Große Suchaktion

„Ein Quäntchen Glück“: Vermisste Julia lebend gerettet

Es sollte ein schöner Wanderausflug werden, doch dann verschwindet Julia (8) zwischen Bayern und Tschechien spurlos. Den Rettungskräften läuft die Zeit davon - bis ein kleines Wunder passiert.
Das Einsatzteam in der Einsatzzentrale der Rettungsaktion im Grenzgebiet. © Daniel Vogl/dpa

Nach einer nervenaufreibenden Suche im Böhmerwald zwischen Deutschland und Tschechien ist die vermisste achtjährige Julia aus Berlin gefunden worden. „Sie lebt, sie ist unterkühlt und ins Krankenhaus gebracht worden“, sagte ein Sprecher des Polizeipräsidiums Oberpfalz am Dienstag.

Am Nachmittag gegen 13.35 Uhr hatte ein tschechischer Förster das Kind entdeckt. „Das vermisste Kind befand sich völlig erschöpft in einem Gebüsch und machte nicht auf sich aufmerksam“, berichtete die Polizei einige Stunden später. Wo Julia nun medizinisch betreut wird, wollten die Behörden unter Verweis auf die Privatsphäre nicht sagen.

Die Achtjährige aus Berlin war am späten Sonntagnachmittag beim Wandern mit ihrer Familie im bayerisch-tschechischen Grenzgebiet verschwunden. Die Eltern hatten das Mädchen, den sechsjährigen Bruder und einen neunjährigen Cousin unterhalb des Berges Cerchov aus den Augen verloren und die Rettungskräfte gerufen.

Diese fanden zunächst nur den Bruder und den Cousin. Warum die Kinder sich getrennt hatten, dazu wollte die Polizei nichts sagen. Es wurde spekuliert, sie hätten ein Orientierungsspiel gespielt oder seien in Streit geraten. Vielleicht war es auch ein Moment der Unachtsamkeit.

„Rettung kommt einem Wunder gleich“

Letztlich wurde Julia dreieinhalb Kilometer entfernt von dem Gipfel des Berges gefunden. „Die Auffindeörtlichkeit lag in entgegengesetzter Richtung zum Ort ihres Verschwindens“, erläuterte ein Polizeisprecher. „Nach ersten Vermutungen wird davon ausgegangen, dass die Achtjährige immer wieder in Bewegung war und dabei mehrere Kilometer zu Fuß im Wald zurücklegte.“

An der Suche nach Julia im Gebiet zwischen den Städten Waldmünchen, Furth im Wald und Domazlice beteiligten sich rund 1400 Rettungskräfte aus Bayern und Tschechien. Das Bayerische Rote Kreuz in Cham sprach auf Facebook gar von der größten grenzüberschreitenden Suchaktion, die in der Region je stattgefunden habe. „Dass es gelungen ist, das Kind zu finden, kommt einem Wunder gleich“, heißt es darin weiter.

Zwei Tage und zwei Nächte waren die Helfer im Einsatz. Unterstützt wurden sie von 115 Suchhunden, Polizeihubschraubern und Drohnen mit Wärmebildkameras, wie das Polizeipräsidium Oberpfalz mitteilte. Wegen des unwegsamen Gebiets mit vielen Felsen und Klüften sowie dichtem Baumbewuchs hatte sich der Großeinsatz allerdings mühsam gestaltet.

Neben der Polizei waren auch Feuerwehr, Bergwacht, Förster und Mitarbeiter des tschechischen Nationalparks Böhmischer Wald, die sich in dem Gebiet auskennen, beteiligt. Aus dem südlichen Oberbayern reiste sogar eine Alpine Einsatzgruppe der Polizei an.

Innenminister Herrmann dankt allen Helfern

Die Suche war ein Wettlauf gegen die Uhr, auch wegen der eisigen Temperaturen, die sich nachts dem Gefrierpunkt näherten. Die Polizei ging von einer „lebensbedrohlichen und ernstzunehmenden Gefahr“ für Julia aus. Noch am Dienstagmorgen hatte es geheißen, die Chancen des Mädchens würden von Stunde zu Stunde sinken.

Bayerns Innenminister Joachim Herrmann (CSU) dankte nach dem Erfolg allen Helfern: „Wir haben alles mobilisiert, Bereitschaftspolizei, Hundestaffeln, Hubschrauber mit Wärmebildkameras, Drohnen und Suchtrupps der Alpinen Einsatzgruppe. Letztlich war es dann ein Quäntchen Glück, dass ein in die Suchaktion eingebundener tschechischer Förster das Mädchen gefunden hat.“

dpa

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