Igel mit Hungerfalten, Vögel mit Schnappatmung: Wie Tiere unter Trockenheit leiden

Ein Igel sucht auf dem Waldboden nach Nahrung
Igel finden derzeit wegen der Trockenheit nur wenig Nahrung. © Karl-Josef Hildenbrand/dpa
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Unter Trockenheit und Hitze leiden auch Tiere. „Wir sind mitten im Klimawandel, und die langanhaltend hohen Temperaturen machen Mensch und Tier gleichermaßen zu schaffen“, sagt Hester Pommerening vom Deutschen Tierschutzbund.

Menschen müssten den Tieren helfen, damit zurechtzukommen, indem sie genug Wasser und Schattenplätze anbieten. Aus Sicht der Tierrechtsorganisation Peta können Wildtiere oft besser mit Wetterextremen umgehen als Tiere, die auf den Menschen angewiesen sind. „Rehe, Wildschweine und Füchse kennen in der Regel ausreichend Wasserquellen und fahren ihre Aktivität zurück“, erläutert Peter Höffken von Peta.

Selbstständige Wildtiere

Spaziergänger sollten deshalb nach Angaben der Deutschen Wildtier Stiftung Tieren im Wald kein Wasser geben. „Wildtiere sind seit Jahrhunderten an Extremsituationen gewöhnt und haben Strategien entwickelt, zeitweise auch mit wenig Wasser auszukommen“, sagt Jenifer Calvi, Wildtierexpertin der Stiftung. Rehe nähmen etwa Wasser zum großen Teil über pflanzliche Nahrung auf.

Waldbesucher sollten an heißen Tagen generell Rücksicht auf Waldtiere nehmen, denn die befänden sich notgedrungen im „Wassersparmodus“. „Jede Flucht kostet sie Energie, die sie nun dringend brauchen“, so Calvi.

Amphibien sind aktuell besonders gefährdet

Nach Angaben des Naturschutzbundes (Nabu) ist die Situation für Amphibien, die spät im Mai und Juni gelaicht haben, besonders gefährlich. Darunter fallen etwa Laubfrosch, Gelbbauchunke sowie Kreuz- und Wechselkröte. Deren Kaulquappen vertrocknen mit den Gewässern, wie Nabu-Experte Hubert Laufer erklärt.

Hubert Laufer, Amphibienexperte, steht neben einem Teich und hält zwei Molche in der Hand.
Die Trockenheit der vergangenen Jahre und der Eingriff von Menschen und Industrie in die Landschaft bedroht nach Ansicht von Artenschützern zunehmend Frösche, Salamander und Kröten © picture alliance/dpa

Vor allem künstlich angelegte Teiche trocknen derzeit aus. Betroffen davon sind laut Peta etwa Fische, Frösche und Salamander. Zusammen mit den Behörden müsse schnell gehandelt werden, um die Tiere zu retten, etwa durch Umsiedlung oder Auffüllen des Gewässers. Oft müssten Sauerstoffpumpen die Tiere vor dem Ersticken retten.

Vögel wechseln zu Schnappatmung

Amseln oder Rabenkrähen sitzen bei Hitze häufig mit weit geöffnetem Schnabel da und atmen schnell ein und aus, ähnlich wie hechelnde Hunde. Dieses sogenannte Kehlsackhecheln dient der Wärmeabgabe. Genau wie Menschen brauchen Vögel im Sommer mehr Wasser.

Deshalb rät Vogelexperte Stefan Bosch vom Nabu, im Garten Vogeltränken aufzustellen, und sei es nur ein großer Blumentopfuntersetzer mit einem Stein als Landeplatz. Bosch fügt hinzu: „Wichtig ist, Vogeltränken regelmäßig mit frischem Wasser zu befüllen und zu säubern.“ Sonst werden Krankheitserreger weitergetragen.

Igel entwickeln Hungerfalten hinter dem Kopf

Wasserschalen helfen auch Igeln. Dem Nabu werden immer häufiger Igel gemeldet, die tagsüber im Garten nach Nahrung suchen, weil sie nachts nicht genug finden. Regenwürmer und Laufkäferlarven – Lieblingsspeisen der gewöhnlich nachtaktiven Tiere – haben sich in tiefere Bodenschichten verzogen.

Vorbei ist auch die Saison der Schnecken, mit denen Igel in der Not vorlieb nehmen. Immer mehr Stacheltiere entwickeln eine sogenannte Hungerfalte hinter dem Kopf, die auf Unterernährung hindeutet.

Bauarbeiter retten durstige Schafe

Der Wasserbedarf von Schafen, Rindern und Pferden auf der Weide ist derzeit stark erhöht – bei Schafen doppelt so hoch wie bei gemäßigteren Temperaturen. Sie hätten oft nicht den gesetzlich vorgeschrieben Unterstand und nur eine unzureichende Wasserversorgung, moniert Höffken von Peta.

Schafe liegen im Schatten unter Bäumen auf einer trockenen Wiese.
Schafe liegen im Schatten unter Bäumen auf einer trockenen Wiese. © picture alliance/dpa

Beispiel Kirchheim bei Stuttgart: Dort verdursteten schon im Juni 4 von 30 Schafen einer Herde. Im Polizeibericht hieß es: „Die Herde befand sich in einem eingezäunten Feld ohne jeglichen Schatten und Wasserzufuhr.“ Kurzfristig schufen mitleidige Bauarbeiter Abhilfe. Sie fuhren mit einem Radlader, dessen Schaufel mit Wasser gefüllt war, zu den Tieren und stillten deren Durst.

Hundehalter ohne Herz

Weil Hunde nicht schwitzen können, bedürfen sie besonderer Rücksichtnahme. Für einen Hund kann ein aufgeheiztes Auto zur Todesfalle werden. In kürzester Zeit steigt die Temperatur im Fahrzeug auf 50 Grad. „Sauerstoffmangel, Übelkeit und Kreislaufprobleme führen im schlimmsten Fall zum Tod des Tieres“, sagt Tierschützerin Pommerening.

Die hohen Temperaturen verschärfen aus Sicht von Tierschützern das Elend von Transporttieren. Schweine und Rinder kämpfen Peta zufolge in überfüllten Fahrzeugen in großer Hitze um ihr Leben. Hierzulande dürfen Transporte bei bis zu 30 Grad maximal 4,5 Stunden dauern. Für Transporte in der EU gilt, dass Rinder erst nach 29 Stunden zum ersten Mal den LKW verlassen müssen.

Duschen für Elefanten, Bluteis für Raubkatzen

Nach Ansicht von Tiergärten wie der Stuttgarter Wilhelma kommen viele Zoo-Tiere gut mit Hitzewellen klar. „Viele stammen doch aus Regionen mit tropischen Temperaturen“, sagt Zoo-Sprecher Harald Knitter mit Blick auf Löwen, Antilopen, Giraffen und Menschenaffen. Überdies versuche man, den Tieren Abkühlung zu verschaffen. „Emus lieben es, wenn man sie mit Wasser abspritzt“. Auch Elefanten freuten sich über Duschen.

Yvonne Weigelt, Tierpflegerin im Tierpark Cottbus, hält einen Wasserstrahl auf die Asiatischen Elefantdame Sundali.
Yvonne Weigelt, Tierpflegerin im Tierpark Cottbus, hält einen Wasserstrahl auf die Asiatischen Elefantdame Sundali. © picture alliance/dpa

Der Tiergarten in Karlsruhe setzt auf Eisbomben. Für die beiden Eisbären werden Fisch und Gemüse in großen Bottichen tiefgefroren und dann in das Wasserbecken geworfen. Ziel ist neben der Abkühlung, dass Lloyd und Charlotte beschäftigt sind. Auch die Karlsruher Elefanten müssen in Eisbomben eingefrorene Leckerbissen erst freilegen. Die Raubkatzen können derweil am Bluteis schlecken.

dpa

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