Was Oeding liest - Worte, die früher ganz unverdächtig waren, sind heute verpönt

hzLeseabend

Zehnte Auflage von „Was liest du?“ rund um Kinderbücher kommt gut an. Arbeitskreis für Toleranz freut sich über große Resonanz im Bürgerhaus.

Südlohn

, 19.11.2018, 05:07 Uhr / Lesedauer: 2 min

Ob das Bürgerhaus schon einmal so viel kollektives Gelächter erlebt hat? Der Arbeitskreis für Toleranz hat dort am Freitagabend zur zehnten Ausgabe von „Was liest du?“ eingeladen.

Kinderbücher standen dort auf dem Programm. Barbara Seidensticker-Beining vom Arbeitskreis, die den Abend moderierte, wollte zeigen, wie sich Inhalt und Stil von Kinderbüchern im Laufe der Jahrzehnte verändert haben. „Worte, die früher ganz unverdächtig waren, sind heute verpönt“, sagte sie, „Etwa der Ausdruck ‚Neger‘.“ Dabei zitierte sie Pippi Langstrumpf, in einer Ausgabe von 1956: Darin ist noch von der „Negerprinzessin“ die Rede.

Was Oeding liest - Worte, die früher ganz unverdächtig waren, sind heute verpönt

© Georg Beining

Ernstes Thema

Eigentlich passte das unbändige Gelächter nicht so recht zu dem Titel des Buches, aus dem Manfred Schmeing gerade vorlas: „Die besten Beerdigungen der Welt“ vom schwedischen Autorenduo Ulf Nilsson und Eva Eriksson. In diesem Kinderbuch wollen drei Freunde zunächst eine tote Hummel beerdigen und in Folge eine ganze Reihe weiterer Tiere, die sie auf ihren Streifzügen finden. „Die besten Beerdigungen der Welt“ – ein großartiges, hochkomisches und weises Buch, das sogar den Vorleser selbst aus der Fassung brachte.

Was Oeding liest - Worte, die früher ganz unverdächtig waren, sind heute verpönt

Die Aktion „Was liest du?“ im Bürgerhauswar gut besucht. © Georg Beining

Jung und Alt im Wechsel lasen ihre Favoriten vor. Den Anfang machte Marion Wienand, die einer 1963-er Ausgabe von „Nesthäkchens erstes Schuljahr“ von Else Ury mitgebracht hatte. Das darin beschriebene Frauenbild der wilhelminischen Zeit und der Weimarer Republik mutet heute fremd an.

Im Anschluss las Cara Jülicher aus „Gespenstermädchen sind grün“ von Ralf Leuther – eines ihrer Lieblingsbücher. In ihrer Passage ging es darum, wie man es schafft, ein schlafendes Gespenst aufzuwecken.

Was Oeding liest - Worte, die früher ganz unverdächtig waren, sind heute verpönt

© Georg Beining

Echte Klassiker

Susanne Rickers macht mit einem Klassiker weiter: „Jim Knopf und Lukas der Lokomotivführer“ von Michael Ende. „Das lese ich heute noch mit der gleichen Begeisterung wie früher“, gab sie zu. Matthias Eiling hatte ein sehr interessantes und spezielles Buch mitgebracht: „Till Eulenspiegel“, dessen Geschichten der Braunschweiger Zollschreiber Hermann Bote in der Zeit um 1467 bis 1520 aufgeschrieben hatte. Eulenspiegels närrische Ein- und Unfälle sind bis heute aktuell und lesenswert geblieben.

Was Oeding liest - Worte, die früher ganz unverdächtig waren, sind heute verpönt

© Georg Beining

Zwei „Zugaben“ rundeten den Abend ab: Cara Jülicher las eine Passage aus „Der kleine Prinz“ und Manfred Schmeing trug dann noch zur erneuten Erheiterung „Die Flaschenpost“ von Lore Leher und Astrid Krömer vor.

Viel Applaus für die Akteure und die Gastgeber gab es am Ende.

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