Bürgermeister.

Bevor die Notunterkunft für Flüchtlinge in der Jakobi-Halle in Oeding eingerichtet wurde, wurden die Bürger in einer Versammlung informiert. Dorothee Feller, seinerzeit Vize-Regierungspräsidentin, war auch nach Oeding gekommen.
Bevor die Notunterkunft für Flüchtlinge in der Jakobi-Halle in Oeding eingerichtet wurde, wurden die Bürger in einer Versammlung informiert. Dorothee Feller, seinerzeit Vize-Regierungspräsidentin, war auch nach Oeding gekommen. © Georg Beining (A) © Georg Beining (A)

Bei allem sei in der Rückschau wichtig gewesen, „dass die Bürgerschaft dabei war. Irgendwie kann man hier drauf setzen“, lobt Christian Vedder die Einwohner.

Neben dem guten Miteinander – worauf ist Vedder noch stolz? „Dass vieles konstruktiv begleitet wurde, aber auch Kritik geübt wurde, wenn es Grund dafür gab“. Er nennt die Diskussion um die Grundschulen oder um die Bauernhofkita, die er als „systematisch schönen Schlusspunkt“ bezeichnet.

Bildung, Digitalisierung und Finanzen als Schwerpunkte

Bildung bezeichnet er als einen der Schwerpunkte. Dass nun in die bauliche Erweiterung beider Grundschulen investiert wurde und wird, sei gut. „Diskussionen führen zu kreativen Lösungen“, meint der Bürgermeister. Die Digitalisierung werde und müsse auch in den Schulen voranschreiten. „Hardware reicht nicht, es geht auch darum, Personal vorzuhalten und die Lehrer zu schulen“, blickt er voraus.

Überhaupt Digitalisierung: Die Einführung des digitalen Ratsinformationssystems war eine seiner ersten Amtshandlungen. Und ein Ziel, das Glasfasernetz auszubauen. „Da sind wir auf einem guten Weg“, betont Christian Vedder.

Was die Finanzen angeht, kann der Bürgermeister auf gute Zahlen verweisen.

Von 3,2 auf 7 Millionen seien die Einnahmen durch Gewerbesteuer in seiner Amtszeit angewachsen. „Die Unternehmenserfolge spiegeln sich wider“, sagt er. Er habe versucht, immer nahe bei den Unternehmen zu sein. Vor dem Hintergrund habe die Gemeinde gut wirtschaften können und notwendige Investitionen getätigt.

Angenehmes Pflichtprogramm: Die Karnevalsprinzen und -prinzessinnen aus Südlohn und Oeding haben Bürgermeister Christian Vedder immer am Donnerstag vor Rosenmontag den Schlüssel zur Gemeinde entrissen.
Angenehmes Pflichtprogramm: Die Karnevalsprinzen und -prinzessinnen aus Südlohn und Oeding haben Bürgermeister Christian Vedder immer am Donnerstag vor Rosenmontag den Schlüssel zur Gemeinde entrissen. © Stephan Rape (A) © Stephan Rape (A)

Zum Beispiel in die Kläranlage: „Wir haben einen ordentlichen Batzen Schulden, aber der Großteil kommt aus dem Abwasserbereich“, ergänzt Christian Vedder. Und einiges an Schulden habe die Gemeinde auch schon zurückzahlen können. Seiner Ansicht nach hätte die Gemeinde das Gebäude der Hauptschule verkaufen sollen. „Aber das war politisch nicht gewollt“, blickt er zurück.

Hauptschule – die Schließung der Roncallischule gehört zu den Tiefpunkten in der Amtszeit von Christian Vedder. „Das war ein Kampf gegen Windmühlen“, beschreibt er. Zuletzt nur noch acht Anmeldungen für die Schulform, die für ihn persönlich „absolut eine Berechtigung“ hat – der Elternwille war anders. Keine weiterführende Schule mehr im Ort zu haben, darauf ist der Bürgermeister nicht stolz.

Auch eine angenehme Traditionsaufgabe: Bürgermeister Christian Vedder brachte die Glocken von St. Vitus zum Klingen und eröffnete so im Beisein von Philipp Ellers (Mitte, Somit) und Pastor Stefan Scho (links) den Südlohner Weihnachtsmarkt offiziell.
Auch eine angenehme Traditionsaufgabe: Bürgermeister Christian Vedder brachte die Glocken von St. Vitus zum Klingen und eröffnete so im Beisein von Philipp Ellers (Mitte, Somit) und Pastor Stefan Scho (links) den Südlohner Weihnachtsmarkt offiziell. © Anne Winter-Weckenbrock © Anne Winter-Weckenbrock

Und darauf nicht, dass er es nicht geschafft hat, den Gemeinderat zu verkleinern. Zwei Anläufe hat er erfolglos unternommen. Nach wie vor ist Christian Vedder der Ansicht, dass der „bürgerschaftliche Proporz auch mit weniger Leuten ausreichend wäre“. In der nächsten Legislaturperiode wächst der Rat noch einmal auf 30 Ratsmitglieder plus Bürgermeister. Nicht in seinem Sinne.

Wann, wenn nicht jetzt, ein Wechsel?

Aber er kann sich ja jetzt zurücklehnen. Warum er nicht noch einmal aus dem Amt heraus kandidiert hat? „Man hat mich durchaus ermuntert“, sagt Christian Vedder. Aber mit Blick auf sein Alter – 55 – habe er sich gesagt: Wann, wenn nicht jetzt, ein Wechsel? Denn er habe auch Angebote bekommen und sich daraufhin auch umgesehen. Noch sei nichts spruchreif.

Bürgermeister Christian Vedder im Sommer 2014 bei der Vereidigung für seine zweite Amtszeit. Daneben Ratsmitglied Josef Schleif.
Bürgermeister Christian Vedder im Sommer 2014 bei der Vereidigung für seine zweite Amtszeit. Neben ihm Ratsmitglied Josef Schleif. © Bernd Schlusemann (A) © Bernd Schlusemann (A)

Mit der CDU, für die Christian Vedder und 2009 und 2014 angetreten hat, tauchten in der jüngsten Legislaturperiode offensichtliche Dissonanzen auf, die darin gipfelten, dass der Bürgermeister schriftlich mitteilte, „mit dieser CDU-Fraktion nicht mehr zusammenzuarbeiten.“ Nicht mehr so wie zuvor, mit Austausch in Fraktionssitzungen. Als Bürgermeister mit der Ratsfraktion schon.

Sieht er im Rückblick einen Schaden oder Nachteile für die Gemeinde durch diese Situation? „Vom Ergebnis her Nein“, betont Christian Vedder. Aber es sei erhöhter Energieaufwand vonnöten gewesen, um die Ratsmitglieder in der Sache zu überzeugen.

„Was nicht immer, aber doch überwiegend gelang“, bilanziert er. Am Ende habe man sich über Sachargumente verständigt. „Alle haben sich für das Wohl der Gemeinde eingesetzt, die Ergebnisse stimmen“, gibt er sich kurz vor Ende seiner Amtszeit versöhnlich.

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