Heimatvereinsvorsitzender Ernst Bennemann mit der schweren Kanonenkugel: Er freut sich über ein neues Ausstellungsstück. © Anne Winter-Weckenbrock
Geschichte in Südlohn

Kanonenkugel aus der Schlinge „gefischt“ und dem Heimatverein geschenkt

Miguel und Loic Schwarz sind beim Spielen an der Schlinge auf eine jahrhundertealte Kanonenkugel gestoßen. Das gewichtige Fundstück schenkten sie dem Heimatverein. Nicht ohne Grund.

So einen Fund macht man nicht alle Tage: Beim Spielen an der Schlinge, ganz in der Nähe des ehemaligen Stauwehrs, stießen Miguel (10) und sein Bruder Loic (8) auf ein schweres, kugelrundes Eisenstück, das sie zunächst nicht so richtig einordnen konnten.

Gewichtiges Fundstück zuhause sauber gemacht

Die Kugel lag am Rand, zum Teil im Wasser. „Wir haben uns gewundert“, erzählt der zehnjährige Miguel im Telefonat mit der Redaktion, „und dann haben wir sie rausgeholt“. Zuhause machten die Jungs ihr Fundstück richtig sauber. Und da hatte Miguel schon so eine Ahnung: Das könnte doch eine Kanonenkugel sein.

Miguel (r.) und Loic Schwarz haben beim Spielen an der Schlinge am alten Stauwehr eine jahrhundertealte Kanonenkugel gefunden. © privat © privat

„Wir waren mal mit der Schule beim Heimatverein“, sagte Miguel. Dort, im Heimatraum im Südlohner Pfarrheim, sind Kanonenkugeln ausgestellt, die 1978 beim Bau der Kegelbahn der Gastwirtschaft Nagel gefunden wurden. Ganz in der Nähe ist auch die Fundstelle, an der die beiden Südlohner Jungs die Kugel entdeckten.

Pierre Schwarz, der Vater der beiden, schaute im Internet nach und fand die Kanonenkugel-Theorie auch stimmig. Gewissheit brachte aber der Besuch der Familie Schwarz bei Doris und Ernst Bennemann vom Südlohner Heimatverein. Für die Familie Schwarz war sofort klar, dass sie ihr Fundstück nicht behalten sondern dem Heimatverein überlassen wollten. „Sofort wurde der Gegenstand als Kanonenkugel identifiziert“, blickt Ernst Bennemann, der Heimatvereinsvorsitzende, zurück.

Jahrhunderte alte und drei Kilogramm schwer: Diese Kanonenkugel aus dem Dreißigjährigen Krieg haben zwei Jungen aus Südlohn beim Spielen an der Schlinge gefunden. © Anne Winter-Weckenbrock © Anne Winter-Weckenbrock

„Das war nicht schwer“, so Bennemann, „denn artgleiche Kanonenkugeln lagern seit Jahren in einer Glasvitrine im Heimatraum des Heimatvereins“. Der Vorsitzende kann die Fundstücke einordnen: „Die Kanonenkugeln erinnern an die Zeit des 30-jährigen Krieges von 1618 bis 1648“. Auch „Suthlon“ war zu jener Zeit zwischen die Fronten feindlicher Truppen geraten. An die Schlacht im Lohner Bruch zwischen Wüllen und Stadtlohn am 6. August 1623 erinnert heute ein vom Heimatverein Stadtlohn errichteter Gedenkstein am „Düwing Dyk“.

Südlohn war zwischen1618 und 1648 von Raubzügen betroffen

Auch die Gemeinde Südlohn wurde seinerzeit Opfer von Raubzügen und marodierender Truppen. So ist zu erklären, dass die Kanonenkugeln mit diesen Ereignissen zusammenhängen, konnten Ernst und Doris Bennemann auch Miguel, Loic und Pierre Schwarz bei deren Besuch berichten. Die drei Kilogramm schwere Kugel stammte also wohl aus einer Kanone und sollte vor vielen Jahrhunderten Zerstörung anrichten im Heimatdorf der beiden Jungen.

Sie erhält jetzt ihren Platz in der Glasvitrine, dort werden die schon in der Vitrine vorhandenen Kugeln ergänzt. Die im Heimatraum eingelagerten Kanonenkugeln wurden 1978 beim Bau der Kegelbahn der Gastwirtschaft Nagel gefunden. „Fundamente der Kegelbahn befinden sich im Bereich des früheren Wall und Grabens, der als Schutz vor marodierenden Truppen gebaut wurde“, erläutert Ernst Bennemann.

Josef Nagel übergab im Jahre 2006 eine Anzahl Kanonenkugeln dem Heimatverein zur Aufbewahrung. Der Heimatverein Südlohn (www.heimatverein-suedlohn.de) freut sich über die Wissbegierde und den Forscherdrang der beiden Südlohner Jungs und über sein neues Ausstellungsstück.

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