Nummernschilder in Fenstern: So wappnen sich Schulen für Ernstfälle

hzPolizei- und Feuerwehreinsätze

An einer Fensterscheibe an der St.-Vitus-Schule kleben bunte Schmetterlinge. Ganz oben links aber fällt bei genauem Hinsehen ein kleines Schild ins Auge. Dies ist ein wichtiges Schild.

von Anne Winter-Weckenbrock, Claudia Engel

Südlohn

, 07.08.2020, 18:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

Zuerst fallen die bunten Schmetterlinge ins Auge, die die Vitusschüler gebastelt und dann von innen an die Fensterscheiben geklebt haben. Weiter oben links im Fenster klebt auch was: ein rechteckiges Schild, weißer Hintergrund, ein hellblauer Kreis, daneben steht „A8“. Oder „A9“. Die Schilder sind Hinweise für Polizei.

Und zwar Hinweise für einen Ernstfall, der hoffentlich nicht eintreten wird. Ein Ernstfall, bei dem die Polizei wissen muss, welcher Raum sich wo befindet. Zusätzlich zu den Lageplänen gibt es eben auch diese Schilder, damit Einsatzkräfte auch von außen die Lage der einzelnen Klassenräume auf einen Blick erkennen können.

Südlohner Schulen wappnen sich für Ernstfälle

„Es gibt ein Notfall- und Rettungskonzept für jede Schule“, weiß Bürgermeister Christian Vedder. Diese Konzepte seien mit der Kreispolizeibehörde und der Feuerwehr vor Ort abgestimmt. Ein Baustein dieser Konzepte sind diese Notfallschilder. Seit vielen Jahren gibt es diese Schilder. Aus traurigem Anlass: Amokläufe in Schulen sind der Grund. Die Südlohner Schulen sind ausgestattet, der Erweiterungsbau der Vitusschule wird es auch werden.

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Tatsächlich gibt es wohl auf Anregung der Polizei einen Maßnahmenkatalog für Schulen, Kindergärten und öffentliche Gebäude. Auf Anhieb kann aber keine Behörde sagen, auf welche Verordnung und auf den die Schutzschilder zurückzuführen sind und wie lange die öffentlichen Gebäude schon mit diesen Sicherheitsmerkmalen ausgestattet sind oder noch ausgestattet werden.

Arbeitspapier Einsatzort Schule im Internet zugänglich

„Es gibt ein Arbeitspapier Einsatzort Schule der Polizei Gütersloh, in dem solche Maßnahmen aufgeführt sind“, hat Ulla Lütkehermölle, Sprecherin der Bezirksregierung Münster, auf Bitte der Redaktion herausgefunden. Das Papier ist seit 2011/12 im Internet zu finden, zwei Jahre nach dem Amoklauf eines Schülers im baden-württembergischen Winnenden.

Verordnung gibt es wohl nicht

Auf eine entsprechende Verordnung sei sie im zuständigen Dezernat Gefahrenabwehr der Bezirksregierung aber nicht gestoßen, so Ulla Lütkehermölle weiter. Münster ist die obere Schulaufsichtsbehörde für die Schulen im Kreis Borken. Mutmaßlich seien Polizei oder Feuerwehr wohl die Urheber dieser Sicherheitsmaßnahmen.

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Frank Rentmeister, Sprecher der Kreispolizeibehörde Borken, begrüßt diese von außen erkennbare Auszeichnung der Klassenräume – „auch wenn wir noch keine Echttat hatten im Kreis Borken“. Den genauen Zeitraum, seit wann es diese Angaben gibt, kann auch er nicht beziffern. „Mindestens zehn Jahre“, meint er mit Blick in die Akten, aber vielleicht auch schon deutlich länger.

Dem einen oder anderen Passanten sind die Schilder mit dem blauen Punkt in den Fenstern der Vitusschule vielleicht schon einmal aufgefallen. Sie sind für den Notfall ein lebensrettender Hinweis.

Dem einen oder anderen Passanten sind die Schilder mit dem blauen Punkt in den Fenstern der Vitusschule vielleicht schon einmal aufgefallen. Sie sind für den Notfall ein lebensrettender Hinweis. © Bernd Schlusemann

Sinnvoll seien diese Schilder auf jeden Fall als Baustein der Akten und Pläne, die die Polizei von den Schulen für den Ernstfall zur Verfügung haben. Diese gebe es sowohl auf Papier als auch digital. Bei Feuer, Terrorwarnungen oder angedrohten Amokläufen zählt für die Helfer und Retter schließlich jede Sekunde. Das haben die Beteiligten bei den scheußlichen Blutbädern in Erfurt und Winnenden erfahren müssen.

Feuerwehren sind auf aktuelle Lagepäne angewiesen

Für die Feuerwehr zählen bei ihren Einsätzen mehr die Pläne über die Grundrisse der Gebäude, wie Henrik Tenk, stellvertretender Leiter der Feuerwehr Südlohn, auf Anfrage der Redaktion erläutert. Aber natürlich sei es auch einfacher, wenn von außen ersichtlich sei, wo ein Raum sich befindet.

In der Regel aber haben die Feuerwehrleute ja andere Gefahrenlagen zu bewältigen als Polizisten. „Unternehmen müssen zum Beispiel kennzeichnen, wo in ihren Gebäuden gefährliche Stoffe gelagert werden“, erläutert Hendrik Tenk. Jeder Löschzug habe die Pläne von Schulen, Pflegeheimen oder Unternehmen ausgedruckt und laminiert für eine gute Lesbarkeit und Handhabung. Zusätzlich aber sind die Pläne auch auf dem Bildschirm im Einsatzleitfahrzeug zu sehen, „und wir können sie da auch noch mal ausdrucken“, erläutert der Feuerwehrmann.

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