Der Verkehr fließt zwar wieder reibungslos auf der sanierten B70, doch gerade bei Geschäftsleuten sitzt der Groll auf die verzögerten Arbeiten noch tief.

Oeding

, 04.07.2018, 18:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

Die Bauarbeiten sind seit Juni offiziell beendet. Einen knappen Monat danach hat sich Redakteur Stephan Teine vor Ort umgesehen und mit Verantwortlichen wie auch Betroffenen gesprochen.

Das Projekt

Von Juni 2017 bis Juni 2018 wurde die B70 zwischen der Einmündung der K12 Richtung Südlohn und des Gabelpunktes saniert und parallel ein neuer Geh- und Radweg angelegt. Baukosten: laut Vertrag 2,7 Millionen Euro, tatsächlich rund 3 Millionen Euro. Im Zuge der Sanierung wurde die Breite der Straße von 11 auf 8,5 Meter verringert, mehrere Durchlässe neu gebaut, zwei Bauwerke instandgesetzt.

Die Zeit

Angesetzt waren ursprünglich einmal fünf bis sechs Monate. Baubeginn im Mai/Juni 2017, Fertigstellung im November. Tatsächlich haben sich die Bauarbeiten bis in den Juni gezogen. Ende Mai wurde der Verkehr zumindest in beide Richtungen – wenn auch mit Tempolimit und Überholverbot – wieder freigegeben.

Die Ursachen

Da gab es eine ganze Reihe von Erklärungen: schlechte Witterung, Fachkräftemangel, Baustoffknappheit, Bauen während des laufenden Verkehrs, Verzögerungen durch Subunternehmer – etwa den Bau der Fahrradbrücke bei einem Unternehmen in Cuxhaven (Münsterland Zeitung berichtete). Auch am Mittwoch ist viel von allgemeinen Problemen die Rede. Vor Ort habe es keine Auffälligkeiten oder gar Planungsfehler gegeben: „Wir merken immer häufiger, dass wir mit Projekten unter Vorzeichen wie hier geraten“, sagt Christian Drescher, Abteilungsleiter Straßenbau bei Straßen.NRW. Die Investitionen in die Infrastruktur und damit die Auslastung der Tiefbaubetriebe steigen, gleichzeitig sinkt die Zahl der Fachkräfte in diesen Betrieben. Es kommt zu Engpässen. Nicht nur was Fachkräfte, sondern auch was Material angeht.

Elf Monate Bauarbeiten an der B 70 hinterlassen Spuren bei allen Beteiligten

Bürgermeister Christian Vedder, Christian Drescher, Abteilungsleiter Straßenbau Straßen.NRW und Georg Wiebringhaus, Projektleiter Straßen.NRW, freuen sich über die sanierte B 70. © Stephan Teine

Die Konsequenzen

Über Monate war die B70 in beide Richtungen gesperrt. Oeding war von Gescher – und damit der wichtigen Strecke aus dem Ruhrgebiet, die Woche für Woche zahllose Kurzurlauber und Pendler nutzen – nur über Umwege zu erreichen. Die Umleitungen seien teils verwirrend gewesen, berichten Betroffene. Straßen.NRW will zukünftig die Anwohner besser über Planung und Durchführung informieren. Auch wenn die Kommunikation mit dem Einzelnen – etwa bei der Einrichtung von Umleitungen – natürlich schwierig sei, wie Christian Drescher erklärte.

Der Gewerbeverein

„Der Bau und die Planung waren ein Stück aus dem Tollhaus.“ Dr. Heinrich Bäßmann, Vorsitzender des Gewerbevereins Oeding, wählt im Gespräch mit der Münsterland Zeitung deutliche Worte. Er spricht stellvertretend für Gewerbetreibende und Anlieger. Es habe 1000 Entschuldigungen gegeben und der Ablauf sei schlicht nicht nachvollziehbar gewesen. Er lobt die Zusammenarbeit mit Bürgermeister Christian Vedder, der sich sehr engagiere. Aber der sei ja auch nicht ausführender Planer. Denn von einer optimalen Planung könne überhaupt nicht die Rede sein.

Elf Monate Bauarbeiten an der B 70 hinterlassen Spuren bei allen Beteiligten

Gewerbevereinsvorsitzender Dr. Heinrich Bäßmann aus Oeding teilt die Freude über die sanierte B 70 nur bedingt. „Die Planung war ein Stück aus dem Tollhaus“, sagt er. © Stephan Teine

Die Verwaltung

Bürgermeister Christian Vedder betont die gute Zusammenarbeit der Gemeinde mit dem Landesbetrieb Straßenbau. „Das ist jetzt auch keine hohle Phrase“, unterstreicht er. Dabei macht er aber auch klar, dass die Bauphase defintiv zu lang gewesen sei. „Das war nicht optimal“, erklärt er. Gleichzeitig hatte er für einige der Probleme auch Verständnis: „Auch wir als Gemeinde bekommen im Moment keine Tiefbauer“, sagt er.

Die Nachbarn

In den Niederlanden wurde von der Grenze bis Winterswijk an der Straße gearbeitet. Auch dort wurde ein Radweg gebaut. „Die waren nach sechs Wochen fertig“, sagt Dr. Heinrich Bäßmann. Die Arbeiten seien nicht vergleichbar, das erklärte Christian Drescher am Mittwoch vor Ort. Schließlich wurden bei der B70 alle Schichten der Straße von Grund auf saniert. Frostschutz-, Trag-, Binder- und Deckschicht komplett erneuert. „Das dauert eben länger, als nur die vier Zentimeter Deckschicht abzufräsen und neu zu verlegen“, erklärte er.

Das Fazit

Der Kostenrahmen wurde gehalten, die Straße ist wieder frei und für die nächsten Jahrzehnte von Grund auf erneuert. Das heißt aber nicht, dass in dieser Zeit dort nicht wieder gebaut werden muss. „Die Deckschicht heißt auch Verschleißschicht. Sie darf kaputtgehen und muss häufiger gewechselt werden – je nach Verkehr“, erklärte Christian Drescher.

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