Coronavirus

„Nun wirklich Deltakron“: Was wir über die Hybridvariante wissen

Eine neue Corona-Variante ist Anfang März festgestellt worden – auch in Deutschland. Die Rede ist von „Deltakron“, einer Hybridform von Delta und Omikron. Was bisher bekannt ist.
Labormitarbeiter Christoph Majowski bereitet im Labor Nordlab PCR-Tests von Patienten auf die PCR-Analyse vor. Jetzt gibt es eine Variante: „Deltakron“.
Labormitarbeiter Christoph Majowski bereitet im Labor Nordlab PCR-Tests von Patienten auf die PCR-Analyse vor. Jetzt gibt es eine Variante: "Deltakron". © picture alliance/dpa

Eine neue Corona-Mutante wurde inzwischen erstmals in Deutschland entdeckt, die genetische Teile von zwei verschiedenen Varianten enthält: Delta und Omikron. Das teilte Bundesgesundheitsminister Karl Lauterbach (SPD) am Freitag in Berlin mit. Auch die Datenbank „Gisaid“ listet den ersten Fall, der demnach in Nordrhein-Westfalen entdeckt wurde. Das RKI konnte dazu auf Anfrage zunächst keine weiteren Angaben machen.

Inoffiziell wird so eine Hybridvariante als „Deltakron“ bezeichnet. Es wurden zuvor bereits Einzelfälle aus Frankreich, den Niederlanden und Dänemark berichtet. Auch die Gesundheitsbehörden in Großbritannien hatten Ende Februar 32 Corona-Fälle erfasst, bei denen eine Mischung aus den Varianten Delta und Omikron auffiel.

Im Januar wurden ähnliche Fälle bereits auf Zypern beschrieben. Das war allerdings ein Fehlalarm – weil die Proben während der Laborauswertung kontaminiert waren. Diesmal ist das aber anders, weil es inzwischen auch virologische Analysen gibt, die die Existenz so einer Mischvariante bestätigen. „Es ist jetzt ziemlich klar, dass dies nun wirklich eine Deltakron-Variante ist“, sagt Luca Cicin-Sain, der am Helmholtz-Zentrum für Infektionsforschung die Abteilung Virale Immunologie leitet. Grundsätzlich komme es immer wieder vor, dass Viren sogenannte Rekombinanten bauen und sich so evolutionär weiterentwickeln. Diese können entstehen, wenn sich eine Person mit zwei unterschiedlichen Varianten infiziert. Nun wisse man, dass das auch bei Corona durchaus möglich ist.

„Deltakron“: Ein bisschen Omikron, ein bisschen Delta

Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) hat die neuen Deltakron-Fälle ebenfalls auf dem Radar. „Wir kennen diese Rekombinante. Es ist eine Kombination aus Delta AY.4 und Omikron BA.1″, sagte die für Corona zuständige WHO-Expertin Maria van Kerkhove bei einer Pressekonferenz am Mittwoch. Die Ansteckungen mit „Deltakron“ seien in Europa noch auf sehr niedrigem Niveau. Eine solche Rekombinante sei zu erwarten gewesen.

Studien erforschen Deltakron

Eine Reihe von Studien zur neuen Variante sind angelaufen. Ein erster noch von unabhängiger Seite zu begutachtender Preprint wurde diese Woche bereits von Forschenden aus dem französischen Marseille veröffentlicht. Im Report ist von mindestens 18 solcher bestätigten Rekombinanten die Rede.

Drei davon aus Frankreich hat sich das Team mithilfe einer Genomsequenzanalyse genauer angeschaut. „Deltakron“ bestehe demnach aus einem nahezu vollständigen Spike-Gen einer Omikron-Variante in einem Teil der Deltalinie. Die Ergebnisse deuteten zudem darauf hin, dass bei dieser Variante die virale Bindung an die Wirtszellmembran optimiert sein könnte. Weitere virologische, klinische und epidemiologische Untersuchungen seien nötig.

So infektiös wie Omikron, so krankmachend wie Delta?

„Die Sorge ist, dass so eine Kombivariante ungünstige Fähigkeiten haben könnte“, sagt Cicin-Sain. „Das Virus könnte sich so schnell verbreiten wie Omikron und so krank machen wie Delta.“ Im Moment könne man aber entspannt sein, weil bisher nur Sequenzen von einem Virusisolat entdeckt wurden, die schon im Januar kursierten, erklärt der Infektionsforscher. „Wäre das eine Variante, die sich wirklich schneller ausbreitet und sehr krank macht, gäbe es inzwischen schon viel mehr Proben“, verdeutlicht der Wissenschaftler. Im Augenblick sei er deshalb nicht alarmiert.

Dennoch sei es wichtig, die Entwicklungen des Virus weiter zu beobachten. „Wir können nicht vorhersagen, was in der Zukunft passiert und ob nicht noch weitere Varianten auftauchen, die Probleme machen“, betont Cicin-Sain. Zumal das Virus auch mutieren könne, ohne eine Hybridvariante wie Deltakron zu bilden. Es gebe aber Anlass zur Hoffnung, dass die Zukunft selbst bei neuen Varianten entspannter wird. „Die Booster-Impfung bewahrt die allermeisten Menschen vor einem schweren Covid-19-Verlauf, Tod und Long Covid“, versichert Cicin-Sain. „Das bleibt die gute Nachricht.“ Die Menschen hätten weiterhin die Möglichkeit, sich selbst vor dem Virus zu schützen.

Der Artikel "„Nun wirklich Deltakron“: Was wir über die Hybridvariante wissen" stammt von unserem Partner, dem RedaktionsNetzwerk Deutschland

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