Tim Tecker ist aktiver Feuerwehrmann beim Löschzug Oeding und seit Kurzem auch stolzer Besitzer eines fahrtüchtigen Tanklöschfahrzeugs mit dem Baujahr 1956. © Anne Winter-Weckenbrock
Feuerwehr-Oldtimer

Mit Video: Runde Haube, lange Schnauze: Feuerwehr-Oldtimer begeistert

Der feuerrote Wagen zieht Blicke an. Wenn Tim Tecker dann noch die originale Hupe des 65 Jahre alten Lkw drückt, bringt er die Passanten zum Lächeln. Er teilt seine Freude gerne mit anderen.

Tim Tecker schwingt sich auf den Fahrersitz, dreht den Zündschlüssel, wartet ein paar Sekunden und dreht weiter. Dann springt das alte Mercedes-Benz-Feuerwehrauto an, ein satter Dieselsound hallt über den Vorplatz des Feuerwehrhauses in Oeding. Musik in den Ohren des Oberfeuerwehrmanns.

Mit dem Feuerwehr-Oldtimer hat sich der 28-Jährige einen Traum erfüllt. „Ich habe da schon immer Bock drauf gehabt und schon länger nach einem geguckt“, erzählt er. Jetzt hatte er Glück, über einen Bekannten ist er an einen wirklich alten Oldtimer gekommen: Baujahr 1956. Ein Fahrzeug der Feuerwehr Kellinghusen aus Schleswig-Holstein. Bis 1995 war das Tanklöschfahrzeug dort noch in Betrieb, bis es ausgemustert und „an privat“ verkauft wurde.

Ein bisschen schaukelt es beim Fahren

„Es ist ein Rundhauber mit langer Schnauze“, schwärmt Tim Tecker. Schon deswegen mutet das Feuerwehrauto historisch an. „Es gibt gerade viele Feuerwehrfahrzeuge mit Baujahr aus den 1980ern, aber ich wollte so eines“, sagt er zufrieden. Er legt einen Gang ein, und los geht es, auf zur Spritztour durchs Dorf. Es ist recht laut für Ohren, die nur moderne Motorgeräusche eines Privatwagens gewöhnt sind. Und es wackelt ein bisschen, oder schaukelt?

Egal, es ist ein tolles Fahrgefühl, schon als Beifahrerin. Wir sind ja trotz Feuerwehrauto schließlich nicht unterwegs zu einer Notlage. Im Fahrerraum riecht es, wie es sein muss: nach Diesel, Öl und nach alten Lederbezügen. Die sind natürlich rot. Nach Anschnallgurten sucht man vergeblich: Für den Oldtimer gilt keine Gurtpflicht. Komisches Gefühl, so unangeschnallt.

Viele Schalter waren hier bis 1995 zu bedienen für die Feuerwehrleute. Für den privaten Gebrauch sind es weniger.
Viele Schalter waren hier bis 1995 zu bedienen für die Feuerwehrleute. Für den privaten Gebrauch sind es weniger. © Anne Winter-Weckenbrock © Anne Winter-Weckenbrock

Tim Tecker schaltet konzentriert. Schnell habe er sich an das unsynchronisierte Schaltgetriebe gewöhnt, erzählt er. Zwischengas geben – das war etwas Neues für ihn. Aber er fährt nun routiniert über die Jakobi- und Winterswyker Straße, grüßt hier und da, hupt der Truppe vom Heimatverein zu, die gerade die Außenanlagen in Schuss bringt.

Der Wagen und sein Fahrer sind in Oeding schon bekannt

„Ja, man kennt mich“, bestätigt er lachend. Er habe sich den Oldtimer schließlich zugelegt, um damit unterwegs zu sein. Und das ist er. Das Auto ist absolut fahrtüchtig. „Feuerwehrwagen werden ja immer gut gewartet“ , nennt der 28-Jährige einen Grund. Fünf Gänge hat der Wagen und „nur“ 90 PS, er kommt auf eine Höchstgeschwindigkeit von 70. „Nicht der schnellste, aber er hat schon Kraft“, fasst Tim Tecker zusammen. Und läuft, und läuft, und läuft.

Den Lkw-Führerschein hat der Oedinger schon vor Jahren gemacht, aus privatem Antrieb. Manchmal sitzt er auch hinterm Steuer der modernen Fahrzeuge des Löschzugs Oeding. Die sind schon anders ausgestattet als sein Gefährt. Eins aber eint sie: die Farbe. „Feuerwehrrot, das ist heute noch dieselbe Farbe“, erklärt der Oberfeuerwehrmann.

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Tim Tecker fährt 65 Jahre altes Feuerwehrauto

Seine Vision ist, dass er das Auto ganz abschleift und neu lackiert. „Das kann aber noch dauern“, sagt er lachend. Hier und da gibt es Roststellen und platzt der Lack ab. Aber als erstes will er – von Beruf Elektromeister – mit Hilfe eines Nachbarn, der sich mit KFZ gut auskennt, den Wagen fahrtüchtig halten. Und er will die „feuerwehrtechnische Beladung“ funktionstüchtig an Bord haben. Pumpe, Schlauch, Leiter.

„Herzstück“ des Fahrzeugs ist die Pumpe

Tim Tecker führt den Besuch aus der Redaktion einmal um den feuerroten Lkw herum: „Vorne ist er Mercedes Benz, dahinter Metz“, sagt er. Die Firma ist für den feuerwehrtechnischen Teil des Fahrzeugs zuständig gewesen. Er öffnet die Türen zu den Gerätefächern. Dort liegt ein alter Helm, der sich von den heutigen gar nicht so sehr unterscheidet. Viele Fächer bieten Platz für Nützliches. Weiter herum geht es zum „Herzstück“, wie der Oberfeuerwehrmann sagt: der Pumpe im Heck.

Das Herzstück eines jeden Tanklöschfahrzeugs ist ganz hinten: die Pumpe. Der Wasserstand wird in einem kleinen Rohr links neben der Pumpe angezeigt: Liegt die orange Kugel da ganz unten, ist kein Wasser an Bord.
Das Herzstück eines jeden Tanklöschfahrzeugs ist ganz hinten: die Pumpe. Der Wasserstand wird in einem kleinen Rohr links neben der Pumpe angezeigt: Liegt die orange Kugel da ganz unten, ist kein Wasser an Bord. © Anne Winter-Weckenbrock © Anne Winter-Weckenbrock

„Die ist zehn Jahre nicht mehr gelaufen“, sagt er mit Blick auf die Pumpe und zeigt auf eine schmale Röhre weiter hinten: Dort zeigt ein oranger Ball, wie hoch der Tank befüllt ist. Der Ball ruht unten – also kein Wasser an Bord. 2500 Liter würden hineinpassen.

Über zwei ausgeklappte Tritte hoch zur Leiter aufs Dach

Rechts hinten am Heck verbergen sich der aufgerollte Schlauch und die Anschlüsse hinter einer Klappe. „Das reicht für den Schnellangriff, für die ersten fünf oder zehn Minuten“, erklärt Tim Tecker. Ein Fach weiter steht eine Ölkanne bereit, ein Hammer liegt im Fach. Der Oedinger klappt zwei Trittstufen neben dem Gerätefach herunter: Das ist der Aufstieg zum Dach, zur Leiter.

Helm und Feuerwehrhaltegurt liegen bereit.
Helm und Feuerwehrhaltegurt liegen bereit. © Anne Winter-Weckenbrock © Anne Winter-Weckenbrock

„Das ist eine vierteilige Steckleiter, die reicht bis zum zweiten Obergeschoss“, erklärt der Oldtimer-Besitzer. Mindestens drei Leute, besser vier, habe man gebraucht, um die hölzerne Leiter aufzubauen.

In der Mannschaftskabine gibt es keine Ledersitze, bis zu vier Feuerwehrleute konnten da auf einer gebogenen, hölzernen Sitzbank Platz nehmen. Vor der Bank hat Tim Tecker schon etwas Neues angebracht: Zwei kleine Klapptische. „Ich war mit dem Wagen schon öfter beim Wohnmobildinner“, erzählt er und schmunzelt. Ein solches Ambiente kann beim Essen nicht jeder genießen.

Tim Tecker hat gerne Anlässe zum Fahren mit seinem Oldtimer

Er hat einfach Freude an dem Auto und ist durchaus bereit, diese zu teilen: „Ich würde auch bei Hochzeiten oder so fahren“, sagt er. Oder bei anderen feierlichen Anlässen für einen Blickfang und ein besonderes Fahrgefühl sorgen: „Ich freue mich, wenn ich Anlässe zum Fahren habe.“ Wer Interesse hat: Tel. (0151) 17 85 00 23.

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