Coronavirus

Impf-Nebenwirkungen: Lauterbachs Ministerium veröffentlicht falsche Zahlen – und muss zurückrudern

Mögliche Nebenwirkungen der Corona-Schutzimpfung gelten für viele Menschen als Argument gegen die Impfung. Nun hat das Gesundheitsministerium falsche Zahlen zu Nebenwirkungen veröffentlicht.
Karl Lauterbach (SPD), Bundesminister für Gesundheit, kommt zu einer Pressekonferenz.
Karl Lauterbach (SPD), Bundesminister für Gesundheit, kommt zu einer Pressekonferenz. © picture alliance/dpa

Dem Bundesgesundheitsministerium ist in einem Tweet über die Häufigkeit von Nebenwirkungen bei Covid-19-Impfungen ein schwerer Fehler unterlaufen. Die Behörde schrieb am Mittwoch in einem mittlerweile gelöschten Tweet: „Eine von 5000 Personen ist von einer schweren Nebenwirkung nach einer Covid-19-Impfung betroffen.“ Diese Zahl ist jedoch falsch.

Denn das mit der Zulassung und Kontrolle von Impfstoffen betraute Paul-Ehrlich-Institut (PEI) registrierte in seinem zuletzt veröffentlichten Sicherheitsbericht vom 4. Mai 296.233 Meldungen von Verdachtsfällen von Nebenwirkungen in Deutschland.

Die Zahlen beziehen sich auf den Zeitraum zwischen dem Beginn der Impfkampagne am 27. Dezember und dem 31. März 2022, in dem insgesamt über 172 Millionen Impfdosen zum Schutz vor Covid-19 in Deutschland verabreicht wurden. Daraus ergibt sich eine Melderate von 1,7 Meldungen von Verdachtsfällen von Nebenwirkungen pro 1000 Impfdosen. Die Zahlen liegen also deutlich höher als vom Gesundheitsministerium über Twitter verbreitet.

Paul-Ehrlch-Institut meldet 0,2 Verdachtsfälle pro 1000 Impfdosen

In diesem Wert sind jedoch alle Arten von Nebenwirkungen inbegriffen, also auch verhältnismäßig leichte und vorübergehende wie Kopfschmerzen und Fieber.

Die Melderate für Verdachtsfälle von schwerwiegenden Nebenwirkungen beträgt 0,2 Meldungen pro 1000 Impfdosen. Schwerwiegende Nebenwirkungen sind laut PEI Impfreaktionen, die unter anderem eine stationäre Behandlung erforderlich machen, lebensbedrohlich oder tödlich sind. Dazu zählen etwa Erkrankungen wie Myokarditis und Perikarditis, also eine Herzmuskel- und Herzbeutelentzündung.

Bei der Interpretation dieser Daten muss beachtet werden, dass es sich um Verdachtsfälle handelt. Daher kann es laut PEI auch zu Änderungen der Zahlen kommen. Das ist etwa dann der Fall, wenn sich ein Verdacht bei einer Untersuchung nicht bestätigt hat.

Zudem differenziert das PEI bei den gemeldeten Verdachtsfällen nicht zwischen einer ersten, zweiten, dritten oder vierten Impfdosis. In den Meldungen fehlen hierzu teilweise die Angaben, wie es im PEI-Sicherheitsbericht heißt.

In einem neuen Tweet vom Donnerstag ruderte das Gesundheitsministerium unterdessen zurück: „0,2 Verdachtsmeldungen pro 1.000 Impfdosen beträgt die Melderate ans PEI für schwerwiegende Reaktionen.“

Weiterhin heißt es, dass die Melderate sich auf alle Verdachtsmeldungen beziehe, „d. h. ein ursächlicher Zusammenhang mit der Impfung ist mit der Verdachtsmeldung noch nicht bestätigt, es wird erst mal ein zeitlicher Zusammenhang festgestellt.“ Die Plattform Twitter stufte die englische Zusammenfassung des Ursprungsbeitrags des Gesundheitsministerium sogar als irreführend ein.

Laut Medienberichten geht die Kassenärztliche Bundesvereinigung sogar von noch höheren Zahlen möglicher Nebenwirkungen aus als das PEI. Das liege aber auch daran, dass sie mehr Nebenwirkungen erfasse: Dazu zählten demnach „sowohl übliche und damit nicht meldepflichtige Impfreaktionen als auch meldepflichtige Beschwerden“. Damit sei die Vereinigung sogar auf 2.487.526 Patientinnen und Patienten mit Impfnebenwirkungen gekommen.

Der Artikel "Impf-Nebenwirkungen: Lauterbachs Ministerium veröffentlicht falsche Zahlen – und muss zurückrudern" stammt von unserem Partner, dem RedaktionsNetzwerk Deutschland

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