Neues Abwasserkonzept steht auf Wartegleis – auch wegen Coronavirus

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Die Gemeinde Südlohn möchte die Abwasserbeseitigung übertragen. Für die Idee macht Bürgermeister Christian Vedder sich stark. Doch im Moment gibt es viele offene Fragen und ein anderes Problem.

Südlohn

, 06.04.2020, 18:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

Südlohn und Gescher wollen die Beseitigung des Abwassers an eine Gesellschaft öffentlichen Rechts übertragen. Diesen Plan hatten die beiden Bürgermeister Thomas Kerkhoff (Gescher) und Christian Vedder (Südlohn) Mitte Februar öffentlich vorgestellt.

Möglich wären damit millionenschwere Einnahmen, die den Gemeindehaushalt deutlich aufpolieren würden. Gleichzeitig soll das Ganze so geregelt werden, dass die Gemeinde weiterhin die Fäden in der Hand hält: beispielsweise was Abwassergebühren oder die Investitionsplanung angeht.

Die ohnehin schon komplizierte Planung wurde dann aber zusätzlich durch die aktuelle Corona-Krise vollends ausgebremst.

Projekt läuft wegen Coronavirus im Hintergrund

Bürgermeister Christian Vedder erklärt, dass das Projekt im Moment eher im Hintergrund laufe. „Wir sind bei einer Reihe vorbereitender Handlungen“, erklärt er. So würden verschiedene Details geprüft. Auch sei die Gemeinde Südlohn mit mehreren anderen Kommunen im Gespräch. Namen nennt er nicht. „Das wäre noch zu früh“, sagt er.

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Klar sei aber, dass sich mehrere Kommunen innerhalb und außerhalb des Kreises für das Thema interessieren würden. „Sie alle sammeln gerade Informationen“, erklärt er. Gescher sei auf jeden Fall nicht der einzige Partner, mit dem so ein Projekt abgewickelt werden könnte.

„Wir warten jetzt aber erst einmal ab“, so Christian Vedder. Allein die aktuelle Lage durch die Corona-Krise bedeute ja im Moment viel Arbeit. Wenn sich die Situation bessere, könne man auch wieder andere Projekte aufgreifen.

Bürgerinitiative will ganz genau hinsehen

Derweil betrachtet Franziska Biringer aus Gescher die Planungen mit großer Skepsis. Mit ihrer Bürgerinitiative „#ichzahldasnicht“ kämpft sie eigentlich gegen Straßenausbaubeiträge. Eher zufällig sei sie am Rand einer Veranstaltung auch auf das Thema mit der Abwasserbeseitigung gestoßen.

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In der Gemeinde Havixbeck im Kreis Coesfeld werde aktuell ein ähnliches Projekt vorgestellt und beraten. Auch dort gebe es skeptische Reaktionen. So sei unklar, was die Übertragung der Abwasserbeseitigung langfristig bedeute. „Kurzfristig ist eine Kommune durch die Übertragung der Abwasserrechte vielleicht schuldenfrei. Aber was bedeutet das für die nächsten Generationen“, fragt sie.

Fragen, die ihr auch schon von Menschen aus Südlohn und Oeding gestellt wurden. „Die wollten aber alle nicht öffentlich genannt werden“, sagt sie im Gespräch mit unserer Redaktion.

Viele Fragen seien noch nicht beantwortet

Für Gescher wie auch für die Gemeinde Südlohn seien in ihren Augen aber einfach noch viele Fragen unbeantwortet. Sie stelle sich gar nicht grundsätzlich gegen die Idee, die Abwasserbeseitigung neu zu regeln. „Wenn man so etwas vorhat, muss man es hundertprozentig öffentlich und transparent machen“, sagt sie. Und genau das Gefühl habe sie aktuell nicht.

Auch die Politik in Gescher hatte das Projekt zuletzt noch skeptisch gesehen. Dem Haupt- und Finanzausschuss hatte Bürgermeister Thomas Kerkhoff dort Einzelheiten vorgestellt. Doch für die Politiker blieben viele offene Fragen. Sie wollten das Thema erst noch einmal im Rat besprechen.

Der hatte das Thema Ende März auf der Tagesordnung. Dort wurde es aber wieder abgesetzt – wegen der Corona-Krise sollte die Tagesordnung möglichst kurz gehalten werden. Wann in Gescher erneut zu dem Thema beraten wird, steht im Moment nicht fest.

Mit dem Projekt soll kein Wahlkampf betrieben werden

Auch Südlohns Bürgermeister Christian Vedder tritt aktuell etwas auf die Bremse. „Das Projekt ist zu wichtig, um damit politischen Wahlkampf zu betreiben“, sagt er. Es solle aber auf jeden Fall auch nach der Wahl im September weiter betrieben werden.

In seinen Augen biete die Übertragung der Abwasserrechte echte Vorteile für die Gemeinde. „Es ist ganz einfach eine wirklich nachhaltige Lösung“, sagt er.

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