Schwache Wirtschaftszahlen

Lockdowns fordern ihren Tribut: Omikron frisst Chinas Wachstum

Die Folgen des Lockdowns in China werden sichtbar: Die Wirtschaftszahlen fallen deutlich schlechter aus als erwartet. Manch einer warnt schon: Viele solcher Zahlen kann sich China nicht leisten.
Zhang Hui, ein Gemeindearbeiter, patrouilliert während einer nächtlichen Ausgangssperren, die als eine der Corona-Maßnahmen gilt.
Chinas Wirtschaftszahlen für das zweite Quartal sehen schlecht aus. Der strenge Lockdown scheint seinen Tribut zu fordern. © picture alliance/dpa/XinHua

Es sind Chinas schwächste Wirtschaftszahlen seit der ersten Corona-Welle: Im zweiten Quartal ist das Bruttoinlandsprodukt der Volksrepublik im Vorjahresvergleich um lediglich 0,4 Prozent gestiegen – deutlich weniger, als die ohnehin bescheidenen Prognosen der meisten Ökonomen erwartet hätten. Nimmt man das erste Jahresquartal als Vergleichswert, dann ist die zweitgrößte Volkswirtschaft der Welt gar um satte 2,6 Prozent geschrumpft.

Die am Freitag publizierten Daten des nationalen Statistikamts spiegeln vor allem die Folgen der flächendeckenden Lockdowns wider, die Chinas Behörden im Zuge der hochinfektiösen Omikron-Variante in etlichen Städten verhängt hat. Die nach wie vor aufrecht erhaltene Null-Covid-Strategie fordert einen immer deutlicheren Tribut: Allein in Shanghai, der wirtschaftlich bedeutendsten Metropole des Landes, ist die ökonomische Leistung in den letzten drei Monaten um knapp 14 Prozent zurückgegangen.

Auch Chinas Handelsbilanz gibt keinen Grund zum Jubeln

Die aktuellen Quartalszahlen lassen auch die Handelsbilanz von Beginn der Woche in einem anderem Licht erscheinen. Dass nämlich die Exporte Chinas nach wie vor zulegen und zu einem historischen Rekordüberschuss führen, ist absolut kein Grund zum Jubeln. Denn die Zahlen drücken vor allem aus, wie stark der Binnenkonsum schwächelt. Dieser äußert sich zudem in einer immens schwachen Importnachfrage, die vor allem europäische Firmen leidlich zu spüren bekommen. Zudem hat die Qualität des chinesischen Wirtschaftswachstums deutlich nachgelassen: Während der Dienstleistungssektor weiter schwächelt, investiert die Regierung wieder mehr in Infrastrukturprojekte – was die Verschuldung weiter ankurbelt.

Was den Parteikadern in Peking jedoch besonders tiefe Falten in die Stirn treiben dürfte, ist die bereits jetzt rekordhohe Jugendarbeitslosigkeit. Fast jeder fünfte Chinese zwischen 16 und 24 hat keinen Job, darunter auch viele hochqualifizierte Talente. Zudem werden diesen Sommer über zehn Millionen Universitätsabgängerinnen und ‑abgänger auf den angespannten Arbeitsmarkt strömen. Die fehlende Perspektive für junge Menschen ist zumindest teilweise hausgemacht: Denn mit überhasteten Regulierungswellen hat die Regierung viele seiner erfolgreichsten Techunternehmen, die zu den angesehensten Arbeitgebern der Jugend zählten, in die Knie gezwungen.

Ex-VW-Chef in China: Land „kann sich nicht allzu viele solcher Jahresquartale leisten“

„China kann sich nicht allzu viele solcher Jahresquartale leisten, schließlich ist die wirtschaftliche Entwicklung extrem wichtig für die soziale Stabilität“, sagte auch der scheidende Volkswagen-China-Chef Stephan Wöllenstein anlässlich der Halbjahres-Geschäftszahlen am Freitag: „Die Stimmung in Shanghai war auf der Kippe: Die Situation hätte auch zu massiven sozialen Unruhen führen können“.

Volkswagen selbst wurde überproportional hart von den Covid-Lockdowns getroffen, schließlich standen zwei Werke in Shanghai und Changchun über einen längeren Zeitraum still. Dennoch zeigt man sich optimistisch: Man hofft auf Einsicht innerhalb der Regierung, dass diese trotz Pandemieschutz wieder mehr Wert auf die wirtschaftlichen Interessen zu legen. Zudem hat sich auch das Infektionsgeschehen seit Juni deutlich entspannt. Doch die nun ansetzende Erholung ist höchst fragil: Seit in Shanghai erstmals die BA.5-Variante entdeckt wurde, ist die Anzahl an Lockdowns wieder leicht gestiegen.

Immobilienmarkt droht ein Dominoeffekt

Die vielleicht dramatischsten Verwerfungen für Chinas Wirtschaft drohen aus dem Immobilienmarkt zu kommen, der traditionell einen überproportional großen Anteil an der Wirtschaftsleistung des Landes ausmacht. Seit zehn Monaten in Folge jedoch gehen die Preise für Eigenheime zurück, zudem haben etliche Bauträger immense Liquiditätsprobleme. Aktuell drohen zehntausende Chinesinnen und Chinesen, viele aus der Mittelschicht, ihre Hypothekenzahlungen auszusetzen, da ihre Apartmentsiedlungen unfertig in der Landschaft herumstehen. Es droht ein Dominoeffekt, den die Nachrichtenagentur Bloomberg unlängst in einer Kolumne als chinesischen „Lehman Brothers“-Moment bezeichnete – in Anspielung an die US-amerikanische Immobilienblase, die Ende der 2000er-Jahre platzte.

In den chinesischen Zeitungen ist von Krise hingegen wenig zu lesen. Die Staatsmedien haben mit allen Mitteln versucht, den zutiefst deprimierenden Quartalszahlen einen positiven „Spin“ zu verleihen. „Chinas Wirtschaft sichert positives Wachstum trotz Abwärtsdruck“, titelte etwa die Nachrichtenagentur Xinhua. Doch bis Ende des Jahres hilft auch kein noch so starkes Wenden und Drehen der Fakten: Das von der Regierung ausgegebene Wachstumsziel von 5,5 Prozent für 2022 wird China mit Sicherheit nicht erreichen.

RND

Der Artikel "Lockdowns fordern ihren Tribut: Omikron frisst Chinas Wachstum" stammt von unserem Partner, dem RedaktionsNetzwerk Deutschland

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