Coronavirus

Unvollständige Impfdaten: RKI sieht keine eigenen Fehler

Wie hoch ist die Impfquote in Deutschland wirklich? Jüngst sorgte ein Bericht zu einer möglichen Untererfassung von Impfungen für Aufregung. Nun verteidigt sich das Robert-Koch-Institut.
Lothar Wieler, Präsident des Robert Koch Instituts (RKI). © Michael Kappeler/dpa

Das Robert Koch-Institut (RKI) weist die Verantwortung für offenbar zu niedrige Werte in der offiziellen Corona-Impfstatistik von sich. „Das RKI kann nur die Impfdaten veröffentlichen, die ihm entsprechend übermittelt worden sind“, sagte Präsident Lothar Wieler laut einer Mitteilung vom Mittwoch.

Eine zu niedrige Erfassung stelle „keinen Fehler und kein Versäumnis des RKI dar“, sondern gehe auf unterbliebene Meldungen einiger impfender Stellen zurück, hieß es. Man sei bei der Ermittlung der Impfquote auf das sogenannte Digitale Impfquotenmonitoring (DIM) angewiesen, schreibt das RKI. Die Anwendung und Zuverlässigkeit dieses Meldesystems liege „ausschließlich in der Hand der impfenden Stellen (Impfzentren, Impfteams, Krankenhäuser, Arztpraxen, Betriebsärzte)“.

Viel Kritik für RKI-Chef Wieler: Drosten verteidigt

Das RKI hatte vor einer Woche in einem Bericht unter anderem geschrieben, dass unter Erwachsenen vermutlich mehr Menschen geimpft seien, als die offiziellen Daten nahelegen. Darauf weise unter anderem eine Befragung von Bürgern hin. So dürfte die Quote bei einmal und vollständig Geimpften bis zu fünf Prozentpunkte höher sein. Bei Menschen ab 18 Jahre könnten zum Stichtag 5.10. also bereits bis zu 84 Prozent zumindest einmal und bis zu 80 Prozent vollständig geimpft gewesen sein. Nach der Veröffentlichung dieses Berichts hatte es unter anderem Kritik an RKI-Chef Wieler gegeben.

Der Berliner Virologe Christian Drosten nahm das RKI hingegen in Schutz. Die einseitige Schuldzuweisung ans RKI und Lothar Wieler halte er so nicht für gerechtfertigt, sagte der Experte von der Berliner Charité am Dienstag im Podcast „Coronavirus-Update“ bei NDR-Info. Das Thema sei auch nicht neu, das RKI weise schon länger auf die Problematik hin. Letztlich sei die öffentliche Aufregung um die Diskrepanz „komplett umsonst“, sagte Drosten. Die Situation habe sich nicht geändert.

Zielimpfquote noch lange nicht erreicht

Am Mittwoch gab das RKI die gemeldete Quote der vollständig Geimpften unter Erwachsenen mit 76,0 an. Bezogen auf die Gesamtbevölkerung sind demnach 65,4 Prozent vollständig geimpft.

Das RKI verwies in seiner Mitteilung darauf, dass eine Zielimpfquote von mindestens 85 Prozent bei allen 12- bis 59-Jährigen und von mindestens 90 Prozent bei den Über-60-Jährigen angestrebt werde. Dieses Ziel sei auch unter Berücksichtigung der vermutlich höheren tatsächlichen Impfquote noch nicht erreicht.

Drosten sprach sich dafür aus, Corona-Schutzmaßnahmen nur nach und nach zu lockern: „Das Allerwichtigste ist das Schließen der Impflücken. Und dann öffnen wir schrittweise, ein Schritt nach dem anderen.“ Die Quote solle „so hoch wie es geht“ gesteigert werden.

Laut der Frankfurter Virologin Sandra Ciesek ist die weitere Entwicklung der Pandemie in Deutschland momentan schwierig zu bewerten. Es sei aber schon öfter zu beobachten gewesen, dass die Infektionszahlen nach den Schulferien wieder steigen, sagte sie ebenfalls im NDR-„Coronavirus-Update“.

Infektionslage in Deutschland scheint stabil

Die Infektionslage in Deutschland ist nun seit mehreren Wochen vergleichsweise stabil. Die 7-Tage-Inzidenz gab das RKI am Mittwoch mit 65,4 an, sie bewegt sich seit drei Wochen in einem Korridor zwischen 60 und 70. Die Zahl der in Kliniken aufgenommenen Corona-Patienten je 100.000 Einwohner innerhalb von sieben Tagen – den für eine mögliche Verschärfung der Corona-Beschränkungen wichtigsten Parameter – gab das RKI am Mittwoch mit 1,90 an, der Vergleichswert der Vorwoche lag bei 1,65. Ein bundesweiter Schwellenwert, ab wann die Lage kritisch zu sehen ist, ist unter anderem wegen großer regionaler Unterschiede nicht vorgesehen.

An dieser sogenannten Hospitalisierungsinzidenz „als Maß aller Dinge“ übte Ciesek Kritik: Der Virologin zufolge bildet der Indikator die tatsächliche Belastung in vielerlei Hinsicht ungenau ab. Sie sprach sich etwa dafür aus, sich die Lage der Universitätskliniken genauer anzuschauen, da diese die Covid-19-Patienten vorrangig behandelten. Auch innerhalb einzelner Krankenhäuser seien Abteilungen unterschiedlich stark belastet.

dpa

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