Wenn die Biobutter günstiger als die reguläre ist

Butter könnte bald günstiger sein, wenn sie mit Biosiegel hergestellt wurde.
Butter könnte bald günstiger sein, wenn sie mit Biosiegel hergestellt wurde. © dpa/Archiv
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Inflation ist nicht nur unangenehm, sie kann auch Augen öffnen. „Die Preise sprechen eine ökologische Wahrheit“, findet Tina Andres mit Blick auf die Inflationsraten für deutsche Lebensmittel im ersten Halbjahr 2022. Denn die seien bei konventionell erzeugter Ware im Schnitt um 8 Prozent gestiegen, während sie bei Biolebensmitteln nur um 5,2 Prozent zugelegt haben, sagt die Chefin des Bunds Ökologische Lebensmittelwirtschaft (BÖLW).

Berechnet hat das die Agrarmarkt Informationsgesellschaft (AMI). Gesund für Mensch und Umwelt war Bio schon immer. Jetzt verringern sich auch die Preisnachteile. Louise Luttikholt weiß warum. „Die Preise für Kunstdünger sind sehr stark gestiegen, aber davon ist Ökolandbau unabhängig“, erklärt die Geschäftsführerin des internationalen Ökoverbands IFOAM.

Andres und Luttikholt eröffnen mit ihren Worten die Nürnberger Weltleitmesse für Biolebensmittel Biofach, die gerade erstmalig im Sommer stattfindet. Den traditionellen Termin im Winter hat die Pandemie zunichtegemacht. Auch insofern ist die Messe ein Spiegel krisendominierter Gegenwart. Die Preise für Kunstdünger wiederum steigen, weil dessen Herstellung energieintensiv ist. Energie verteuert gerade der russische Angriffskrieg in der Ukraine immens.

Umweltschäden werden von der Allgemeinheit getragen

Bei Lebensmitteln löst das abhängig von der Herstellungsweise vielfach unterschiedliche Preissteigerungsraten aus. „Verbraucher sollten deutlich hinsehen, welche Butter die billigere ist“, empfiehlt Andres und sieht die Biovariante gerade im Vorteil. Im Grundsatz gilt das schon immer. So hat die Strategieberatung Boston Consulting Group vor drei Jahren in einer Studie berechnet, dass konventionelle Landwirtschaft in Deutschland Umweltschäden im Umfang von 90 Milliarden Euro verursacht, die sich nicht in Lebensmittelpreisen widerspiegeln, sondern von der Allgemeinheit und deren Steuern getragen werden.

Von daher mache es für eine wirksame Transformation der Landwirtschaft keinen Sinn, Ökolandbau zu subventionieren, „wenn gleichzeitig Großställe in Niedersachsen gefördert werden“, betont Luttikholt. Immerhin entstünde im globalen Maßstab ein Viertel des Klimakillers Kohlendioxid in der Landwirtschaft. Ein Viertel dieser Quote gehe wiederum auf Kunstdünger zurück, der Böden auslaugt und Grundwasser gefährdet.

Bio will die Antwort auf die Megakrisen sein

Die Biobranche fühlt sich fraglos von den aktuellen Krisen vom Klimawandel bis zum Krieg in der Ukraine bestätigt. Wie bei der Energie müsse Europa bei der Herstellung von Lebensmitteln unabhängiger werden, was vor allem Bioware aus der Region gewährleiste, findet Luttikholt. Ökolandbau sei auch widerstandsfähiger gegen Trockenheit und Klimastress. „Bio ist die Antwort auf die Megakrisen“, wirbt auch Andres und sieht Verbraucherinnen und Verbraucher auf ihrer Seite. Zumindest in den ersten fünf Monaten des Jahres hätten Biolebensmittel im heimischen Handel weniger Umsatz verloren als ihre konventionelle Konkurrenz. Exakte Zahlen bleibt die Biolobbyistin schuldig. Beim Biolandbau sieht sie allerdings die Ampelkoalition klar auf der Bremse stehen.

Ziel der Bundesregierung ist es, die Bioanbaufläche in Deutschland von aktuell gut einem Zehntel bis 2030 auf 30 Prozent zu verdreifachen. Aber die Überbrückungsmittel, die der Bund für umstellungswillige Bauern zur Verfügung stellt, gäben bis 2027 nur einen Bioflächenzuwachs von 3 Prozentpunkten her, rechnet Andres vor. „Damit können wir die Transformation der Landwirtschaft ad acta legen“, warnt sie.

Bundeslandwirtschaftsminister Cem Özdemir (Grüne) scheint die Botschaft verstanden zu haben. „Es braucht jetzt mehr Bio, nicht weniger“, stellt er zur Eröffnung der Biofach klar und bekennt sich zum Bioanbauziel bis 2030. Allerdings gibt es in der Ampelkoalition auch einen Finanzminister. Der heißt Christian Lindner, ist von der FDP und will derzeit so wenig Geld wie möglich ausgeben. Wer sich am Ende durchsetzt, ist nicht ausgemacht. Auch ob Verbraucherinnen und Verbraucher bei der Stange bleiben, wenn die Inflation hoch bleibt und sich der Geldbeutel leert, muss sich erst noch erweisen. Denn billiger ist Bioware weiterhin nur in Ausnahmefällen.

RND


Der Artikel "Wenn die Biobutter günstiger als die reguläre ist" stammt von unserem Partner, dem RedaktionsNetzwerk Deutschland