Gesundheitsminister Jens Spahn spricht am Henricusstift von neuem Alltag

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Eine knappe Stunde hatte Bundesgesundheitsminister Jens Spahn am Samstagmittag für Südlohn und Oeding. Im Henricusstift sprach er über den aktuellen Stand der Corona-Pandemie und die neue Realität.

Südlohn

, 15.08.2020, 19:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

Samstagnachmittag, rund 100 Südlohner und Oedinger und einige Gäste von außerhalb warten im Garten des Henricusstifts auf Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU). Er hat sich im Wahlkampf vor der Kommunalwahl angekündigt, um über den aktuellen Stand zur Corona-Pandemie zu sprechen.

Neben dem CDU-Bürgermeisterkandidaten Frank Engbers und Bürgermeister Christian Vedder steht auch Landrat Dr. Kai Zwicker am Mikrofon. Er übernimmt die Anmoderation. „Wir haben die Lage hier im Griff“, sagt er. Dennoch werde das Virus nicht einfach wieder verschwinden. Die Gesellschaft habe aber schon andere Krisen bewältigt und werde das auch mit dieser schaffen.

Rund 100 Zuhörer aus Südlohn und Oeding aber auch von außerhalb verfolgten den Auftritt von Bundesgesundheitsminister Jens Spahn in Südlohn.

Rund 100 Zuhörer aus Südlohn und Oeding aber auch von außerhalb verfolgten den Auftritt von Bundesgesundheitsminister Jens Spahn in Südlohn. © Stephan Rape

Applaus vom Publikum unterbricht ihn: Jens Spahn betritt den Garten des Pflegeheims – ohne Maske. Das wird später noch kritisiert.

„Wir leben in einem neuen Alltag und einer neuen Realität“, sagt der Bundesgesundheitsminister zur Begrüßung. Das Gesundheitssystem sei nie überfordert gewesen, die Gesellschaft halte zusammen.

Kontroverse Diskussion außerhalb der Echokammer

Bei allen Entscheidungen dürfe kontrovers diskutiert werden. Mehr noch: Bei den massiven Einschränkungen der persönlichen Freiheiten würde es ihn viel mehr sorgen, wenn nicht darüber diskutiert würde. „Aber in der Diskussion müssen wir miteinander reden und brauchen unterschiedliche Standpunkte, statt nur in der eigenen Echokammer zu bleiben.“

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Den Regelbetrieb in Schulen und Kitas wieder zu starten und Wirtschaft und Handel anzukurbeln habe oberste Priorität. Da müsse Party, Schützenfest und der Stadionbesuch eben noch eine Weile hinten anstehen.

Einblicke in den Alltag eines Pflegeheims

Jochen Albers, Leiter des Henricusstifts, berichtet aus dem (Corona-)Alltag der Einrichtung: Explodierte Kosten für simpelste Schutzausrüstung, Isolation und Kontaktverbote, die Flut an teils widersprüchlichen Informationen und der enorme Einsatz der Kollegen in der Pflege sind nur einige Punkte, die er anspricht.

Jens Spahn nickt. „Nicht jeder kann alles selbst produzieren“, sagt er. Schließlich lebe auch Deutschland vom Export.

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Aber sensible Produkte, gerade auch aus dem medizinischen Bereich, müssten wieder vor Ort produziert werden. „Es darf nicht in China entschieden werden, wo in Europa Schutzmasken ankommen“, erklärt er.

Auch die Arbeitsbedingungen in den Pflegeberufen müssten verbessert werden. Da sei Geld nur ein Aspekt. Konkreter wird es an diesem Nachmittag nicht.

Schule auch unter erschwerten Bedingungen

Eine Frau kritisiert scharf, dass Schulkinder acht Stunden täglich Masken im Unterricht und den Pausen tragen müssen. Jens Spahn pariert die Frage: „Natürlich sind das erschwerte Bedingungen für die Schüler. Aber aus meiner Sicht ist das immer noch die richtige Entscheidung.“ Die Alternative wäre gewesen, die Schulen geschlossen zu lassen. Applaus des Publikums.

Für den obligatorischen Eintrag ins Goldene Buch der Gemeinde war natürlich noch Zeit: Dort bedankte sich Jens Spahn für den freundlichen Empfang.

Für den obligatorischen Eintrag ins Goldene Buch der Gemeinde war natürlich noch Zeit: Dort bedankte sich Jens Spahn für den freundlichen Empfang. © Stephan Teine

Die Frau setzt nach: Auch Jens Spahn habe beim Betreten der Veranstaltung keine Maske getragen. Der räumt einen Fehler ein: „Ja, ich hätte eine tragen sollen, habe aber trotzdem niemanden gefährdet“, sagt er. Schließlich habe er sich allein und mit Abstand zum Publikum bewegt. Auch das sei so eine Frage: „Wo machen die Masken mehr und wo weniger Sinn“, sagt er. Aber im Zweifel fordere er lieber einmal zu viel häusliche Quarantäne, als einmal zu wenig. Auch das trug ihm wieder großen Applaus ein.

Eine knappe Stunde mit dem Bundesminister

Der Bundesminister schlägt den Bogen zurück zur Kommunalwahl: Es sei eben nicht egal, wer einen regiert. „Darum beneiden uns andere Länder“, sagt er. „Helfen Sie mit und sorgen sie für eine hohe Wahlbeteiligung und Mehrheiten, mit denen Entscheidungen möglich sind“, ruft er dem Publikum zu.

Schneller Abgang nach ziemlich genau einer Stunde: Bundesgesundheitsminister Jens Spahn absolvierte am Wochenende 19 Termine an 15 Orten in seinem Wahlkreis.

Schneller Abgang nach ziemlich genau einer Stunde: Bundesgesundheitsminister Jens Spahn absolvierte am Wochenende 19 Termine an 15 Orten in seinem Wahlkreis. © Stephan Rape

Nach einer knappen Stunde bleiben einige Fragen offen. Doch die Zeit ist verstrichen. Der Bundesminister macht auf den Weg – dieses Mal mit Maske. In zwei Tagen absolviert er 19 Termine an 15 Orten in seinem Wahlkreis. Allein am Samstag sind es acht. Es ist schließlich Wahlkampf.

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