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ADHS – nicht nur Kinder leiden darunter

In Westfalen-Lippe nehmen immer mehr Erwachsenen Medikamente gegen die Aufmerksamkeits-Defizit-Hyperaktivitätsstörung (ADHS). © AOK/hfr
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Nicht nur Kinder leiden unter dem ‚Zappelphilipp-Syndrom‘. In Westfalen-Lippe erhalten immer mehr Erwachsene Medikamente gegen die Aufmerksamkeits-Defizit-Hyperaktivitätsstörung (ADHS).

Allein im vergangenen Jahr verordneten die nieder-gelassenen Ärztinnen und Ärzte im Westfalen-Lippe Betroffenen ab 20 Jahren über 62.500 Packungen ADHS-Medikamente wie zum Beispiel solche mit dem Wirkstoff Methylphenidat, der die Nervenbotenstoffe Dopamin und Noradrenalin im Gehirn erhöht. Das sind über 31 Prozent mehr als noch im Jahr 2017.

„ADHS wird meistens Kindern zugeschrieben. Doch auch Erwachsene sind davon zunehmend betroffen. Die diagnostizierten und behandelten Fälle haben in den letzten Jahren deutlich zu-genommen. Das spiegelt sich auch in der Zunahme der Verordnungen von Medikamenten wieder“, sagt Tom Ackermann, Vorstandschef der AOK NordWest.

Besonders auffällig ist der Anstieg der Verordnungen bei jungen Erwachsenen im Alter von 20 bis 29 Jahren. „Die hohe Steigerungsrate kann auf eine größere Sensibilisierung von Ärzten und Patienten für die adulte ADHS gewertet werden“, sagt Ackermann.

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Symptome von ADHS im Erwachsenenalter

Konzentrationsprobleme, eine innere Unruhe, impulsives Handeln und übersteigerter Bewegungsdrang können unter anderem Symptome der ADHS sein. Lange Zeit gingen Experten davon aus, ADHS trete nur im Kindesalter auf und wachse mit der Pubertät aus.

Heute ist klar: Ein Teil der betroffenen Kinder nimmt die Erkrankung ins Erwachsenenalter mit. Hinzu kommt, dass bei vielen Erwachsenen die ADHS in der Kindheit nicht erkannt wurde. Kommt es im Erwachsenenalter dann zu Auffälligkeiten, können Betroffene sich diese nicht erklären. Viele wenden sich erst dann an einen Arzt, wenn es zu Konflikten in der Familie oder am Arbeitsplatz kommt oder Begleiterkrankungen wie Depressionen oder Suchtprobleme auftreten.

ADHS: Ursachen sind noch unklar

Was die ADHS verursacht, ist unter den Experten noch nicht abschließend geklärt. Die Veranlagung spielt scheinbar eine große Rolle. Wahrscheinlich liegt bei ADHS eine Stoffwechsel- und Funktionsstörung im Gehirn vor. Vermutlich wird zum Beispiel der Botenstoff Dopamin zu schnell abgebaut, der für die Steuerung von Aktivität und Antrieb zuständig ist.

Die Folge: Signale werden nicht mehr richtig übertragen, Reize unzureichend gefiltert. Bei Menschen mit ADHS funktioniert somit die Informationsverarbeitung zwischen bestimmten Hirnabschnitten nicht reibungslos.

ADHS ist gut behandelbar

Ist die Krankheit erkannt, ist sie meist gut zu behandeln. Viele Erwachsene suchen sich eigene Strategien, um damit umzugehen. Entspannungstechniken und Sport empfinden viele als hilfreichen Ausgleich.

„Manche Erwachsene benötigen aber mehr Unterstützung, um die Erkrankung in den Griff zu bekommen. Für sie kann eine Behandlung mit Medikamenten in Kombination mit einer Verhaltenstherapie sinnvoll sein“, so Ackermann. Wirksame Medikamente können die Aufmerksamkeit verbessern und die Hyperaktivität und Impulsivität mildern.

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