Mutter aus Südlohn kämpft mit offenen Briefen gegen Masken im Unterricht

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Taja (12) besucht die Herta-Lebenstein-Realschule und soll dort eine Maske tragen. Auch im Unterricht. Ihre Mutter will dagegen kämpfen – und wirft auch der Schule einiges vor.

Südlohn

, 10.09.2020, 12:00 Uhr / Lesedauer: 3 min

Alina Eliseeva (32) aus Südlohn und ihre zwölfjährige Tochter sind wütend. Wütend auf die Herta-Lebenstein-Realschule, weil dort auch an den Plätzen der Schüler Masken gegen das Coronavirus getragen werden sollen und Sicherheitsabstände nicht eingehalten werden können.

Taja besucht dort die sechste Klasse. Sie berichtet von Gedränge in den Gängen. „Da vermischen sich die Schüler der einzelnen Klassen. Man kann gar keinen Abstand einhalten“, sagt sie. Und an den Plätzen sollen dann weiter Masken getragen werden, obwohl Abstände dort möglich sind.

„Alle waren froh, dass vor den Sommerferien die Masken weggekommen sind“, sagt Alina Eliseeva. In den beiden Wochen vor den Sommerferien hätten die nämlich nicht mehr getragen werden müssen. Nach den Ferien habe es dann plötzlich eine Rolle rückwärts gegeben. Im Unterricht habe es dann plötzlich geheißen, dass die Masken weiter getragen werden müssen. Und das, obwohl das Landesrecht das gar nicht mehr vorsieht.

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„Ich muss die Masken im Unterricht nicht tragen“, sagt Taja Eliseeva. Deswegen trage sie sie dort auch nicht. „Ich hasse sie“, sagt das Mädchen. Auch berichtet sie von Kopfschmerzen, die sie bekomme, wenn sie den ganzen Tag mit Maske in der Schule sitze.

Lehrer sollen Druck auf Schüler ausgeübt haben

Besonders ärgert sich Alina Eliseeva darüber, dass die Schüler unter Druck gesetzt worden seien, Masken weiter zu tragen. „Im Unterricht sind Sätze gefallen wie ‚Jetzt sieht man ja, wer sozial ist und wer nicht‘“, schildert die Mutter. Das sei überhaupt nicht angebracht. „Da geraten Kinder doch unter Zugzwang“, erklärt sie.

Die Schulleitung sieht das anders: Schulleiter Stefan Wichmann stellt sich im Gespräch mit unserer Redaktion ganz klar vor die Lehrer an der Schule. Kein Schüler sei gezwungen oder werde gedrängt, auch an seinem Platz eine Maske zu tragen. „Wir haben aber dafür geworben und darum gebeten, nach Möglichkeit auch im Unterricht eine Maske zu tragen“, sagt er. Allein schon mit Rücksicht auf die Schüler und Lehrer, die vielleicht selbst zur Risikogruppe gehören oder Verwandte in diesen Gruppen haben.

Ungefähr 75 Prozent der Schüler an der Herta-Lebenstein-Realschule würden das auch tun. Auf den Pausenhöfen und in den Gängen sei ohnehin noch eine Maske zu tragen. So sehe es das Landesrecht auch vor.

Niemand sonst habe von Druck berichtet – Schüler tragen freiwillig Masken

In keinem Fall – und das wiederholt er mehrfach ganz deutlich – sei Druck auf die Schüler ausgeübt worden. „Wir können ja niemanden zwingen“, sagt er. Das habe auch ein Gespräch mit der Klassenpflegschaft, der Klassenlehrerin und einer weiteren erwachsenen Begleiterin, die regelmäßig in der Klasse ist, ergeben.

„Niemand hat davon berichtet, dass Druck auf die Schüler ausgeübt worden sei“, macht er ganz deutlich. Das sei natürlich auch immer ein sehr subjektiver Eindruck. Mehr noch: Viele Schüler würden die Masken freiwillig auch dort tragen, wo es eigentlich nicht notwendig wäre. „Um sich und die anderen zu schützen“, so Stefan Wichmann weiter.

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Dennoch sei sich die Schule da keiner Schuld bewusst. Vorwürfen, wie sie auch durch den offenen Brief von Milena Eliseeva laut geworden seien, blickt er gelassen entgegen. Auch seien von den angeschriebenen Ministerien noch keine Anfragen an die Schule gestellt worden. „Denen würde ich aber das Gleiche erzählen“, erklärt Stefan Wichmann.

„Wir versuchen einen verantwortungsvollen Umgang mit dem Virus zu erreichen“, sagt der Schulleiter. Das entspreche auch ganz einfach dem Schulmotto „Gemeinsam stehen wir hier zusammen“. Und das ziehe sich durch den gesamten Alltag an der Schule.

Während in den Klassenräumen nach Möglichkeit versucht werde, die Sicherheitsabstände einzuhalten, sei das auf den Fluren natürlich deutlich schwieriger. „Wir können die Flure ja nicht erweitern“, sagt der Schulleiter. Umso wichtiger sei an diesen Stellen, dass Masken getragen werden.

Offene Briefe an Ministerien bleiben bisher noch unbeantwortet

In offenen Briefen hat sich Alina Eliseeva in der Zwischenzeit unter anderem an das Schulministerium und das Familienministerium sowohl auf Landes- als auch auf Bundesebene gewandt. Auch die Bezirksregierung und Ministerpräsident Armin Laschet hat sie angeschrieben. Darin kritisierte sie unter anderem, dass die Schüler auch im Unterricht Masken tragen müssen und es keine klare Linie im Umgang mit dem Coronavirus gebe. Klare Antworten hat sie von dort bisher noch nicht bekommen.

Ihre Hauptkritik gilt auch nicht der Schule, sondern den Ministerien, die die Regeln vorgeben: „Wenn die Mindestabstände nicht eingehalten werden können, sollte man die Kinder auch nicht zwingen, zur Schule zu gehen“, sagt sie. Ein gemischtes Modell aus Präsenzunterricht in der Schule und Unterricht zuhause wäre für sie eine Variante. Schließlich würde ja auch in vielen Unternehmen immer noch zum Großteil von zuhause gearbeitet. „Dann könnte man auch die Schülergruppen trennen und müsste nicht alle Kinder auf einmal in die Schule schicken“, erklärt sie.

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„Wir sind immer noch mitten in der Pandemie aber in der Schule wird so etwas wie Normalbetrieb versucht“, sagt sie. Auch wenn sie friedliche Demonstrationen gegen die Coronapolitik durchaus befürwortet, möchte sie das Virus auf keinen Fall kleinreden. „Die Krankheit ist da, keine Frage“, sagt sie. Aber die entsprechenden Stellen hätten es versäumt, eine vernünftige Lösung für den Alltag zu erarbeiten.

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