Zum dritten Mal: Gedenkstele für jüdische Mitbürger mit Gewalt umgebogen

hzGedenkstele Südlohn

Zum dritten Mal ist die Gedenkstele auf dem Platz der Synagoge mutwillig beschädigt worden. Wohl in der Nacht zu Sonntag. Franz-Josef Rickers ist sauer und fassungslos. Er erstattete Anzeige.

Südlohn

, 05.10.2020, 15:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

„Leider ist es mal wieder geschehen“, schreibt Franz-Josef Rickers am Samstag unter Fotos, die er auf Facebook postet: Die Gedenkstele auf dem Platz der Synagoge in Südlohn ist mit roher Gewalt aus der Verankerung gehoben worden. Wieder einmal, insgesamt das dritte Mal, wurde die Stele schon beschädigt, seit sie 2002 aufgestellt wurde.

Tat ereignete sich wahrscheinlich in der Nacht zu Sonntag

Franz-Josef Rickers, Mitgründer des „Arbeitskreises gegen Rechtsextremismus und Gewalt – für Toleranz Südlohn und Oeding“, vermutet, dass die Gewalt höchstwahrscheinlich zwischen Freitag, 18 Uhr, und Samstag bis 10.30 Uhr, ausgeübt wurde. Michael Tenk aus Südlohn hatte bemerkt, dass die Stele auf dem Parkplatz der VR-Bank auf dem Nordwall schrägt auf dem Sockel steht, und den Südlohner Steinmetz benachrichtigt.

Mit viel Gewalt ist versucht worden, die Stele am Platz der Synagoge umzuwerfen. Franz-Josef Rickers vom Arbeitskreis gegen Rechtsextremismus hat Anzeige gegen unbekannt gestellt.

Mit viel Gewalt ist versucht worden, die Stele am Platz der Synagoge umzuwerfen. Franz-Josef Rickers vom Arbeitskreis gegen Rechtsextremismus hat Anzeige gegen unbekannt gestellt. © privat

Der fuhr gleich hin und machte sich ein Bild. „Ich habe die Stele dreifach verdübelt. Da muss jemand ganz bewusst und mit Gewalt von oben gedrückt haben“, meint Franz-Josef Rickers. Ob es bei dem Gewaltakt ganz bewusst gegen die Gedenkstele ging und das, wofür sie steht, oder ob es eine spontane Tat auf dem Nachhauseweg von einer Party war – „keine Ahnung“.

Jetzt lesen

Er informierte über die Notrufnummer die Gemeinde Südlohn, Michael Niehaus vom Rathaus sorgte dafür, dass die Stele fachgerecht mit einem Gitter und Baken abgesperrt wurde. Zum Einen wegen der Sicherheit, zum Anderen auch wegen der Spurenlage. Denn die Polizei ist informiert, diese wiederum meldete die Tat dem Staatsschutz.

Gedenkstele zum dritten Mal mit Gewalt umgebogen

Franz-Josef Rickers hat „Anzeige gegen unbekannt“ erstellt. Er hofft auf Hinweise von Zeugen, oder dass sich die Täter vielleicht melden.

Es ist das dritte Mal, dass die Stele beschädigt wurde. „Einmal nach Karneval, einmal beim Schützenfest“, blickt Franz-Josef Rickers zurück. Weil der Arbeitskreis-Aktive schon traurige Erfahrung hatte, hat er die Stele fachlich versiert extra verstärkt. „Die kann man eigentlich gar nicht ganz umkippen“, ist er sich sicher. Die unbekannten Täter entfernten die drei Schrauben, mit der die Sandsteinsäule befestigt war.

Dass ein Auto beim Ausparken den Schaden verursacht haben könnte, schließt er aus: „Das müsste ja von der Seite her dran gefahren sein.“ In den nächsten Tagen werde er sich mit der Gemeindeverwaltung absprechen und die Stele nach Freigabe durch die Polizei wieder instand setzen, kündigte der Steinmetzmeister an.

Im Januar 2002 wurde die Stele feierlich aufgestellt am Platz der Synagoge.

Im Januar 2002 wurde die Stele feierlich aufgestellt am Platz der Synagoge. © privat

Aufgestellt und feierlich eingeweiht wurde die Stele im Januar 2002. Am Standort der früheren Synagoge in Südlohn erinnert eine Bronzetafel an das Bethaus der hiesigen israelitischen Gemeinde. Und seit 2002 die Stele, deren Sandsteinrelief einen siebenarmigen Leuchter darstellt.

Schon ein Jahr später die erste sinnlose Tat gegen die Stele: Höchstwahrscheinlich noch während des Karnevalsumzuges wurde die Stele (Menora) umgeworfen.

Lesen Sie jetzt