Geschlossener Tönnies-Schlachthof wird für Landwirte zum Problem

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Der geschlossene Tönnies-Schlachthof wird auch für Landwirte im Kreis Borken zum Problem: Sie wissen nicht, wohin mit ihren Schweinen. Kreislandwirt Heinrich Emming sieht, wie der Druck steigt.

Südlohn

, 08.07.2020, 04:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

Knappe zwei Stunden Autofahrt liegen zwischen dem Schlachthof der Firma Tönnies in Rheda-Wiedenbrück und dem Schweinestall von Kreislandwirt Heinrich Emming im Ebbinghook. Der Schlachthof wurde geschlossen, weil in der Belegschaft zig Fälle des Coronavirus aufgetreten waren. 20.000 Schweine werden dort normalerweise geschlachtet – pro Tag. Im Moment steht der Betrieb still. Und das bekommt auch der Oedinger Landwirt hautnah zu spüren.

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„Bis vor einer Woche lief alles ganz normal weiter“, sagt der Landwirt, der auf seinem Hof rund 2400 Schweine mästet. Auch in dieser Woche seien die Transporte bisher noch geregelt. „Das hat aber schon eine ganze Menge Organisationstalent gebraucht“, erklärt er.

Der Druck auf die Landwirte steigt

Doch der Druck steigt. Und zwar gleich in doppelter Hinsicht. Auf der einen Seite geht es ganz klar um Kapazitäten, die fehlen: „Auch Tiere, die beispielsweise im Schlachthof in Legden geschlachtet werden, kommen dann zur Zerlegung nach Rheda-Wiedenbrück“, erklärt Heinrich Emming. Außerdem würden die Tiere, die aktuell in Rheda-Wiedenbrück nicht geschlachtet werden können, auf andere Schlachthöfe verteilt. „An die können wir auch nicht liefern“, sagt Heinrich Emming. Eine Kette, die sich bis in die Ställe fortsetzt. Die Tiere bleiben stehen.

Abzüge für die Landwirte, wenn das Schlachtgewicht nicht passt

Und damit beginnt das finanzielle Problem für die Landwirte. Denn wenn die Tiere länger im Stall stehen, steigt das durchschnittliche Schlachtgewicht. Doch die Schlachthöfe machen den Landwirten klare Vorgaben: „Zwischen 105 und 92 Kilogramm Schlachtgewicht bekomme ich den vollen Preis für ein Schwein“, sagt Heinrich Emming. 100 Gramm darüber oder darunter, schon werden Abzüge fällig. Kosten, die momentan bei den Landwirten hängen bleiben. „An die Verbraucher wird das ja nicht weitergegeben“, erklärt er.

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Schlimmer hätten es beispielsweise die Ferkelerzeuger: „Als Mäster kann ich einen Transport relativ problemlos 10 bis 14 Tage schieben“, sagt er. Ein Ferkelerzeuger habe diesen Spielraum nicht. Die kleinen Schweine werden üblicherweise direkt an die Mastbetriebe weitergegeben, weil die nächste Generation der Ferkel den Platz benötigt. Die Geburten ließen sich schließlich nicht aufhalten.

Probleme lassen sich im Moment noch lösen

„Ich will die Probleme überhaupt nicht hochspielen“, sagt der Kreislandwirt. Noch lasse sich die Situation irgendwie regeln. Mehr noch: Vor rund vier Monaten seien Ferkel immens knapp gewesen. Laut Heinrich Emming eine Folge des vergangenen trockenen und heißen Sommers. „So bitter es klingt, das entspannt die Lage im Moment sogar ein wenig“, erklärt er. So seien einige Ställe nicht voll ausgelastet.

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Gleichzeitig würden die Viehhändler versuchen, den Landwirten zu helfen. „Die fragen schon mal an, ob sie bei dem einen Landwirt 50 Tiere weniger aufladen können, damit sie von einem anderen Hof mehr Tiere mitnehmen können, um dort Platz zu schaffen“, erzählt Heinrich Emming. Aber das seien natürlich auch nur Notlösungen. Dennoch: Die Solidarität unter Landwirten funktioniere da gut.

Bis 17. Juli soll der Tönnies-Schlachthof nicht wieder in Betrieb gehen

„Am Schnellsten hilft uns natürlich, wenn Tönnies wieder anfängt zu schlachten“, sagt er. Doch das scheint erst einmal ungewiss. Vor dem 17. Juli soll das Hauptwerk der Firma Tönnies nicht wieder mit dem Schlachten beginnen.

Laut Sven-Georg Adenauer, dem Landrat des Kreises Gütersloh, waren bei Gesprächen zwischen Kreis und Unternehmen am Montag etliche Fragen offen geblieben. Bis der Betrieb wieder anlaufe, könne es noch dauern.

Was das für die Landwirte im Kreis Borken bedeutet? Heinrich Emming mag es nicht abschätzen. Auch er verfolge gebannt die Nachrichten, könne aber keine Prognose abgeben, wann sich das Problem ernsthaft verschärfe.

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