Kulturpolitik

Nach Antisemitismus-Skandal: Documenta-Generaldirektorin legt Amt nieder

Die Kunstausstellung documenta fifteen hat ein antisemitisches Kunstwerk präsentiert. Zwar verlief die Aufarbeitung dieses Skandals zunächst schleppend, doch nun zieht der Aufsichtsrat Konsequenzen.
Sabine Schormann, Generaldirektorin der documenta fifteen, spricht bei einem Interview.
Sabine Schormann, Generaldirektorin der documenta fifteen legt ihr Amt nieder. Man habe sich einvernehmlich geeinigt, ihren Dienstvertrag aufzulösen, teilte der Aufsichtsrat der Kunstausstellung mit. © picture alliance/dpa

Nach dem Antisemitismus-Skandal bei der documenta hat die Generaldirektorin der Ausstellung, Sabine Schormann, ihr Amt niedergelegt. Aufsichtsrat und Gesellschafter haben sich mit ihr verständigt, den Dienstvertrag kurzfristig aufzulösen, wie das Kontrollgremium am Samstag in Kassel mitteilte. Es werde zunächst eine Interimsnachfolge angestrebt.

Das Gremium um den Vorsitzenden, Kassels Oberbürgermeister Christian Geselle (SPD), und seine Stellvertreterin, Hessens Kunstministerin Angela Dorn (Grüne), zog damit die Konsequenz aus dem Antisemitismus-Eklat auf der diesjährigen Schau. Ein Werk mit antisemitischer Bildsprache war nach einer Welle der Empörung nur wenige Tage nach dem Beginn der Weltkunstausstellung abgebaut worden. Schon Monate zuvor hatte es Antisemitismus-Vorwürfe gegen das kuratierende Künstlerkollektiv Ruangrupa aus Indonesien gegeben.

„Der Documenta wurde damit erheblicher Schaden zugefügt“

Der Aufsichtsrat distanzierte sich deutlich von dem Werk. „Die Präsentation des Banners „People‘s Justice“ des Künstlerkollektivs Taring Padi mit seiner antisemitischen Bildsprache war eine klare Grenzüberschreitung und der documenta wurde damit ein erheblicher Schaden zugefügt.“ Der Vorfall müsse zeitnah aufgeklärt werden.

In den vergangenen Wochen waren immer wieder Rücktrittsforderungen gegen die 60-Jährige erhoben worden. Ihr wurde unter anderem Untätigkeit bei der Aufarbeitung des Skandals vorgeworfen.

Schormann habe keine Taten folgen lassen

Zuletzt hatte sich der Leiter der Bildungsstätte Anne Frank, Meron Mendel, als Berater der documenta zurückgezogen. Er hatte eigentlich Teil einer Expertenkommission sein sollen, die die verbliebenen Werke der documenta auf weitere antisemitische Inhalte prüfen sollte. Schormann habe ihren Ansagen aber keine Taten folgen lassen, kritisierte er. In der Folge erklärte mit Hito Steyerl eine der international wichtigsten Künstlerinnen, ihre Werke von der documenta abzuziehen.

Schormann war im Herbst 2018 als Generaldirektorin nach Kassel gewechselt. Im Jahr zuvor war die gemeinnützige documenta GmbH wegen eines Millionendefizits bei der documenta 14 im Jahr 2017 in die Schlagzeilen geraten. Die damalige Geschäftsführerin, die Kunsthistorikerin Annette Kulenkampf, hatte daraufhin ihr Amt niedergelegt. Übergangsweise hatte zunächst der Musikmanager Wolfgang Orthmayr die Geschäfte geführt.

Vor ihrem Wechsel zur documenta war Schormann in Doppelfunktion Direktorin der Niedersächsischen Sparkassenstiftung und der VGH-Stiftung gewesen. Zu den Aufgaben der 60-Jährigen in Kassel gehörte unter anderem die Vorbereitung und Organisation der documenta fifteen. Die gebürtige Bad Homburgerin ist Germanistin und Kulturmanagerin. In den 1980er-Jahren studierte sie Germanistik, Philosophie und Kunstgeschichte an der Universität Mainz. 1992 absolvierte sie ihre Promotion zu einem Thema über Bettina von Arnim.

dpa urn:newsml:dpa.com:20090101:220716-99-44873/5

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