Vorarbeiten laufen: Stromleitung droht Südlohn und Oeding zu trennen

hzGleichstromleitung A-Nord

Der Korridor steht noch nicht fest, doch Amprion beginnt mit den Vorarbeiten: Zwischen Südlohn und Oeding soll eine Gleichstromleitung gebaut werden und beide Ortsteile so voneinander trennen.

Südlohn

, 15.05.2020, 19:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

Die Firma Amprion plant weiter fest damit, zwischen den Ortskernen von Südlohn und Oeding die Gleichstromverbindung A-Nord zu verlegen. Von Juli bis Oktober sollen dort erste Vorarbeiten zur Bodenuntersuchung beginnen. Das geht aus dem aktuellen Amtsblatt der Gemeinde Südlohn hervor, das Anfang Mai veröffentlicht wurde.

Darin werden auch die einzelnen Flurstücke detailliert aufgeführt, auf denen verschiedene Bohrungen oder Gewässervermessungen durchgeführt werden.

Vehementer Protest gegen Trasse zwischen den Ortsteilen

Eine Stromtrasse mitten zwischen den Orten? Dagegen hatte die Gemeinde doch zuletzt scharfen Protest eingelegt. Aus Südlohner Sicht solle die Stromtrasse besser östlich der Gemeinde zwischen Südlohn und Gescher verlaufen. Durch das Kabel soll einmal Energie von den Windparks in der Nordsee nach Nordrhein-Westfalen und Baden-Würtemberg transportiert werden. Der nördliche Teil reicht von Emden in Niedersachsen bis ins Rheinland und durchquert auch das Südlohner Gemeindegebiet.

Jetzt lesen

Nun also erste Vorarbeiten. Heißt das, dass die anderen Korridore gar nicht mehr infrage kommen? Nachfrage bei Amprion. Projektsprecher Jonas Knoop will beruhigen: „Entscheidend ist, wie das weitere Verfahren läuft“, erklärt er. Noch sei nichts beschlossen. Gerade erst hat Amprion die gesamten Planungsunterlagen für die 300 Kilometer lange Verbindung bei der Bundesfachplanung eingereicht. Dort wird über den Korridor entschieden. „So lange das nicht geschehen ist, steht auch nichts fest“, erklärt Jonas Knoop.

Voruntersuchungen sollen Zeit sparen

Allerdings sei das Unternehmen Amprion von der Planung überzeugt. „Aus unserer Sicht ist dieser Korridor zwischen Südlohn und Oeding der Wahrscheinlichste“, sagt Jonas Knoop. Um Zeit zu sparen, würde Amprion daher schon mit der Erkundung des Untergrunds dort beginnen. „Ganz einfach, damit wir direkt nach dem Planfestsstellungsverfahren beginnen können. Sonst würden wir noch einmal ein halbes bis ein dreiviertel Jahr verlieren“, erklärt er.

Jetzt lesen

Das könne natürlich auch noch einmal bedeuten, dass die Untersuchungen doppelt ausgeführt werden müssen, wenn der Korridor noch einmal verlegt wird. „Dieses Risiko gehen wir ein“, sagt er. Und zwar auf der gesamten Länge von 300 Kilometern. Nicht nur in Südlohn und Oeding.

Ein Kilometer Korridor für 35 Meter Trasse

Der Korridor, der jetzt geprüft wird, habe auch noch nichts mit dem endgültigen Verlauf der Leitung zu tun. „Der Korridor, den wir prüfen, ist einen Kilometer breit“, erklärt er. Die eigentliche Trasse des Kabels hat inklusive des Schutzstreifens später eine Breite von rund 35 Metern. Möglich sei deshalb, dass die Trasse sich noch um 100 oder 200 Meter in dem Korridor verschiebe. Er betont noch einmal, dass es sich bei dem jetzt gewählten Korridor um die sinnvollste Alternative aus Amprion-Sicht handele.

Und wie werden die im Südlohner Rathaus gesehen? „Ein Zerschneiden der Ortsteile ist natürlich ein Nachteil“, sagt Bürgermeister Christian Vedder auf Nachfrage. Auch wenn man natürlich davon ausgehen müsse, dass Südlohn und Oeding nie komplett zusammenwachsen würden.

Pläne müssen konkreter werden, um dagegen vorzugehen

„Wir haben uns dazu im bisherigen Verfahren ja eindeutig positioniert“, erklärt er. Verwaltung, Politik und Grundstückseigentümer hatten vehement ihren Widerspruch zu den Planungen erklärt. Im Moment sieht er allerdings noch keine weiteren Möglichkeiten, tätig zu werden. „Klar, wir könnten Petitionen und Eingaben schreiben. Aber das muss ja auch immer etwas bewirken“, erklärt er. Sobald der Korridor gewählt sei, könne die Gemeinde etwas dagegen tun.

„Wir warten im Moment darauf, dass die Planungen konkreter werden“, sagt er. Noch könne er nicht sagen, was möglich sei, aber der Korridorverlauf könne ein Angriffspunkt sein. „Wir wollen, dass die Trasse an unserem Ortsgebiet vorbeigeführt wird“, erklärt er. „Wir wollen ja der Energiewende auch nicht entgegentreten, sondern lediglich unseren Ort schützen“, so Christian Vedder.

Lesen Sie jetzt