Himmelblauer Trabant bekommt neues Leben in einem Südlohner Vorgarten

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Der Motor des himmelblauen Trabants in der Schillerstraße knattert nicht mehr. Doch statt in der Schrottpresse landete „die Pappe“ im Vorgarten. Er war schließlich ein Hochzeitsgeschenk.

Südlohn

, 08.05.2020, 17:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

In der Schillerstraße in Südlohn parkt ein Trabbi. Endgültig. Und zwar mitten im Vorgarten von Tina Sanders (29) und Mirko Schneider-Sanders (34)

„Das war ein Hochzeitsgeschenk meiner Clique“, sagt Mirko Schneider-Sanders. Er stammt ursprünglich aus Naumburg an der Saale. „Da wollten meine Freunde mir wohl ein kleines bisschen einen mitgeben“, sagt er und lacht.

Böses Erwachen nach der Hochzeitsfeier: Vorfreude erfüllt sich nicht

Als er am Hochzeitstag im Juli 2018 den Zündschlüssel in die Hand bekam, war erstmal richtig glücklich. „Ich habe meine Mutter gefragt, ob das wirklich ein Trabbi-Schlüssel ist“, erinnert er sich. Dann habe er sich gefreut: „Geil, ein paar Runden mit dem Trabbi durch die Gegend fahren“, erzählt er. „Ich musste erstmal noch fragen, wie das mit der Stockschaltung am Lenkrad funktioniert und habe mich riesig gefreut“, fügt er mit süßsaurer Mine hinzu.

Motor- und Kofferraum sind bepflanzt. Auch in den Schotterflächen sollen noch verschiedene Pflanzen wachsen. Zusätzlich hat das Paar in den umliegenden Pflanzkübeln Wildblumen gesät.

Motor- und Kofferraum sind bepflanzt. Auch in den Schotterflächen sollen noch verschiedene Pflanzen wachsen. Zusätzlich hat das Paar in den umliegenden Pflanzkübeln Wildblumen gesät. © Stephan Teine

Das böse Erwachen kam später: Am Morgen nach einer langen Hochzeitsfeier kamen das Paar schließlich nach Hause. Und Mirko Schneider-Sanders entgleisten die Gesichtszüge: Der Schlüssel passte zwar, doch von dem Trabbi war nicht mehr viel übrig. Kein Motor, keine Reifen, ein Loch klafft links in der Tür. „Die hatten die Karosserie kurz vor der Hochzeit zu uns auf die Auffahrt geschoben und sich kaputt gelacht“, sagt er.

Trabant fristet trostloses Dasein in der Garage

Der himmelblaue Trabbi wanderte kurze Zeit später erst einmal in die Garage und blieb dort. Irgendwann störte er nur noch. „Wir konnten unsere Garage ja überhaupt nicht nutzen“, erklärt Tina Sanders. Sie versuchten, die Karosserie im Internet zu verkaufen. „Aber nicht mal für 50 Euro wollte ihn jemand haben“, sagt sie mit etwas Wehmut in der Stimme.

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Das Hochzeitsgeschenk einfach zu verschrotten war ihnen dann aber doch zu schade. Und so entstand die Idee, mit dem Trabbi den Vorgarten zu schmücken.

Ein größerer Umbau des verwilderten Vorgartens folgte. Klar war für das Paar aber auch, dass sie den Wagen bepflanzen wollten. „Mein Schwager ist Imker. Der würde uns köpfen, wenn wir nur Schotter im Garten hätten“, erklärt Tina Sanders.

So bepflanzten sie Koffer- und Motorraum, und legten auch in der groben Schotterfläche drumherum verschiedene Pflanzen an. Zusätzlich haben sie Wildblumen in den Pflanzkübeln rund um den Vorgarten gesät. Auch hinter dem Haus grünt und blüht es.

Wassersparende Alternative für den Vorgarten

„Ich könnte mir natürlich auch den ganzen Vorgarten mit Rasen voll legen, den ich dann regelmäßig sprengen muss, damit er vernünftig aussieht“, sagt Mirko Schneider-Sanders. Ob das dann bei der aktuellen Trockenheit und der wohl anstehenden Wassserknappheit im Sommer die bessere Alternative sei, lässt er offen.

Gegen den Trabbi-Blumenkübel spricht nichts

Aus Sicht der Südlohner Verwaltung ist der Trabbi im Vorgarten übrigens kein Problem: „So lange dort keine Betriebsstoffe austreten können, spricht nichts dagegen“, sagt Bürgermeister Christian Vedder.

Von der Perle ostdeutscher Automobilbaukunst ist nicht mehr viel übrig geblieben. Mehrere Jahre hatte der Trabbi sein Dasein in verschiedenen Scheunen und Garagen gefristet. Vor einigen Jahren war er schon beim Blumenkorso in Legden als Pflanzenträger im Einsatz.

Von der Perle ostdeutscher Automobilbaukunst ist nicht mehr viel übrig geblieben. Mehrere Jahre hatte der Trabbi sein Dasein in verschiedenen Scheunen und Garagen gefristet. Vor einigen Jahren war er schon beim Blumenkorso in Legden als Pflanzenträger im Einsatz. © Stephan Teine

Dennoch ist auch ihm Schotter im Vorgarten ein Dorn im Auge. „Wir wollen darauf hinwirken, dass sich die Menschen in Südlohn und Oeding nicht nur Schotter in den Vorgarten legen“, sagt er. Schließlich müsse auch etwas für Insekten getan werden. Das Wort „Garten“ solle auch in den Vorgärten schon erkennbar sein.

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Es gebe ordnungsrechtliche Instrumente, um Schotter zu verhindern. Beispielsweise könne man ja darüber nachdenken, ob so eine Fläche schon versiegelt ist, erklärt der Bürgermeister. So weit will er es aber noch nicht kommen lassen. Bisher versuche es die Verwaltung mit Appellen. „Klar ist aber auch, dass das Thema virulent bleibt“, sagt Christian Vedder.

Die Resonanz aus der Nachbarschaft ist geteilt. „Einige finden es gut, andere tuscheln“, sagt Tina Sanders. „Aber das ist uns egal, sonst hätten wir den Trabbi ja gar nicht erst aufgestellt.“

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