Malen können – das wünschen sich viele. Wer einen Internetanschluss hat, kann sich die ersten Schritte zum Aquarellieren von Gabriele Templin-Kirz zeigen lassen. In zwei Tutorials.

Südlohn

, 22.01.2019, 12:00 Uhr / Lesedauer: 4 min

Gabriele Templin-Kirz hat Routine darin, andere Menschen nicht nur für die Malerei zu begeistern, sondern es ihnen auch beizubringen. Seit 1985 leitet sie Seminare und Workshops, bietet Malreisen an oder macht Vorführungen für Kunstbedarfhersteller. Im direkten Kontakt mit den Teilnehmern greift sie dann zu Zeichenstift und Pinsel, zeigt, malt, erklärt und beantwortet Fragen. Nun ist die freischaffende Künstlerin einen weiteren Schritt gegangen: Sie hat Internet-Tutorials aufgenommen. Und trotz ihrer großen Erfahrung: „Es war eine gewisse Herausforderung“ sagt sie und schmunzelt.

Ein Blick aufs Tutorial: „Figur in Aquarell“ ist der Titel eines der beiden schon veröffentlichten Lehrvideos. „Ganz einfach Figuren aquarellieren mit Gabriele Templin-Kirz“ wird als Text eingeblendet über dem fertigen Aquarell, das eine Frau in entspannter Pose zeigt, gemalt in fließenden Farben. Wie das geht, erklärt die Südlohnerin, die kurz zu Beginn eingeblendet wird, aber dabei nicht mit dem Blick in die Kamera spricht. Dann geht die Kamera zur Perspektive von oben. Zuerst sieht und hört der Zuschauer, wie, warum und womit die Hartfaserplatte, auf der Gabriele Templin-Kirz die Skizze gezeichnet hat, grundiert wird.

Bedeutende Aussagen zur Technik werden als Text eingeblendet. „Die Konturen der Vorskizze mit großem Pinsel umfahren“, zum Beispiel. Auch die Farben, die die Künstlerin nutzt: Opernrosa, Kadmiumgelb, Ultramarin zum Beispiel.

Dann greift Gabriele Templin-Kirz zum Pinsel, und trägt als erstes Sonnengelb für den Hintergrund auf. In schwungvollen, geübten Handgriffen. Sieht leicht aus.

Die Tutorials, die auch auf ihrer Website verlinkt sind, sind für die Nutzer kostenlos zu sehen. Der Anbieter „Artistravel“, für den die Südlohnerin auch die Malreisen durchführt, stellte den Kameramann samt Equipement und sorgte auch für den Videoschnitt. Eine kostenlose Alternative im Netz – macht sie sich damit nicht selbst Konkurrenz? „Ich finde es gut und wichtig, Wissen weiterzugeben und finde es toll, wenn ich Menschen animieren kann, tolle Dinge zu machen“, sagt sie dazu. Sie freue sich über Entwicklungen, egal, ob bei einem Malkurs bei ihr im Südlohner Atelier oder bei den Tutorial-Fans. Denn Reaktionen hat sie schon bekommen: Ein Nutzer schrieb: „Es ist zum Weinen schön. Grandios gemacht. Es zeigt einem Laien aber auch, wo die Grenzen sind.“

Skizzen, Pinsel, Farbpalette – es könnte gleich losgehen mit dem Aquarellieren.

Skizzen, Pinsel, Farbpalette – es könnte gleich losgehen mit dem Aquarellieren. © Winter-Weckenbrock

Gabriele Templin-Kirz muss schmunzeln. Nette Mails erreichten sie, und manchmal auch ein paar Bilder. Eben Reaktionen, die zeigen, dass ihre Videos anderen helfen, Grenzen zu überschreiten: „Nass in Nass, das packe ich jetzt an“ – an diesen guten Vorsatz eines Zuschauers kann sich die Südlohnerin noch gut erinnern und freut sich noch immer darüber. Zwei Videos, einmal zu Figuren und einmal zu Architektur aquarellieren, sind schon veröffentlicht. Zwei weitere wurden am Drehtag aufgenommen und stehen noch in der Warteschlange.

„Ich habe bei dem Dreh schon von den vielen Vorführungen profitiert, die ich gemacht habe“, sagt Gabriele Templin-Kirz. Es wurde live aufgezeichnet, sie spricht und malt gleichzeitig – „vielleicht habe ich zuviel gesprochen“, sagt sie selbstkritisch im Rückblick. Sie habe auf den Text achten und die Stimme ruhig halten müssen ohne Möglichkeit zur schnellen Korrektur. Auch das ist ein Unterschied zum Workshop mit „echten Menschen“. In beiden Fällen ist es der 61-Jährigen wichtig, Basiswissen und Grundsätzliches zu vermitteln. Sie selbst ist studierte Innenarchitektin und Autodidaktin, was die Malerei angeht. „Da kann man einiges draus mitnehmen“, bewertet sie ihren eigenen Werdegang. Und: „Ich habe viel geübt und experimentiert. Ich weiß, wie man aus manchen Dingen wieder rauskommt.“

Gabriele Templin-Kirz mit einem ihrer Werke, das bei einer Vorführung entstanden ist.

Gabriele Templin-Kirz mit einem ihrer Werke, das bei einer Vorführung entstanden ist. © Winter-Weckenbrock

Talent, Können, Handwerk, Wissen und Erfahrung – darauf baut die Südlohnerin. Seit 1985 ist sie im Beckedahl präsent, stellte gleich unter dem Titel „Tatort Kunst“ dort aus. 1996 konnte sie das Haus nebenan von ihren Eltern übernehmen und richtete dort ein Atelier ein. Freundlich und hell ist der Raum, der von einem riesigen Tisch in der Mitte dominiert wird und auf dessen Fensterbank sich die Pinsel in allen erdenklichen Größen drängen. Gabriele Templin-Kirz greift einen großen, schräg abgeschnittenen Acrylpinsel. „Ich benutze den zum Aquarellieren. Für große Flächen wie aber auch für kleine Punkte. Auch Lichtblitzer im Auge kann ich mit dem großen Pinsel machen, das ist eine Sache der Handhabung“, erzählt sie. Kaum vorstellbar für den Laien, aber die Gäste aus der Redaktion sehen später im Tutorial, wie das genau geht.

An der Skizze ihres Schweinchens hat Gabriele Templin-Kirz selbst viel Freude und wünscht damit auch allen eine glückliches neues Jahr 2019. Im Vordergrund Briefbögen mit ihren Werken als Motiv.

An der Skizze ihres Schweinchens hat Gabriele Templin-Kirz selbst viel Freude und wünscht damit auch allen eine glückliches neues Jahr 2019. Im Vordergrund Briefbögen mit ihren Werken als Motiv. © Winter-Weckenbrock

Gabriele Templin-Kirz zeigt ein Beispiel für eine Skizze, mit der die Grundlage für ein Bild gelegt wird: eine Frau mit halblangen Haaren schaut nachdenklich, ihre Hand an Nase und Mund gelegt. An den Pünktchen, die sie neben den Kopf gesetzt hat, sollen die Farben später verschwimmen. „Die Farben stehen in dem Moment noch nicht fest“, erklärt sie. An der Wand hängt ein großes Bild, das bei einer Vorführung entstanden ist: Eine rothaarige Frau von hinten, die kniet und den rechten Arm hinter dem Hinterkopf anwinkelt, der Hintergrund ist blau und weiß. „Das Bild ist in Mischtechnik auf Leinwand entstanden. Es ist noch nicht fertig“, betont die Künstlerin. Das Strumpfband und der Ohrring müssten noch bearbeitet werden.

Außergewöhnlich: Auf diesem Bild ist kein Gesicht zu sehen. Recht viele der Werke von Gabriele Templin-Kirz haben Frauen zum Motiv. Ob in Porträts oder in Posen – „einfach spannend“ findet die Künstlerin Frauenfiguren. Sie malt figurative wie auch abstrakte Werke. Auch Stilleben. Erst hat sie lange Aquarelle gemalt, dann auch Werke in Acryl, dann auch Mischtechniken. In ihrem Haus im Beckedahl hat sie eine Dauerausstellung eingerichtet, und ein Gang durch die Ausstellung zeigt, wie sehr sie experimentiert hat. Denn das liebt sie: Grenzen sind für sie da, entdeckt und überschritten zu werden. „Auch auf die Gefahr hin, dass es im Mülleimer landet“, sagt sie.

So experimentierte sie auch mit den Materialien und den Untergründen, malte auf Hartfaserplatten, auf Holz, auf Leinwand. In der Deutschen Aquarellgesellschaft, in der sie seit fünf Jahren ist und neuerdings auch im Vorstand, war der Aufschrei deswegen schon erst einmal groß, räumt sie ein. „Aber nach drei Jahren haben andere es auch entdeckt.“ Für sie ist die Aquarellmalerei sehr vielfältig, „sie wird zu Unrecht als brave Hausfrauenmalerei angesehen“, kritisiert Gabrile Templin-Kirz. Es gehöre viel Können dazu, dass es fließt auf dem Bild. Das will sie weitergeben. Aktuell steht der Workshop „Farben des Winters“ in Raesfeld an, dann folgen Workhops und Kurse in Greetsiel, in Worpswede oder an der Mosel. Und natürlich in Südlohn.

  • Ein weiteres Video zeigt einen Auftritt der Südlohner Künstlerin in der Sendung des Hamburger Senders Tide-TV „Was kunst Du?“
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