Das ursprüngliche Plangebiet umfasst das Areal auf dem ehemaligen Gelände des Vereinshauses. Auch andere Standorte wurden diskutiert. Am 21. April entscheidet der Rat nun, ob das Projekt Kulturbürgerhaus noch weiterverfolgt werden soll. Die Vorzeichen sind eindeutig, © Bernd Schlusemann
Kulturbürgerhaus

Nach langem Stillstand: Projekt Kulturbürgerhaus vor dem endgültigen Aus

Zunächst erwies sich das Projekt „TonArt“ als zu teuer, nun droht auch einem kleiner gedachten Kulturbürgerhaus aus gleichem Grund das Aus. Das letzte Wort hat der Rat, die Tendenz ist klar.

Einem Prozess, der sich nun über Jahre hingezogen hat, droht nun das endgültige Ende. Rund ein Jahr lang war es schon wieder still geworden um das Thema Kulturbürgerhaus, nun hat der Trägerverein selbst die Initiative ergriffen, in Person des Vorsitzenden Manfred Wanning. „Herr Wanning hat mir in einem persönlichen Gespräch mitgeteilt, dass man nun eine finale Entscheidung wolle“, erklärt Südlohns Bürgermeister Werner Stödtke auf Nachfrage. Es sei nun an der Zeit für einen Beschluss, bestätigt Wanning: „Wir müssen nicht künstlich etwas am Leben halten.“ Den abschließenden Punkt hinter das Projekt kann nun der Rat in seiner Sitzung am 21. April setzen.

Trägerverein übernimmt Initiative

In der Beschlussvorlage zur kommenden Ratssitzung ist vermerkt, dass Manfred Wanning mit E-Mail vom 26. März 2021 der Verwaltung mitgeteilt habe, dass der Trägerverein beabsichtige, „das Projekt Kulturbürgerhaus in Südlohn (TonArt) aufzugeben“. Auch sei beabsichtigt, den hierfür gegründeten Verein ordnungsgemäß aufzulösen. Der Vorstand und die Förderer und Mitglieder seien durch Manfred Wanning entsprechend informiert worden. Die Mail beinhalte auch den Vorschlag an die Politik und die Verwaltung, das Projekt nicht weiter zu verfolgen.

Das hat Werner Stödtke dann auch mit den Fraktionsspitzen aller Parteien im Rat erörtert. „Das Bedauern aller war spürbar“, berichtet der Bürgermeister. Es habe aber auch die Einsicht überwogen, „dass dieses Projekt seitens der Gemeinde Südlohn nicht gestemmt werden kann.“ Dies liege unter anderem an den großen Investitionsvorhaben, die in den nächsten Haushaltsjahren auf die Gemeinde zukommen, heißt es in der Beschlussvorlage.

Genannt wird exemplarisch das Großvorhaben Grundschule Oeding mit voraussichtlichen Kosten in Höhe von circa 5,7 Millionen Euro. Auch die Bezirksregierung Münster habe bereits darauf hingewiesen, dass die Mittel aus der Städtebauförderung 2021 wiederum nicht auskömmlich seien. Die Erfolgsaussichten auf eine hohe Förderung für dieses Projekt seien daher nach wie vor gering.

In Südlohn muss vorerst „kleiner gedacht“ werden

In der Beschlussvorlage spiegelt die Verwaltung ebenso wider, dass mit Blick auf die weitere Entwicklung der öffentlichen Finanzen das Projekt auch auf längere Zeit nicht realisierbar erscheine. Sie sehe dringlichere Projekte, die mit Förderprojekten und -geldern auf den Weg gebracht werden sollten. „Insgesamt müssen wir auch schauen, was die Bevölkerung aktuell als wirklich wichtig wahrnimmt“, so Stödtke. Der Bürgermeister spricht dabei auch aus, was aktuell verstärkt Tenor ist: „Insgesamt muss auch mit Blick auf die zukünftigen Fördertöpfe wahrscheinlich ‚kleiner gedacht‘ werden.“

Damit neigt sich wohl ein Prozess dem Ende zu, der vor sechs Jahren mit der Idee zum Projekt „TonArt“ auf dem Gelände des ehemaligen Vereinshauses begann. Ein Zentrum für Musik, Kunst und Kultur war das Ziel, nicht nur für die Musikkapelle, sondern als Dreh- und Angelpunkt für das gesamte Vereinsleben im Ort. Das Vier-Millionen-Euro-Projekt ereilte 2019 die Absage, als die Bezirksregierung Münster bestenfalls eine Förderung von 1,5 Millionen Euro als realistisch angesehen hatte. Die Gemeinde Südlohn hatte die „TonArt“ schon 2015 für das Projekt Berkel-Schlinge im Rahmen der „Regionale“ angemeldet, dafür aber nicht den Zuschlag von der Landesregierung erhalten.

Prozess stockt seit rund einem Jahr

Es wurde 2019 fortan zu einem kleiner gedachten Kulturbürgerhaus umgeschwenkt, das nach ersten Kostenschätzungen immer noch 3,5 Millionen Euro kosten sollte. Dafür sollten neue Fördertöpfe entdeckt, eine Machbarkeitsstudie angeregt werden. In einem gemeinsamen Termin von Politikern, Verwaltung und Trägerverein sollte über Inhalte gesprochen werden. Seitdem stockte der Prozess, die in den Haushalt eingestellten 7000 Euro für die Machbarkeitsstudie wurden bis heute nicht abgerufen.

Wichtig sei es den Fraktionsspitzen, so Werner Stödtke, in der kommenden Ratssitzung noch einmal allen Beteiligten des Projektes Kulturbürgerhaus einen ausdrücklichen Dank auszusprechen. Diese aktiven Bürgerinnen und Bürgern hätten „viele Anstöße für die Gemeindeentwicklung gegeben“ und seien unter anderem „maßgebliche Antreiber“ für das Integrierte städtebauliche Entwicklungskonzept (ISEK), das 2019 beschlossen worden war mit der Teilmaßnahme Kulturbürgerhaus Südlohn, heißt es in der Beschlussvorlage. Aus der Grundidee „TonArt“ seien viele Anregungen und Entwicklungswünsche für die Gemeinde entstanden, die jetzt mit weiterer Bürgerbeteiligung in die Umsetzung gehen können.

Kernidee strahlt auf Folgeprojekte aus

Diese Wertschätzung für die geleistete Arbeit ist auch Manfred Wanning wichtig: „Wir haben dieses Projekt letztlich zwar nicht durchsetzen können, gescheitert sind wir sicher nicht. Wer nichts probiert, der scheitert.“ Der Vorsitzende weist unter anderem auf das Projekt „Buten und Binnen“ hin, dessen Idee sich irgendwie auch aus der Kernidee TonArt/Kulturbürgerhaus entwickelt habe und in dem Musik und Kultur ihren Platz finden würden.

In der Ratssitzung soll nun im Sinne der Fraktionen auch gegenüber den ehrenamtlich Tätigen und gegenüber der Öffentlichkeit klar dokumentiert werden, ob ein Weiterverfolgen dieses Projektes politisch weitergetragen wird.

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