Krieg in der Ukraine

Deutschland genehmigt umfassende Waffenlieferung an Ukraine

Bislang hat Deutschland keine tödlichen Waffen an die Ukraine geliefert. Diese Zurückhaltung hat die Bundesrepublik jetzt beendet und kündigt umfassende Unterstützung an.
Ukrainische Soldaten verladen auf dem Flughafen in Kiew Panzerabwehrlenkraketen, die von der USA an die Ukraine geliefert wurden. © Efrem Lukatsky/AP/dpa

Deutschland liefert nun Waffen aus den Beständen der Bundeswehr an die Ukraine. Wie Regierungssprecher Steffen Hebestreit am Samstag mitteilte, werden die ukrainischen Streitkräfte mit 1000 Panzerabwehrwaffen sowie 500 Boden-Luft-Raketen vom Typ „Stinger“ unterstützt.

Auch Estland hat die Bundesregierung die Lieferung mehrerer Artilleriegeschütze aus DDR-Altbeständen an die Ukraine genehmigt, wie die Deutsche Presse-Agentur am Samstag aus Regierungskreisen erfuhr. Auch den Niederlanden genehmigte sie denmach die Lieferung von 400 Panzerfäusten aus deutscher Produktion. Bisher hatte sie alle Exporte tödlicher Waffen in die Ukraine prinzipiell abgelehnt, weil es sich um ein Krisengebiet handelt.

Waffenlieferungen aus Bundeswehrbeständen

Die Haubitzen waren in den 90er Jahren von der Bundeswehr unter Auflagen zuerst an Finnland geliefert und später an Estland weitergegeben worden. Dass Deutschland einer Weitergabe zustimmen muss, ist in dem Vertrag zwischen Finnland und Estland geregelt.

Es geht dabei um Haubitzen vom Modell D-30 mit dem Kaliber 122 Millimeter, die Mitte der 50er Jahre in der Sowjetunion entwickelt wurden. Die ehemalige Nationale Volksarmee der DDR verfügte über mehr als 400 der Geschütze.

Die mehr als drei Tonnen schweren Haubitzen mit ihrem fast fünf Meter langen Kanonenrohr können eingesetzt werden, um feindliche Truppen oder Panzer auf eine Entfernung bis zu etwa 15 Kilometern zu beschießen. Das Modell D-30 ist noch in vielen Staaten Teil der Ausrüstung, darunter auch in der Ukraine.

Außerdem soll die Ukraine ebenfalls mit Waffen aus den Beständen der Bundeswehr unterstützt werden. Wie Regierungssprecher Steffen Hebestreit am Samstag mitteilte, werden die ukrainischen Streitkräfte mit 1000 Panzerabwehrwaffen sowie 500 Boden-Luft-Raketen vom Typ „Stinger“ unterstützt.

Ukraine forderte monatelang Unterstützung

Die Ukraine fordert von Deutschland seit Monaten die Lieferung tödlicher Waffen und anderer Rüstungsgüter. Bisher hatte die Bundesregierung nur 5000 Helme zugesagt, die am Samstag an die ukrainischen Streitkräfte übergeben wurden.

Nach Angaben des Bundesministeriums für Wirtschaft und Klimaschutz wurde am Samstag zudem die Ausfuhr von 14 sondergeschützten gepanzerten Fahrzeugen für die Ukraine genehmigt. Die Fahrzeuge dienten dem Personenschutz, gegebenenfalls auch Evakuierungszwecken, hieß es. Sie sollen an ukrainische Dienststellen übergeben werden. Zudem soll bis zu 10.000 Tonnen Treibstoff über Polen in die Ukraine geliefert werden. Weitere Unterstützungsleistungen würden derzeit geprüft.

Außenministerin Annalena Baerbock und Vizekanzler Robert Habeck (beide Grüne) erklärten hierzu: „Nach dem schamlosen Angriff Russlands muss sich die Ukraine verteidigen können. Sie hat ein unabdingbares Recht auf Selbstverteidigung. Die Bundesregierung unterstützt daher die Ukraine auch bei der Ausstattung mit dringend benötigtem Material.“

Verteidigungsausschuss begrüßt Entscheidung

Die Vorsitzende des Verteidigungsausschusses, Marie-Agnes Strack-Zimmermann, begrüßte den Kurswechsel der Bundesregierung zur Lieferung von Militärgütern. „Ich bin unendlich froh, dass die Bundesregierung sich nun dazu entschlossen hat, Exporten von militärischen Ausrüstungsgütern in die Ukraine zuzustimmen und sich mit den Partnern in der EU an der Abkoppelung Russlands aus SWIFT zu beteiligen“, sagte die FDP-Politikerin.

„Der verbrecherische Angriffskrieg Putins macht es absolut notwendig, dass die Bundesregierung ihre Position zu Waffenlieferungen an die dramatische Lage anpasst“, sagte Strack-Zimmermann Die Ausgrenzung Russlands aus Swift werde Putin und seine Elite weiter isolieren und empfindlich treffen. „Wir werden der Ukraine nun alles an die Hand geben, was wir können“, betonte die Verteidigungspolitikerin.

dpa

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