Orgel von Bleifraß bedroht

St. Vitus-Kirche

SÜDLOHN Kraftvoll drückt Maria Lüdiger-Schmeing die Tasten. Und ebenso druckvoll ertönt die Orgel der St. Vitus Kirche. Doch in guter Verfassung ist das historische Instrument schon länger nicht mehr.

03.07.2009, 18:51 Uhr / Lesedauer: 2 min
Orgel von Bleifraß bedroht

<p>Organistin Maria Lüdiger-Schmeing zeigt auf die von Bleifraß bedrohten Orgelpfeifen. Viele sind nicht mehr zu retten und müssen ausgetauscht werden. MLZ-Fotos (3) Herbers</p>

"Es gibt unterschiedliche Möglichkeiten, das Instrument zum Klingen zu bringen", berichtet die Organistin freudestrahlend vom Spieltisch aus, von dem aus sie den gesamten Kirchenraum überblicken kann. Weniger freudig stimmt sie der Zustand des Instruments. Staub sorge dafür, dass das Instrument nicht mehr "klar sprechen" könne. Doch dies sei eher ein geringeres Übel. Die letzte große Renovierung liege knapp 30 Jahre zurück. Dringender Handlungsbedarf sei geboten, was den so genannten Bleifraß angehe.

Denn der sorge dafür, dass die Pfeifen langsam zerbröseln und ausgetauscht werden müssen. Auch die Windladen sollen stabilisiert und die Mechanik der Klaviaturen restauriert und rekonstruiert werden. Auch der Standort auf der Empore soll weiter von der Wand wegverlagert werden, beschreibt die 51-Jährige einige der dringend notwendigen Maßnahmen. Ebenfalls eingegriffen werden müsse in Sachen Luftfeuchtigkeit, die laut Meinung von Fachleuten Schimmelbefall an Gehäuse und Tragwerk verursacht hat.

Die überregionale Bedeutung der Orgel ist längst unbestritten: "Die Experten überschlagen sich beim Anblick unserer Orgel von 1838", freut sich die Organistin. Fachleute des Bistums Münster und der Denkmalpflege hätten sich mit ihr beschäftigt. "Für die Experten stand fest: Wenn etwas gemacht wird, dann die große Lösung", sagt Pfarrer Stefan Scho.

Nun gelte es, historische Details zu rekonstruieren - unter anderem soll die Keilbälge - einer von dreien ist noch erhalten - wieder eingebaut werden. "Aber kein Messdiener muss da mehr treten. Das funktioniert elektrisch", beschwichtigt Lüdiger-Schmeing. Sie ist groß geworden mit dem Instrument. Schon als Kind hat sie auf ihm gespielt, ist seit mehr als zehn Jahren Organistin der Kirche: "Ich sage immer, ich habe den schönsten Arbeitsplatz im Ort."

Für Zukunft erhalten

"Wir wollen das Instrument in einen Zustand versetzen lassen, dass es für die Zukunft erhalten bleibt und wir es an die nächste Generation weitergeben können", so ihr Wunsch. Ein Zeitpunkt, wann die Restaurierung beginnen soll, stünde nicht fest: "Erst müssen die Fachleute ihre Untersuchungen abschließen und einen Gesamtplan aufstellen", so Scho.

Wenn es soweit ist, muss die Organistin viele Monate auf die Orgel verzichten. Denn das Instrument wird von der Firma Klais komplett abgebaut und in Bonn über viele Monate restauriert. Aber das sei nicht so schlimm, versichert sie: "Ich bekomme ein Ersatzinstrument und dank der Vorfreude werde ich das Warten überstehen." kh

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