Öffentlich-rechtlicher Rundfunk

Norbert Himmler zum ZDF-Intendanten gewählt

Beim öffentlich-rechtlichen Rundfunk in Deutschland ist eine Top-Position neu vergeben worden. Nach dem Rückzug von Tina Hassel ist Programmchef Norbert Himmler zum Intendanten gewählt worden.
Norbert Himmler ist zum neuen ZDF-Intendanten gewählt worden.
Norbert Himmler ist zum neuen ZDF-Intendanten gewählt worden. © Ralph Orlowski/ZDF/dpa

Update 2. Juli, 13.30 Uhr:

ZDF-Programmchef Norbert Himmler ist im dritten Wahlgang zum neuen Intendanten des Zweiten Deutschen Fernsehens gewählt worden. Der Fernsehrat des öffentlich-rechtlichen Senders stimmte am Freitag in Mainz für den 50-Jährigen als Nachfolger von Thomas Bellut (66), der nicht mehr für eine weitere Amtszeit kandidiert hatte.

ARD-Hauptstadtstudioleiterin Tina Hassel (57) hatte zuvor nach zwei Wahlgängen ihre Kandidatur zurückgezogen.

Update 2. Juli, 13.12 Uhr:

ARD-Hauptstadtstudioleiterin Tina Hassel hat nach zwei Wahlgängen ihre Kandidatur bei der ZDF-Wahl um das Amt des Intendanten zurückgezogen. Damit startete am Freitag der dritte Wahlgang des Fernsehrats mit ZDF-Programmchef Norbert Himmler als einzigem verbliebenen Kandidaten.

Deutschlands quotenstärkster Sender besetzt seine Top-Position neu. Am Freitag (2. Juli) kommt der Fernsehrat des Zweiten Deutschen Fernsehens (ZDF) in Mainz zusammen, um eine neue Intendantin oder einen neuen Intendanten zu wählen.

Für das Amt bei dem öffentlich-rechtlichen Sender kandidieren die Leiterin des ARD-Hauptstadtstudios, Tina Hassel, und ZDF-Programmdirektor Norbert Himmler. ZDF-Intendant Thomas Bellut (66) bewarb sich nicht mehr für eine dritte Amtszeit und hört im März 2022 nach zehn Jahren auf. Eine Amtszeit dauert fünf Jahre.

Hört man sich im Umfeld des Fernsehrats um, so wird das Rennen zwischen den beiden Medienexperten als echte Wahl gewertet. Entschieden sei noch nichts, heißt es von manchem. Die Bewerbungen und Konzepte von Hassel und Himmler werden als gleichwertig beschrieben.

Die Kandidaten

Norbert Himmler wird ein Heimvorteil zugeschrieben, mancher sieht ihn als Favoriten. Intendant Bellut war auch Programmdirektor beim ZDF gewesen, bevor er an die Spitze rückte. Sein gesamtes Berufsleben lang arbeitet Himmler in unterschiedlichen Funktionen beim ZDF, er kennt das Haus gut. Als Programmdirektor sitzt er seit 2012 an einer entscheidenden Stelle.

Die Karriere Himmlers ist zum Beispiel verknüpft mit dem Aufbau des Spartensenders ZDFneo und damit auch mit Impulsen, ein jüngeres Publikum anzusprechen. Das ist seit Jahren ein Kernanliegen des öffentlich-rechtlichen Senders. Jan Böhmermanns ZDF-Karriere steht auch für Himmler. Branchenweit wird er für seine Arbeit geschätzt.

Der 50-Jährige, der in Mainz geboren wurde, startete nach einem Studium der Germanistik und Politikwissenschaft an der Johannes Gutenberg-Universität in Mainz sowie Promotion in München Ende der 1990er Jahre als freier Mitarbeiter in der «heute»-Redaktion des ZDF und volontierte dann bei dem Sender. Nach ersten Stationen wurde er 2002 Programmreferent des ZDF-Chefredakteurs und 2008 Leiter des Programmbereichs «Spielfilm» im ZDF. Danach besetzte er weitere wichtige Posten im Spielfilmbereich, bis er Programmdirektor wurde.

Kandidatin ist Leiterin des Hauptstadtstudios

Tina Hassel ist einem Millionenpublikum in Deutschland bekannt. Die Politikjournalistin ist Leiterin des Hauptstadtstudios der ARD unweit des Bundestags. Hassel interviewt regelmäßig Top-Politiker im TV und ist damit ein wichtiges Gesicht des ARD-Verbunds. Sie bringt auch Auslandserfahrung mit. Mancher im Umfeld des Fernsehrats hebt bei ihrer Kandidatur das journalistische Profil hervor, weil man sich eine journalistisch geprägte Intendanz wünsche.

Die 57-Jährige ist seit Juni 2015 Leiterin des ARD-Hauptstadtstudios in Berlin sowie Chefredakteurin Fernsehen. Die gebürtige Kölnerin studierte Geschichte und volontierte beim Westdeutschen Rundfunk (WDR). Nach ersten Stationen war Hassel von 1994 bis 2001 ARD-Korrespondentin in Paris und Brüssel. Danach wurde sie Auslandschefin des WDR. In der Zeit leitete sie die Programmgruppe Europa und Ausland. Es folgte die Leitung des ARD-Studios Washington.

Der Fernsehrat

Zwei gleich große Lager im Fernsehrat diskutieren die Personalien, die aus deren Reihen auch vorgeschlagen wurden. Der Fernsehrat agiert als Gremium unabhängig. Er setzt sich aus Mitgliedern zusammen, die die Breite der Gesellschaft abbilden sollen – zum Beispiel von Gewerkschaften, Religionsgemeinschaften, Politik, Wirtschaft, Kultur bis Sport. Der Fernsehrat beaufsichtigt die Programmarbeit des ZDF und beschäftigt sich zum Beispiel auch mit Programmbeschwerden.

In Medienberichten werden diese Lager als schwarze und rote Freundeskreise bezeichnet – historisch gewachsen soll das die politische Richtung symbolisieren. Aus dem Umfeld des Rates ist zu hören, dass man diese klare Aufteilung selbst so nicht mehr sehe. Der Rat sei heterogener geworden und die Ränder der Freundeskreise seien offen.

Man spricht statt von einem schwarzen Freundeskreis zum Beispiel von einem bürgerlichen. Andere umschreiben ihn als konservativer als den anderen Kreis. Am Vortag der Wahl werden die beiden Gruppen den Informationen zufolge nochmals zusammentreffen, um zu beraten.

36 Stimmen sind nötig

Die Hürde für Himmler und Hassel in der Wahl ist relativ hoch. Der Rat besteht aus 60 Mitgliedern. Es gewinnt die Wahl, wer mindestens drei Fünftel der Stimmen aller 60 Mitglieder auf sich vereinen kann – das sind 36, wie der Fernsehrat bestätigt. Selbst wenn also ein Kreis geschlossen für eine Kandidatin oder einen Kandidaten votiert, reicht das nicht aus. Es braucht noch Stimmen aus dem anderen Lager.

Rein theoretisch kann es also sein, dass es am 2. Juli kein Ergebnis gibt. Hinzu kommt, dass Wahlvorschläge von Fernsehratsmitgliedern bis in die Wahlsitzung hinein eingebracht werden können. Möglicherweise gibt es dann einen dritten Namen im Rennen.

2011 und 2015 nur ein Kandidat

2011 waren die Umstände der Wahl anders. Thomas Bellut war damals sowie bei seiner Wiederwahl 2015 mit überwältigender Mehrheit gleich im ersten Wahlgang ins Amt gewählt worden. Er war damals der einzige Kandidat gewesen.

Das Zweite Deutsche Fernsehen ging am 1. April 1963 erstmals auf Sendung. Der Sender zählt mit rund 3500 festen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern zu den größten öffentlich-rechtlichen Sendeanstalten in Europa. Heimat und größter Standort ist das Sendezentrum auf dem Mainzer Lerchenberg in Rheinland-Pfalz. Neben dem Hauptprogramm gehören auch die Spartensender ZDFneo und ZDFinfo zur Senderfamilie, genauso wie das gemeinsame ZDF-ARD-Angebot «Funk» im Netz für jüngere Leute.

dpa

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