Viel Aufwand: Grundschüler kommen ab Montag wieder täglich zur Schule

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Die Grundschüler sollen ab 15. Juni wieder täglich zur Schule gehen. Das sorgt bei den Eltern für Freude, bei den Lehrern aber für viel Aufwand. Der Schulalltag steht – schon wieder – Kopf.

Südlohn

, 09.06.2020, 19:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

Die Grundschulen sollen nun doch noch vor den Sommerferien zu einem mehr oder weniger normalen Betrieb zurückkehren. Ab Montag, 15. Juni, findet der Unterricht für alle Klassen wieder gleichzeitig statt – allerdings mit einem leicht gekürzten Stundenplan.

Die Ankündigung von NRW-Bildungsministerin Yvonne Gebauer hat am vergangenen Freitagmittag auch an der Südlohner St.-Vitusgrundschule für einigen Wirbel gesorgt: „Wir haben die Information am Vormittag in der 23. Schulmail bekommen“, sagt Schulleiterin Friederike Voß. Die erste Reaktion sei erst einmal große Verwunderung gewesen. „Dass wir nun doch so schnell und ohne weiteren Übergang direkt zur kompletten Öffnung übergehen, wundert uns schon“, sagt sie.

Alltag an der Grundschule steht schon wieder Kopf

Davon abgesehen, stehe der Alltag an der Schule nun wieder einmal Kopf: „Das ist ja ein immenser Organisationsaufwand“, erklärt die Schulleiterin. Komplett neue Stundenpläne mussten binnen kürzester Zeit geschrieben werden. Zwar sollen alle Klassen gleichzeitig unterrichtet werden, der Kontakt untereinander soll aber dennoch auf ein Minimum beschränkt werden.

Der Platz auf dem Schulhof der St.-Vitusgrundschule ist – auch wegen der Bauarbeiten – stark eingeschränkt. Deswegen müssen die Pausen der einzelnen Klassen aufeinander abgestimmt werden.

Der Platz auf dem Schulhof der St.-Vitusgrundschule ist – auch wegen der Bauarbeiten – stark eingeschränkt. Deswegen müssen die Pausen der einzelnen Klassen aufeinander abgestimmt werden. © Stephan Teine

„Wir haben nun mal keine acht Pausenhöfe“, sagt Friederike Voß. Schon deswegen mussten die Pausen aufeinander abgestimmt werden. Gleichzeitig sollen die Klassen jeweils nur durch ihre Klassenlehrer unterrichtet werden, um auch da den Kontakt zu begrenzen. Es ging also darum, mit den vorhandenen Stunden so lange zu jonglieren, bis es es passt. Das sei gelungen, sagt die Schulleiterin am Dienstagmorgen. Noch am selben Tag sollten die Eltern über die neuen Abläufe informiert werden.

Kinder haben viel Gesprächsbedarf

Sie versuche, die Klassen durch zwei Lehrkräfte zu besetzen. „Ich gehe davon aus, dass es bei den Kindern viel Gesprächsbedarf gibt“, sagt sie. Erst hätten sie lernen müssen, mit dem Unterricht zu Hause oder in Kleingruppen umzugehen. „Jetzt sind sie mit einem Schlag zurück in der Schule“, so Friederike Voß.

Sie sieht es durchaus kritisch, dass der Schulalltag nun so plötzlich und noch vor den Sommerferien zur Normalität zurückkehren soll. „Das ist natürlich einerseits ein wichtiges Signal für Eltern und Schüler“, sagt sie. Andererseits stünden die zehn Schultage bis zu den Ferien aber in einem sehr fragwürdigen Verhältnis zum Organisationsaufwand. „Ich finde es schon befremdlich, dass die Umsetzung nicht nur in den Ländern sondern auch an den verschiedenen Schulformen so unterschiedlich gehandhabt wird“, sagt sie.

Eltern sind froh über ein Stück Normalität

So schwierig die Organisation für das Kollegium an der Schule auch ist, viele Eltern sind froh darüber, dass der Unterricht ein Stück weit zur Normalität zurückkehrt. Eckhard Wienken ist Vorsitzender der Elternpflegschaft der Schule. Er selbst hat zwei Töchter an der Schule, in der ersten und vierten Klasse. „Ich glaube, dass ich vielen Eltern aus der Seele spreche, dass wir froh sind, dass der Unterricht wieder losgeht“, sagt er. Und sei es nur für die beiden Wochen bis zu den Sommerferien.

Natürlich bedeute es für die Lehrer Stress, so spontan alles umzuplanen. „Aber für uns Eltern ist es eine echte Erleichterung“, sagt er. Allein, die Kinder zu Hause zu unterrichten, sei eine riesige Herausforderung. „Man ist ja selbst kein Pädagoge und versucht es eben so gut es geht, die Inhalte zu vermitteln“, sagt er. Gleichzeitig bräuchten die Kinder ganz einfach den Kontakt zu ihren Freunden.

Und schließlich ist da ja auch noch der Zeitfaktor: „Ich habe das Glück, dass ich mir die Kinderbetreuung mit meiner Frau gut aufteilen kann“, erklärt Eckhard Wienken. „Ich weiß aber von Eltern, bei denen es schwierig wird“, ergänzt er. Und da seien eben auch zwei Wochen vor den Sommerferien eine gute Gelegenheit, um kurz Luft zu holen.

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