Erste Bestattermeisterin im Kreis

Hannah Hecker

Es muss nicht immer gleich direkt über das Gymnasium zum Abi gehen, um den Weg in einen Beruf mit Perspektive zu finden. Und manchmal bedarf es auch kleinerer glücklicher Fügungen. Davon kann Hannah Hecker berichten. Seit dem 8. Februar weiß die 27-Jährige: Sie ist offiziell Bestattermeisterin. Die erste im Kreis Borken überhaupt.

OEDING

, 16.02.2017, 18:49 Uhr / Lesedauer: 2 min
Hannah Hecker hat ihre Meisterprüfung als Bestatterin abgelegt. Über Umwege kam sie zu ihrem Beruf, den sie heute als Berufung empfindet.

Hannah Hecker hat ihre Meisterprüfung als Bestatterin abgelegt. Über Umwege kam sie zu ihrem Beruf, den sie heute als Berufung empfindet.

Gleich zu Beginn des Gesprächs ist zu spüren, dass für die engagierte Oedingerin der Beruf Berufung ist: "Wir müssen weiter am Image dieses so wichtigen und abwechslungsreichen Berufes arbeiten", sagt sie mit Nachdruck. Dorthin ist sie durchaus über Umwege gelangt.

Hauptschule in Borken, dann doch Abitur mit Schwerpunkt Erziehung und Soziales auf dem "zweiten Bildungsweg", Freiwilliges Soziales Jahr in einer Behindertenwerkstatt: Der Weg schien vorgezeichnet. Bis ein Praktikum bei einem Bestatter "dazwischen kam" - und das Schicksal erstmals zuschlug. "Ich hab sofort gemerkt, dass das etwas für mich ist", blickt Hannah Hecker zurück. Ihre Eltern standen von Beginn an "voll dahinter", wie sie sagt. Ihre Freunde seien durchaus überrascht gewesen.

Glückliche Fügung

Im Praktikumsbetrieb begann sie auch ihre Ausbildung zur Bestattungsfachkraft - natürlich in der Region fast "allein auf weiter Flur". Ihr wurde allerdings vor der Gesellenprüfung bereits gekündigt, wohl weil sie angedeutet hatte, dass sie nach der Ausbildung neue Horizonte erschließen wollte. Im Nachhinein die nächste glückliche Fügung.

Denn: Zum einen ermöglichte es ihr die Handwerkskammer, die Schule weiter zu besuchen und die Prüfung zu machen. Und: Für den praktischen Teil fand sie ihren heutigen Arbeitgeber: Hülskamp-Seesing in Bocholt. "Da hat das Schicksal wieder positiv zugeschlagen."

Stipendium

Sie schloss die Ausbildung mit Auszeichnung ab - und erhielt ein Stipendium. "Diese Chance musste ich nutzen." Als sie dann den Meister in den Blick fasste, wusste sie, dass ein enormer Aufwand auf sie zukommt. Für die fachlichen Teile führte die Reise ein Jahr lang jeden Monat für eine Woche ins Ausbildungszentrum nach Münnerstadt in Oberfranken - mit Lehrfriedhof.

Die Teile drei und vier (BWL und Ausbildereignung) absolvierte sie bei der Kreishandwerkerschaft Borken. Die Prüfung - die Prüfungsordnung gibt es übrigens erst seit 2009 - legte sie vor der Handwerkskammer Düsseldorf ab. Immer mit dem starken Familienbetrieb hinter sich.

Umfangreicher Beruf

So lernte sie, wie umfangreich der Beruf des Bestatters heute ist. "Es herrscht in vielen Köpfen leider noch das Bild des Totengräbers. Daran müssen wir arbeiten", sagt die 27-Jährige. Sie möchte durchaus ihr umfangreiches Wissen weitergeben - womöglich als Dozentin an Berufsschulen. Die Qualifikation dazu hat sie. Apropos Qualifikation: "Durch den Meister möchte ich auch ausdrücken, dass die Standards sehr hoch sind. Qualitätsmanagement ist wichtig."

Heute sei der Bestatter erster Ansprechpartner für Angehörige. "Wir bieten eine Rundumversorgung. Der Angehörige soll die Ruhe erhalten, pietätvoll Abschied zu nehmen. Diesen Moment gibt es nur einmal. Wir begleiten und unterstützen mit Herz und Empathie - und kümmern uns parallel um alles im Hintergrund", so Hannah Hecker. Und da gibt es vieles: Neben der Trauerpsychologie als einem wichtigen Baustein der Ausbildung spielten rechtliche Dinge oder auch die Vor- und Nachsorge eine bedeutende Rolle. Zudem erhielt sie die Befähigung für Bestattungen in unterschiedlichen Religionen. "Viele sind überrascht, was ein Bestatter heute alles liefert."

Überzeugungsarbeit

Leider könne man Bestatter werden, ohne eine Ausbildung oder Prüfung absolviert zu haben. In die Branche müsste schnell viel mehr Transparenz einziehen. "Da müssen wir viel Überzeugungsarbeit leisten", sieht Hannah Hecker eine spannende Entwicklung auf ihren Berufsstand zukommen. Und sie spürt ihre Berufung - hofft dabei auf viele Nachahmer. "Man übernimmt ja schließlich eine sehr ehrenvolle Aufgabe."

Dass der Tod zum Leben dazugehört, dass erlebt die 27-Jährige in der täglichen Arbeit in Bocholt. "Wir erhalten sogar Besuch von Grundschulklassen, die sich durch den Betrieb führen lassen", erzählt sie von ihrem Berufsalltag. Dabei wird sie auch an die Momente erinnert, die eine große Herausforderung und Kraft erfordern. "Natürlich musste ich auch schon Kinder zu Grabe begleiten." Dann sei es einfach einmal besser, "nichts zu sagen" und "einfach da zu sein."

Lesen Sie jetzt