Trinkwasser bleibt knapp, doch die Appelle zum Wassersparen verhallen

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Der Wasserverbrauch steigt fast unkontrollierbar. Mehr Wasser können die SVS-Versorgungsbetriebe nicht fördern. Die Politik denkt laut darüber nach, die Gartenzähler abzuschaffen.

Südlohn

, 04.07.2020, 12:00 Uhr / Lesedauer: 3 min

Das Trinkwasser ist knapp – auch in Südlohn. Schon in den beiden vergangenen Sommern appellierten die SVS-Versorgungsbetriebe mehrfach an die Verbraucher, ihren Wasserverbrauch zu drosseln. Auch in diesem Sommer kann es knapp werden. SVS-Geschäftsführer Thomas Spieß hat jetzt im Südlohner Rat noch einmal erklärt, woran es hapert.

Problem Nummer 1: Es bildet sich nicht genug neues Grundwasser

Trockenheit ist wieder ein Problem – im dritten Jahr in Folge. Es bildet sich zu wenig neues Grundwasser. „Der Februar war zwar sehr nass, dafür hat es seit März praktisch gar nicht mehr geregnet“, erklärte Thomas Spieß. Auch die teils kräftigen Regenfälle der vergangenen Tage wiegen das nicht auf. Gleichzeitig würde immer mehr Fläche versiegelt. „Seit 2003 waren es rund 14 Hektar. Dadurch sind uns noch einmal rund 40.000 Kubikmeter Wasser verloren gegangen“, erklärte Thomas Spieß. Das Wasser gelange nicht mehr in die tiefen Bodenschichten, sondern lande im Abwassersystem.

Problem Nummer 2: Es kann nicht mehr Wasser gefördert werden

Die SVS haben für das gesamte Gebiet Südlohn-Stadtlohn-Vreden Förderrechte für jährlich 1,5 Millionen Kubikmeter Wasser. Sie geben aber rund drei Millionen Kubikmeter Wasser an die Verbraucher ab. Die fehlende Menge wird aus Borken herübergepumpt. Sowohl Förderrechte als auch Leitungskapazitäten sind ausgeschöpft. Mehr zu fördern ist nicht erlaubt. Davon abgesehen wäre es auf lange Sicht aber auch extrem schädlich: Wenn sich der Grundwasserspiegel nicht erholen kann, fördern die Pumpen zukünftig immer weniger Wasser. Schon 2019 konnten die zugesicherten Fördermengen nicht ausgeschöpft werden, weil das Grundwasser zu niedrig stand.

Problem Nummer 3: Der Verbrauch steigt zu schnell

Zu Pfingsten 2020 waren es beispielsweise 13.147 Kubikmeter pro Tag. „Und das, obwohl wir den Druck schon reduziert hatten“, so Thomas Spieß. Ein normaler Tagesverbrauch liege bei unter 8000 Kubikmetern. Der Pro-Kopf-Verbrauch im Gebiet der SVS ist von 2016 bis 2019 um fünf Kubikmeter gestiegen. Klingt erst einmal nicht nach viel. „Das sind aber mal eben 255 Millionen Liter Wasser mehr“, so Thomas Spieß.

SVS-Geschäftsführer Thomas Spieß bei der Inbetriebnahme des neuen Entlastungsbrunnens. Trotzdem haben die SVS ein Problem: Der Wasserverbrauch steigt, doch die Fördermengen sind ausgeschöpft.

SVS-Geschäftsführer Thomas Spieß bei der Inbetriebnahme des neuen Entlastungsbrunnens. Trotzdem haben die SVS ein Problem: Der Wasserverbrauch steigt, doch die Fördermengen sind ausgeschöpft. © Victoria Garwer

Rasensprenger und Pools sieht er sehr kritisch: „Ein durchschnittlicher Rasensprenger verbraucht ungefähr 1000 Liter in der Stunde. Schon das ist vielen ja gar nicht klar“, erklärte er. An einem Abend könnten da schnell einmal fünf Kubikmeter zusammenkommen – wohlgemerkt pro Rasensprenger. Hochgerechnet auf das ganze Versorgungsgebiet seien das schon 5000 Kubikmeter – also fast zwei Mal das komplette Stadtlohner Vorratsbecken. „Wir müssen die Menschen zu einem sorgsameren Umgang mit dem Lebensmittel Wasser bewegen“, erklärte Thomas Spieß.

Fünf Stunden Dauersprengen dürfe es nicht geben. Auch müssten die Rasensprenger besser eingestellt werden. „Es kann doch nicht sein, dass nach dem Sprengen die halbe Straße mit gewässert wurde“, sagte er. Die immer beliebter werdenden Gartenpools tun ihr übriges dazu. „Das Problem wird dieses Jahr noch größer werden, wenn wegen der Corona-Beschränkungen viele Leute nicht in den Urlaub fahren oder die öffentlichen Freibäder nicht besuchen wollen“, so Thomas Spieß.

Problem Nummer 4: Die SVS können kaum gegensteuern

Aktuell wird in Hundewick ein zusätzlicher Trinkwasserspeicher gebaut. Er wird einmal 3000 Kubikmeter fassen. Soviel wie die beiden bestehenden Behälter in Hundewick und Vreden. Zusätzlich wird ein Entlastungsbrunnen gebaut. Auch sind neue Leitungen geplant. Eine soll von Borken nach Südlohn führen, eine weitere das Netz der SVS-Versorgungsbetriebe mit dem der Stadtwerke Ahaus verknüpfen. Das alles bringt aber nur etwas, wenn gleichzeitig der Verbrauch gebremst wird. Aufklärungskampagnen und Aufrufe hätten aber bisher nur einen sehr begrenzten Effekt gehabt.

Maria Bone-Hedwig (CDU) hakte nach: Ob denn klar sei, wie viel Wasser durch die Befüllung von Pools verbraucht werde? Und: Ob es nicht verboten werden könne, Pools zu befüllen. „Verbieten können wir es als Versorger nicht. Und messbar ist der Wasserverbrauch für Pools nicht separat. Wir wissen ja nicht, was mit dem Wasser passiert, das die Leute verbrauchen“, erklärte Thomas Spieß.

Allerdings würden die SVS schon länger keine Standrohre verleihen, mit denen ein Pool besonders schnell wieder befüllt werden kann.

Problem Nummer 5: Gegenmaßnahmen kosten Verbraucher Geld

Eine Variante, den Wasserverbrauch einzudämmen, wurde im Südlohner Rat angesprochen. „Man könnte die Gartenzähler abschaffen“, schlug Bürgermeister Christian Vedder vor. Das sei eine Möglichkeit für den Rat. Würde bedeuten: Für Wasser, das im Garten genutzt wird, müssten die Verbraucher in Zukunft auch Abwassergebühren bezahlen. Bisher werden dafür nur die Kosten für das Frischwasser fällig, da das Wasser ja theoretisch im Erdreich versickert und die Abwassersysteme nicht belasten sollte.

Der Rat will sich Gedanken dazu machen. „Gleichzeitig bringen viele kleine Maßnahmen etwas“, sagte Christian Vedder, der auch im Aufsichtsrat der SVS sitzt: Beispielsweise die Anschaffung von Regentonnen. Das seien zwar pro Garten vielleicht nur ein paar hundert Liter, hochgerechnet auf das ganze SVS-Gebiet, komme aber eine Menge zusammen.

Thomas Spieß nahm das so hin. „Wir werden aber zu kreisweiten Lösungen kommen müssen“, sagte er.

Wie es bei umliegenden Versorgern aussieht, oder wie beispielsweise landwirtschaftliche Flächen bewässert werden, kann Thomas Spieß nicht beurteilen. „Ich kann nur für unser Versorgungsgebiet sprechen“, erklärt er.

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