Overkämping setzt in der Krise auf die Karte Maskenproduktion

hzCorona: Maskenpflicht

Die Corona-Krise traf die Strickerei Overkämping mit voller Wucht. Nach schweren Wochen stellte das Familienunternehmen seine Produktion auf Behelfs-Mund-Nasen-Masken um. Ein Volltreffer.

Südlohn

, 26.04.2020, 04:00 Uhr / Lesedauer: 3 min

Die Krise deutete sich mit dem ersten Geisterspiel in der Fußball-Bundesliga an. Spätestens als vor rund vier Wochen der Anruf vom Ordnungsamt kam, dass das Ladenlokal zu schließen sei, waren dem Team der Strickerei Overkämping vielfach die Hände gebunden. Das Verbot von Großveranstaltungen war dann der dritte Nackenschlag binnen kürzester Zeit.

Aus der Not, dem Quasi-Stillstand, machte das Team eine Tugend: Das 1948 gegründete Unternehmen nutzte die Zwangspause, um die Produktion umzustellen. Und fand mit der Fertigung von wiederverwendbaren Behelfs-Mund-Nasen-Masken die richtige Nische. Aktuell kommt das Familienunternehmen der großen Nachfrage kaum mehr hinterher.

Drei Produktionsstandbeine brechen weg

Die Corona-Krise hat die Strick-Manufaktur, die André Overkämping in dritter Generation gemeinsam mit Vater Günter führt, voll getroffen. „Mit dem Stopp in der Bundesliga war unser starkes Standbein Fanschals, für die wir ja extra eine Maschine gebaut hatten und die sehr gut liefen, von jetzt auf gleich weggebrochen, Bestellungen wurden umgehend storniert. Dann kam das Kontaktverbot mit der Schließung des Ladenlokals dazu. Vom Vor-Ort-Verkauf sind wir abhängig, da wir überwiegend auf Maß anfertigen. Maßkonfektion und Kontaktverbot schließen sich aber aus, zudem zählen viele Kunden zur Risikogruppe“, erklärt der Textilingenieur.

Durch das Verbot von Großevents wie dem Oktoberfest brach mit der Fertigung von Trachtenkleidung wie Stulpen ein weiteres Segment weg. Und damit viele Standardaufträge. Kurzarbeit war zwangsläufig die Folge, nachdem einige Restaufträge abgearbeitet wurden. Übrig blieben lieferbare Fertigprodukte. Eine schwere Zeit.

Nach Fast-Stillstand herrscht in der Strickerei nun Hochbetrieb. Die Mitarbeiter, darunter viele Familienmitglieder wie Brigitte Overkämping, Mutter von André und René Overkämping (im Hintergrund), arbeiten mit Hochdruck an den Aufträgen.

Nach Fast-Stillstand herrscht in der Strickerei nun Hochbetrieb. Die Mitarbeiter, darunter viele Familienmitglieder wie Brigitte Overkämping, Mutter von André und René Overkämping (im Hintergrund, v.l.), arbeiten mit Hochdruck an den Aufträgen. © Michael Schley

Erste Anfragen nach Masken folgten seinerzeit schon. Doch die Antwort war immer die gleiche, so Bruder René Overkämping: „Ihr seid zu teuer.“ Denn im Gegensatz zu den Großproduzenten mit maschineller Massenproduktion – vor allem aus Asien – ist das Anfertigen in Südlohn an der Ramsdorfer Straße echte Handarbeit. Das Team blieb aber am Ball – und nutzte nun die Chance, als die Masken vielfach vergriffen waren.

Ein erster Facebook-Post am Dienstag multiplizierte sich rasch, weitere Werbemaßnahmen wurden optimal platziert – dazu kam die Verkündung der Maskenpflicht für NRW am Mittwoch. „Das hat sehr gut funktioniert. Nachdem Bayern in dieser Hinsicht vorgeprescht war, haben wir die Ohren natürlich gespitzt“, berichtet André Overkämping. Viele – auch lokale Unternehmen – deckten sich nun mit Vorräten ein. Und auch im Laden sei der Zulauf von privater Seite groß.

Flexibilität wird vom Kunden geschätzt

„Aufgrund der aktuellen Corona-Situation möchten wir so auch einen Beitrag zur Gesundheitsprävention leisten“, erklärt André Overkämping. Die Masken böten dabei keinen Schutz für den Träger, sie könnten aber für Dritte einen Tröpfchenschutz darstellen. Gegenüber den Großproduzenten mit entsprechender Massenanfertigung hat der Südlohner Betrieb einen großen Vorteil, er kann flexibel auf Kundenwünsche reagieren.

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„Am Donnerstag kam ein älterer Herr mit Hörgeräten. Der ging sehr glücklich, weil wir ihm die Maske anpassen konnten“, so René Overkämping. Beim Stichwort Flexibilität fällt ihm ein aktuell weiterer Vorteil ein. „Die Gummibänder fertigen wir selbst“, lacht er. Gerade bei Bändern stelle sich der Nachschub derzeit als schwierig dar oder die Preise seien „horrend“.

Die Masken aus Baumwolle gibt es in verschiedenen Farben – zum Binden oder mit elatischem Band aus Elasthan.

Die Masken aus Baumwolle gibt es in verschiedenen Farben – zum Binden oder mit elastischem Band aus Elasthan. © privat

Nach Kurzarbeit sind nun alle verfügbaren Kräfte, darunter viele Familienmitglieder, aktiviert, um die Kundenwünsche zu erfüllen. „Mittlerweile liegen wir schon in der dritten Woche einer Warteschleife bei Lieferterminen, wir arbeiten auch nur noch chronologisch ab. Sonst wäre das kaum zu bewältigen“, berichtet André Overkämping.

Die Nachfrage nach den bei 95 respektive 60 Grad (mit Gummiband) waschbaren Modellen aus 100 Prozent Baumwolle mit Namen wie „Die Universelle“ oder „Die Flexible“ sei ungebrochen – „wir könnten 24 Stunden am Tag durch produzieren“, so der Geschäftsführer. Trotz des Stresses aktuell sei die Stimmung spürbar aufgehellt. „Wir tun, was wir können – alles im Rahmen des Machbaren“, so René Overkämping.

Masken bleiben vorerst Schwerpunkt

Die aktuelle Phase werde man mit aller Energie nutzen. „Wir wissen schon, dass der Markt irgendwann dann auch gesättigt sein wird. Schließlich sind die Masken wiederverwendbar und die großen Produzenten schlafen ja auch nicht“, behält André Overkämping den Weitblick. Und dass man trotz der seit Montag wieder erlaubten Ladenöffnung zunächst weiter verstärkt auf dieses Pferd setzen muss, das erklärt sich. „Wie es in Sachen Kontaktverbot weitergeht, wissen wir noch nicht.“ Und ob der Markt für Fanschals durch Geisterspiele in der Bundesliga wieder anspringen wird, bleibe abzuwarten, kleinere Vereine hielten sich verständlicherweise zurück, viele Anlässe für Fanschals fielen zudem aus.

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André und René Overkämping sind sich bewusst, dass man auch in näherer Zukunft stets auf der Suche nach erfolgreichen Nischen sein werden muss. Wie bei den Fanschals, wie bei den Masken. Eine unternehmerische Herausforderung…

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