Isolations- und Maskenpflicht Profilierungssüchtige Länder-Chefs stiften Corona-Chaos

Eine Frau steht während der Isolation nach einem positiven PCR-Test hinter einer Glastür.
In Bayern und Baden-Württemberg müssen sich Menschen, die positiv auf das Coronavirus getestet wurden, nicht mehr isolieren. Damit beginnt ein erneutes Regel-Chaos beim Umgang mit dem Virus zwischen den Bundesländern. Unser Autor hält das für unerträglich. © picture alliance/dpa
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In diesen Tagen beginnt eine schon überwunden geglaubte Zeit von neuem. Willkommen zurück im Corona-Chaos.

Erinnern Sie sich noch an die Zeit, als das Coronavirus über uns hereinbrach? Als 2020 und 2021 die Corona-Regeln von Bundesland zu Bundesland, zuweilen sogar von Kreis zu Kreis und Stadt zu Stadt so verschieden waren, dass niemand mehr durchblickte, welche Regeln gerade wo zu beachten waren? Zumal die Vorschriften, abhängig von steigenden oder sinkenden Fallzahlen, innerhalb weniger Tage wechselten.

Alle paar Wochen trafen sich dann die Länder-Chefs mit der seinerzeit noch regierenden Kanzlerin zum „Corona-Gipfel“. Es hatte schon etwas Religiöses, dieses Ritual, das sich dabei abspielte: Man versprach hochfeierlich und mit ernster Miene, sich besser abzusprechen.

Stunden später machte dann jedes Bundesland doch, was es wollte. Selbstverständlich nicht zur eigenen Profilierung, wie die Länder-Fürstinnen und -Fürsten eilig versicherten, sondern „aus Verantwortung unseren Bürgerinnen und Bürgern gegenüber“.

Chefinnen und Chefs der Bundesländer haben nichts gelernt

Diese Bürgerinnen und Bürger aber fanden dieses Regel-Chaos einfach nur entsetzlich und zum Heulen. Ich hatte schon gehofft, Bund und Länder hätten die Signale ihrer Untertanen jetzt endlich gehört und verstanden. Doch ich habe mich geirrt. Nichts haben sie gelernt.

Am Mittwoch (16.11.) endet in Bayern und Baden-Württemberg die Isolationspflicht, Schleswig-Holstein folgt Donnerstag (17.11.), Hessen bald. Selbst nach einem positive Corona-Test muss man nicht mehr zu Hause bleiben, um andere vor einer Ansteckung zu schützen. Nur Krankenhäuser und Pflegheime sind in dieser Zeit noch tabu. Ansonsten reicht Infizierten eine Maske beim Gang vor die Tür.

Als altväterliche, altmütterliche Weisheit und Fürsorge getarnte Profilierungssucht

Parallel dazu will Schleswig-Holstein die Maskenpflicht im Nahverkehr zum Jahresende auslaufen lassen. Bayern findet das sympathisch.

Gesundheitsminister Karl Lauterbach aber findet all diese Vorstöße ganz fürchterlich. Die Ärztevertreter sind sich nicht einig. Einige sagen „kein Problem“, andere „besser nicht“.

Ich bin kein Virologe und kein Epidemiologe. Als interessierter und betroffener Zuschauer dieses politischen Kasperle-Theaters frage ich mich nur: Geht`s noch? Habt Ihr denn gar nichts gelernt? Könnt Ihr nicht ein einziges Mal auf Eure Muskelspielchen, auf euer Besserwisser-Gehabe und eure zwanghafte, in Ton und Mimik als altväterliche, altmütterliche Weisheit und Fürsorge getarnte Profilierungssucht verzichten?

Wir wissen doch: Winterwelle wird kommen

Aus den vergangenen beiden Jahren wissen wir doch alle (oder sollten es zumindest wissen), dass die Infektionszahlen in den Wintermonaten steigen und auch die Kliniken wieder stärker belastet werden. Das wird auch in diesem Winter nicht anders sein. Da frage ich mich: Warum muss man ausgerechnet jetzt über das Ende der Isolations- und der ohnehin nur noch begrenzt geltenden Maskenpflicht diskutieren?

Weil bisher noch keine neue Winterwelle begonnen hat? Das könnte ja auch damit zusammenhängen, dass zwar November auf dem Kalenderblatt steht, der echte Winter in diesem Jahr aber noch gar nicht angekommen ist.

Was ist mit Energie-Krise, Inflation, Ukraine-Krieg, Klima-Katastrophe und Co.?

Warum belassen wir es nicht einfach bei den bestehenden Regeln und halten sie tapfer bundesweit noch ein paar Monate durch? Dann könnten alle Beteiligten im März Bilanz ziehen und im besten Falle Isolations- und Maskenpflicht gemeinsam aufheben – und zwar mit einem guten Gewissen.

Damit könnte ich, der sich als erster über ein Ende der Isolations- und Maskenpflicht freuen würde, sehr gut leben. Zumindest bliebe uns ein erneutes fürchterliches Regel-Chaos und endloses Gekeife der Politikerinnen und Politiker erspart. Die hätten derweil Zeit, sich um andere Themen zu kümmern. Da gab es doch noch so ein paar Dinge, oder? Ich denke da etwa an Inflation, Energie-Krise, Ukraine-Krieg, Klima-Katastrophe, Bildungs-Defizite, Fachkräftemangel … Sie können die Aufzählung gerne fortführen.

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