Der „Radelnde Weihnachtsmann“ hält am heißesten Tag des Jahres vor dem Oedinger Rathaus

hz„Weihnachtsmann“ Helmut Robers

Donnerstag, 14 Uhr, Rathaus in Oeding, geschätzte 38 Grad. Da wollen wir dem „Radelnden Weihnachtsmann“ mal verzeihen, dass er den roten Mantel abgelegt hat. „Im Dienst“ ist er trotzdem.

Südlohn

, 25.07.2019 / Lesedauer: 4 min

Viele Oedinger kennen den „Radelnden Weihnachtsmann“ als Helmut Robers. Bis 2011 hat der gebürtige Oedinger in seinem Heimatdorf gelebt. Dann verlagerte sich sein Lebensmittelpunkt nach Münster. Dort ergab sich aus einer Laune heraus die Idee, seine Rikscha mit einem Tannenbaum auszustatten. Dann kam eins zum anderen.

Aber von vorn. Helmut Robers sitzt in weißer Hose und weißem T-Shirt im Schatten auf der Bank vor dem Rathaus, sein auffälliges Gefährt hat er am Standstreifen der Winterswyker Straße geparkt. Mit den Jahren ist weit mehr als der abgenadelte, aber kreativ geschmückte Tannenbaum zur Rikscha-Ausstattung dazugekommen. Aber es ist noch der originale Baum, wie Robers gut gelaunt im Gespräch mit der Redaktion erzählt. Seine Mission als Weihnachtsmann hat ihn in sein Heimatdorf geführt: Als Weihnachtsmann – oder auch Nikolaus oder Christkind, da nimmt er es nicht so genau, auch nicht in seiner Verkleidung – nimmt er am heißesten Tag des Jahres Weihnachtswünsche entgegen.

Der „Radelnde Weihnachtsmann“ hält am heißesten Tag des Jahres vor dem Oedinger Rathaus

Helmut Robers in seinem Kostüm: Der Mantel ist eher Weihnachtsmann, seine Mütze erinnert an den Bischof Nikolaus von Myra. © Markus Gehring

„Tja“, sagt er auf die Frage, wie viele Leute denn schon da waren, „ist wohl zu warm“. Auch während der Stunde mit der Münsterland Zeitung sind es nur drei Passanten, die keine Zeit haben oder keine Wünsche äußern möchten. Der eine oder andere Autofahrer hupt und hebt grüßend die Hand.

Aber der „Weihnachtsmann“ hatte ja vormittags schon „Kunden“: „Ein Kind hat sich ein Pony gewünscht und ein junger Mann einen Porsche“, sagt er lachend. Obwohl er ja die Wünsche von Kindern ziemlich ernst nimmt, auch wenn er nichts ausrichten kann. Es sind die guten Momente, die er Leuten beschert als Weihnachtsmann. Momente, die ihm Freude machen.

Aber wie kam er nach Münster? Helmut Robers erzählt ganz freimütig: „Mein erster Wohnsitz in Münster war an der Gartenstraße.“ Der „Dorfsheriff“ sei eines Tages zu ihm gekommen, mit Handschellen.

Das war am 11. Septemer 2011. Er musste eine Ersatzhaftstrafe antreten: „Das war Betrug, ich hatte mich selbst angezeigt“. „Ich wusste nicht, dass es den Haftbefehl gab, erinnert er sich. Im Gefängnis an der Gartenstraße sollte er dann 80 Tage bleiben, bis es die Weihnachts-Begnadigung kam: „Nach 55 Tagen war ich raus.“ Da blieb er in Münster.

Der „Radelnde Weihnachtsmann“ in Münster unterwegs

Die Rikscha hatte sein Bruder 2004 bei Ebay ersteigert. Das Gefährt holte er 2011 dann aus Oeding ab. „80 Kilo wiegt die Rikscha, 70 ich – den Daruper Berg hoch, das war schon heftig“, erzählt er schmunzelnd von seinem Weg nach Münster. Und weil es kurz vor Weihnachten war, organisierte er sich in Münster kurzerhand einen Tannenbaum vom Straßenrand. Aus dem Ghettoblaster dudelte Weihnachtsmusik, wenn er zwischen Lambertikirche und historischem Rathaus den Prinzipalmarkt hoch und runter radelte. Im Kostüm, das er sich in der Karnevalshochburg Stadtlohn organisiert hatte.

Der „Radelnde Weihnachtsmann“ hält am heißesten Tag des Jahres vor dem Oedinger Rathaus

© Anne Winter-Weckenbrock

Er zog die Blicke auf sich. „Und heute hat ja jeder ein Smartphone. Alle haben mich fotografiert, ich kam mir vor wie ein Popstar.“ Das gefiel dem heute 60-Jährigen.

So gehört er mittlerweile zur Weihnachtszeit schon zum Stadtbild von Münster. Und Fotos mit ihm sind um die ganze Welt geschickt worden, weiß er.

Er spricht mit den Leuten, erzählt von sich, und hört den Kindern zu. Hat aber auch schon erlebt, dass Kinder dem Weihnachtsmann die Zunge rausstrecken. „Dann nehme ich mir die Eltern aber zur Seite“, sagt er.

Wenn angetrunkene Gruppen unterwegs sind in der Weihnachtsmarktzeit, dann gibt es auch schon einmal Rudelbildung vor seiner Rikscha. „Und einer hat mal den großen Teddy geklaut. Den hat die Polizei aber von dem betrunkenen Belgier wiedergeholt“, erzählt Helmut Robers lachend.

Überhaupt: Seine Rikscha ist nicht mit Geschenken reich behangen, „da wird eher was gemopst“, erzählt der „Weihnachtsmann.“ Da hängen Kuscheltiere neben der trockenen Tanne mit Christbaumkugeln und Ostereiern, und ein Globus. Aber geflickt und falsch zusammengeklebt. „Das ist die kaputte Welt. Ist ja auch so“, sieht es Helmut Robers philosophisch.

Er ist aber nicht nur in Münster unterwegs. 2013 war er in London, auch am Wembley-Stadion, zum Champions-League-Finale Bayern München gegen Borussia Dortmund: „Drei Wochen bin ich dahin getrampelt. Zur EM nach Paris vor drei Jahren zog es ihn ebenfalls, unterwegs auch nach Brüssel. In Paris radelte er – seine Rikscha mit den Flaggen der Fußballnationen geschmückt – durch die Champs Elysées und zog tausendfache Blicke auf sich.

Seinen Spendenhut, den er immer am Bischofsstab rumreicht, füllten die Touristen von den Sightseingbussen aus reichlich, erinnert er sich lachend. Und weil er abends bei den Obdachlosen sein Zelt aufschlug, war sein Geld am nächsten Tag weg. „Obwohl“, sagt er, „das Geld war nicht weg. Es ist nur woanders.“

Der „Radelnde Weihnachtsmann“ hält am heißesten Tag des Jahres vor dem Oedinger Rathaus

Helmut Robers "in Zivil" an seiner reich geschmückten Rikscha. 300 Kilo transportiert er insgesamt. © Anne Winter-Weckenbrock

Nun ist er wieder oft in der Heimat, verbringt oft sein Wochenende auf seinem Kotten in Südlohn. Als Lkw-Fahrer ist er beruflich tätig, sagt er. Helmut Robers nimmt sich aber auch viel Zeit für seine Rikschatouren. So wie diese jetzt nach Südlohn und Oeding. Dass er viel draußen ist, sieht man dem tief gebräunten „Weihnachtsmann“ an.

Dann radelt er weiter durch Oeding. Aber ohne das Weihnachtsmannkostüm. Wenn er schnell ist, bewegt er die insgesamt 300 Kilo – mitsamt Zeltausrüstung – mit Tempo 10, „heute eher mit 4 oder 5“, meint er. Auf die Zeit kommt es nicht an.

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